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Gewaltige Landmarke, eine der zwei bereits existierenden, gut 370 Meter langen Lagerhallen bei Langen-Bergheim.

Büdingen/Hammersbach/Limeshain

Initiative will Ausbau des Industrieparks Limes stoppen

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Bürgerinitiative startet Petition gegen die Erweiterung des Logistikparks Limes an der A45.

Die Bürgerinitiative Schatz Boden will mit einer Petition die Erweiterung des umstrittenen interkommunalen Gewerbegebietes „Limes“ an der A45 bei Hammersbach-Langen-Bergheim stoppen. Es geht um die Verdopplung der Fläche um 24 Hektar. Die aktuellen Ausbaupläne des Zweckverbands, dem Büdingen, Limeshain (beide Wetteraukreis) und Hammersbach (Main-Kinzig-Kreis) angehören, beziehen sich auf die „Erweiterung West“ mit gut zehn Hektar. Seit 2019 betreibt der französische Logistiker ID Logistics ein rund 40 000 Quadratmeter großes Lager für Internethändler. Eine ebenso große Halle wird nebenan demnächst in Betrieb gehen. Wer der Mieter sein wird, darüber gibt der Zweckverband derzeit keine Auskunft. Insgesamt sollen auf „Limes“, das einst Ackerland war, einmal 160 000 Quadratmeter Lagerfläche für Logistiker stehen.

„Es besteht ein Interesse an einer Fläche von acht Hektar und kleinen auf zwei Hektar“, erläutert Michael Göllner (SPD), Vorsitzender des Zweckverbands und Bürgermeister von Hammersbach, die Erweiterung. Ein weiteres Großlager soll dort gebaut werden. Überdies werde Platz für Kleinbetriebe geschaffen. Die Nachfrage sei auch hier groß, so Göllner. Das war die Situation vor der Coronakrise. Laut Göllner soll ungeachtet einer darauffolgenden möglichen Rezession das Genehmigungsverfahren für die „Erweiterung West“ vorangetrieben werden. Zurzeit werde in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Darmstadt am Antrag für ein Zielabweichungsverfahren zum Flächennutzungsplan gearbeitet, den die Regionalversammlung beschließt, heißt es. Göllner hofft, dass es das Vorhaben bis Herbst in die Gremien der beteiligten Kommunen schafft. Allerdings laufe das Verfahren aktuell wegen der aktuellen Einschränkungen auf Sparflamme.

Für die Limeshainer Bürgerinitiative Schatz Boden ist dies kein Grund, die Aktivitäten zurückzufahren. Dieser Tage wurde auf dem Eingabenportal „OpenPetition“ einen Petition gestartet, mit dem Ziel, mindestens 5000 Unterschriften zu erreichen, die dem Zweckverband und den darin angeschlossenen Kommunen überreicht werden sollen. Dies wäre ein kraftvolles Mandat, das der wenig zugängliche Zweckverbandsvorstand sicherlich nicht einfach übergehen könne, so BI-Sprecher Kim Den-Gupta. Zurzeit werde auch geprüft, ob unter Abwägung finanzieller Risiken gegen die Erweiterung Klage erhoben wird.

Keine weiteren Auflagen

Seit kurzem dominieren zwei riesige Logistikhallen, die einst idyllische Landschaft der Wetterau zwischen Hammersbach, Limeshain und Eckertshausen. Die Bauten konterkarierten das Ringen im Klima- und Landschaftsschutz allerorten, so die BI. Sie kritisiert auch, dass der Zweckverband dem Investor, die auf Industrieimmobilien spezialisierte Dietz AG in Bensheim, zur zügigen Realisierung und Gewinnmaximierung keine zusätzlichen Umweltauflagen auferlegt habe. Die beiden Hallen „weisen weder Anlagen zur Regenwasser- oder Sonnenenergienutzung auf, noch sind die Dachflächen begrünt worden“. Die Dietz AG soll noch weitere Hallen bauen.

Laut Sen-Gupta ergeben sich mit den bestehenden je rund 370 Meter langen Bauten auch andere negative Auswirkungen. „Die Wahrnehmung der Geräusche von der Autobahn hat sich deutlich verstärkt.“ Ein anderes Problem ist der Lastwagenverkehr. „Zu allen Tages- und Nachtzeiten sind große Sattelzüge auf der engen Dorfdurchfahrt unterwegs“, so die BI.

Ungelöst ist laut Sen-Gupta auch das Problem, der vor dem Betriebsgelände auf Be- oder Entladung wartenden Lkws. Auf dem Betriebsgelände gebe es keine ausreichende Zahl an Stellplätzen, so dass die Schwertransporter auf dem Parkstreifen der Zufahrt warteten, bis in die Wendeschleife hinein. Die BI erhebt zudem den Vorwurf, dass es für die Fahrer keine kostenlose Infrastruktur gebe. Der Müll vom Leben im Lastwagen lande auf einem Grünstreifen, den laut BI die Fahrer auch gelegentlich für ihre Notdurft nutzten. Zweckverbandschef Göllner weist diese Behauptungen als üble Nachrede zurück. Im Gebäude gebe es eine Toilette und Dusche für die Fahrer. Wegen der Vermüllung habe es mit dem Betreiber ein Gespräch gegeben und es soll ein weiteres folgen. Göllner betont, „Limes“ ist kein Wohngebiet. „Wo Lkws stehen, könne auch mal Abfall liegen“, sagt er.

www.schatzboden.org

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