Karben

Stellenabbau und mehr Arbeit für gleichen Lohn

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Continental beschließt für sein Schlauchwerk eine "fünfjährige Zukunftsoffensive".

Mit Stellenabbau um knapp zwölf Prozent, Mehrarbeit bei gleichem Lohn und dem Streichen der freiwilligen Konzernerfolgsbeteiligung, trotz positivem Aktienkurs, will Continental sein Autozuliefererwerk in Karben sichern. Die mit dem Betriebsrat und IG Metall vereinbarten Schritte helfen den Standort Kosten „signifikant zu senken und Kompetenzen zu stärken für den internationalen Wettbewerb“, notiert Philip Nelles, Leiter des in Karben angesiedelten Geschäftsbereichs Schlauchleitungen.

Im Gegenzug gibt Continental eine Standortsicherung bis 2023, zu der eine Investition in Höhe von 14 Millionen Euro in das Werk gehört. Mit dem Geld sollen neue Maschinen installiert werden, um Prozessabläufe stärker automatisieren, heißt es. Auch sollen „weitere relevante Organisationseinheiten“ zur Standortstärkung nach Karben verlagert werden. Was das für andere Conti-Werke bedeutet, war mangels Ansprechpartner am Freitag nicht zu erfahren.

Das Abkommen läuft bis zum Jahr 2023 und beinhaltet etwa dass bis zu 88 Stellen schrittweise verschwinden, 50 davon auf „freiwilliger Basis und sozialverträglich“. 38 Stellen sollen durch Renteneintritte wegfallen. Damit in Karben der qualifizierte Nachwuchs nicht abhanden kommt, werden 20 Ausbildende und duale Studierende im Werk übernommen, heißt es.

Auch die verbleibenden Beschäftigten müssen für die kommenden Jahre ihren Teil der Zukunftssicherung schultern. Konkret bedeutet das: ab März steigt die Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden auf 39 Stunden, ohne Vergütungsanpassung. Künftige Tariferhöhungen werden ab Dezember 2019 mit drei monatiger Verzögerung umgesetzt. Bis 2023 werden alle neuen Tarifvertragsleistungen wie „Lebensarbeitszeit und Demografie auf Null reduziert“. Die Belegschaft schaut ebenso bei der freiwilligen Gewinnbeteiligung in die Röhre. Gleichwohl der Geschäftsbericht 2017 im Vergleich zu 2016 einen Zuwachs bei Umsatz (8,5 Prozent auf 44 Milliarden Euro) und Gewinn vor Steuern (11,4 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro) ausweist. Das tariflich abgesicherte Weihnachts- und Urlaubsgeld wird den Beschäftigten in bisheriger Höhe ausgezahlt, heißt es.

Betroffen von der „fünfjährigen Zukunftsoffensive“ sind derzeit 760 Beschäftigte und Leiharbeiter. Im Werk im Stadtteil Klein-Karben werden Schlauchleitungen und -systeme für Motor und Antriebsstrang hergestellt. Der 1871 gegründete Konzern mit Sitz in Hannover beschäftigt 244.000 Mitarbeiter an mehr als 400 Standorten in 61 Ländern.

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