Kriminalität in Echzell

Rätsel um verunstaltete Schilder

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Eine entwendete Metalltafel mit Hakenkreuz und dem Namen des "Schlitzers", Patrick Wolf, taucht vor dem Haus eines engagierten Kämpfers gegen Rechts in Echzell (Wetterau) wieder auf.

Manfred Linss machte am vergangenen Montag eine beunruhigende Entdeckung. In einer Papiertüte habe ein Schild an seinem Hoftor gelehnt, berichtet der Erste Vorsitzende des Vereins „Grätsche gegen Rechtsaußen“ in Echzell. Ein Foto zeigt den Fund. „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ ist auf dem Schild zu lesen. Doch es ist beschmiert. Über das Wort „kein“ ist ein Hakenkreuz gemalt. Darunter steht: „P. W. kommt zurück!“

Noch in der Woche zuvor hatte sich Linss in einem FR-Artikel zu jenem Mann geäußert, dessen Initialen nun auf dem Schild stehen: Patrick Wolf, der Ende des Jahres seine Haftstrafe verbüßt haben wird. Besteht da ein Zusammenhang? „Ich sehe es jetzt erst mal nicht als Bedrohung“, spielt der Echzeller die Entdeckung herunter.

Auch Rochsane Mentes, die für die Kommunen Echzell, Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheim das Gemeinschaftsprojekt „Bunter Leben“ leitet, warnt vor voreiligen Schlüssen. „Ich bin sehr vorsichtig, das in den Zusammenhang zu setzen.“ Auch ein Trittbrettfahrer könne in Betracht kommen.

Dass das Schild bei Manfred Linss auftaucht, dürfte indes kein Zufall sein. Sein Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ hatte sich Anfang 2010 als Bürgerinitiative gegen die rechten Umtriebe von Patrick Wolf, genannt „Der Schlitzer“, und seinen Kameraden im Ortsteil Gettenau gegründet (FR vom 8. November).

Woher das aufgefundene Schild stammt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. An anderen Orten in Echzell wurden in diesem Jahr gleich zwei identische, noch unbeschmierte Schilder mit derselben Aufschrift „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ von Unbekannten entwendet. Eines hing seit 2014 am Rathaus in Echzell.

Es gibt in Deutschland etliche dieser Schilder, auch an ein paar Rathäusern in der Wetterau. Eine Initiative der IG Metall gleicen Namens stellt sie zur Verfügung. Das Schild am Rathaus der 5800 Einwohner zählenden Wetterau-Gemeinde Echzell schraubte man gut sichtbar neben dem Briefkasten am Haupteingang an.

Wann es von den Unbekannten abmontiert worden ist, weiß man im Rathaus nicht. Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung sei es zunächst gar nicht aufgefallen, weil die meisten durch den Hintereingang ins Gebäude kämen, sagte die Leiterin des Haupt- und Ordnungsamtes, Kerstin Zorn. Die Gemeinde hat bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Bei dem Schild, das Linss vor vier Tagen an seinem Hoftor fand, könnte es sich aber auch um ein anderes handeln. Bereits Ende April war ein identisches Schild von der Eingangstür eines Bistros in Echzell abgeschraubt worden, das der Inhaber vor gut vier Jahren dort hatte anbringen lassen. Der Diebstahl sei passiert, als das Bistro einige Tage geschlossen gehabt habe, berichtet der Gastwirt.

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