Regionalentscheid

Im Fokus ist die Kläranlage

Jugend forscht in Bad Vilbel: Gymnasiasten untersuchen den Erlenbach.

David Mittag (16) ist perfekt vorbereitet. Auf dem Tisch hat er einen Koffer mit Chemikalien drapiert, Mikroskop und Fachliteratur herausgekramt und eine Schautafel in das Klassenzimmer des Georg-Büchner-Gymnasiums (GBG) gerollt. Wenn er und Paul Czaja (15) in knapp zwei Wochen im Frankfurter Senckenberg-Museum antreten, um den Regionalentscheid von „Jugend forscht“ 2019 zu gewinnen, muss alles stimmig sein.

„Wir haben gute Chancen“, sagt David. Die beiden GBG-Schüler haben seit 2017 in Pioniermanier wissenschaftlich belegt, dass die Renaturierung die Wasserqualität des Erlenbachs deutlich verbessert hat. Und dass die Kläranlage in Ober-Erlenbach ein Problem ist.

2017 suchten Biologie-Lehrer Marc Grahmann und Kollegin Johanna Tschammer Jung-Forscher, um das größte Gymnasium des Wetteraukreises bei „Jugend forscht“ zu vertreten. Schnell fanden sie David. „Ich konnte nie erwarten, anzufangen, Wissenschaft zu machen“, sagt dieser heute. Ein Praktikum bei der Senckenberg-Gesellschaft hat er schon hinter sich, privat pflegt er eine kleine Fossilien-Sammlung.

Mit Freund Paul ging es los. Als Forschungsobjekt wählten sie den etwa 30 Kilometer langen Erlenbach, der im Taunus entspringt und in Bad Vilbel-Massenheim in die Nidda mündet. Sie wollten herausfinden, welchen Einfluss der Mensch auf dessen Ökosystem hat. Hält sich der Erlenbach an die Wasserrahmenrichtlinie der EU? Und wirkt die Renaturierung?

Mit Hilfe der BVB-Stiftung, des GBG-Fördervereins und des Fraport-Umweltfonds schafften David und Paul ein Testlabor im Kofferformat, Messbecher und Fachbücher an. Dann legten die Bad Vilbeler zwei Messstellen in Massenheim fest: eine nicht-renaturierte und eine renaturierte, die etwa 460 Meter auseinanderliegen. Im Sommer 2017 machten sie die erste von mehr als 200 Messungen. Die Wasserproben untersuchten sie auf chemische, physikalische und biologische Parameter. Sie maßen Wassertiefe, Temperatur und Fließgeschwindigkeit. Und einmal im Monat sammelten sie 20 Stichproben, um sie auf Kleinstlebewesen hin zu testen. Dieser biologische Teil der Forschungen ist der wichtigste, wie Lehrer Grahmann erklärt: „Es ist das Herzstück, weil man nur darüber die Gewässergüte bestimmen kann.“

Ergebnis: Renaturierung bringt was

Die Auswertung ergab laut David: „Die Renaturierung bringt echt was.“ Der Erlenbach gelte laut Saprobienindex als „gering belastet“, landet in der Güteklasse Zwei. Und: Wo der Bach renaturiert ist, ist die Artenvielfalt größer als im nicht-renaturierten Teil. Mit diesem Ergebnis holten die Bad Vilbeler bei „Jugend forscht“ den zweiten Platz im Regionalentscheid 2018. Aber sie wollten mehr. Ihre nächste Frage: Welchen Effekt hat die Kläranlage in Ober-Erlenbach?

David und Paul zogen einige Kilometer bachaufwärts, um vor und hinter der Kläranlage wieder Proben zu nehmen, ein halbes Jahr lang. „Im Sommer hat es an der Kläranlage gestunken, wir hatten immer Handschuhe an, das war schon hart“, sagt David. Aber es sollte sich lohnen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Vor der Kläranlage ist relativ viel Sauerstoff im Bach, und es finden sich nur wenige potenziell schädliche Stoffe, dahinter fehlt der Sauerstoff, dafür gibt’s mehr Nitrat und Ammonium. „Auf dem Index ist die Güteklasse um zwei Stufen gefallen“, sagt Paul. Hinter der Kläranlage rangiert der Bach in Klasse Vier: „sehr stark bis übermäßig verschmutzt“. Laut EU müssen alle Gewässer eine Güteklasse von Eins oder Zwei erreichen. Die hat der Erlenbach auch wieder in Massenheim. Bleibt die Frage: Was passiert dazwischen?

Das wollen David und Paul im dritten Teil ihres Projekts herausfinden. Zuvor steht für die beiden Jungs aber der Regionalentscheid 2019 an. Zu dem fahren sie mit einer klaren These. David: „Eine Renaturierung reicht nicht aus, um die Wasserqualität zu sichern. Wir brauchen eine Verbesserung der Kläranlagen.“

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