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Friedberg

Auf den Hund gekommen

Die Interaktion mit Tieren stimuliert alte Menschen. Im Altenpflegeheim St. Bardo der Caritas in Friedberg sorgt der Besuch von Hund Gizmo für eine willkommene Abwechslung. Das DRK sucht Ehrenämtler, die bereit sind, sich selbst und ihre Hunde ausbilden zu lassen.

Von Rebecca Röhrich

Vorsichtig nimmt Gizmo das Leckerli aus der Hand von Edelgard Amend. Und die 88-Jährige streicht liebevoll über den Kopf des Collie-Mischlings. „Du bist ein ganz Lieber“, sagt die alte Dame und lacht ein bisschen. Sie hatte auch immer einen Hund gehabt. Allerdings könne sie sich partout nicht mehr an den Namen ihres Vierbeiners erinnern.

Seit einem halben Jahr wohnt Amend nun im Altenpflegeheim St. Bardo der Caritas in Friedberg und der Hundebesuch ist für die lebhafte Frau eine willkommene Abwechslung. Auch die anderen zehn Teilnehmer der Therapiestunde mit Hund, die sich in einem Stuhlkreis zusammengefunden haben, freuen sich über das fröhliche schwarze Tier mit weißer Brust und weißen Pfoten. Die alten Menschen können ihn füttern, streicheln oder ihm einen kleinen Ball zuwerfen.

Gizmos Besitzerin Karina Schmidt und die Pflegeassistentin Irene Burkert passen dabei auf, dass sich niemand der alten Herrschaften vor dem Hund fürchtet. Aber selbst die Dame im Rollstuhl, die gerade frisch ins Heim eingezogen ist, macht begeistert mit. Am Anfang der Stunde hatte die zarte kleine Frau angemerkt, dass sie ein wenig Angst vor Hunden habe.

Gemeinnützigen Trägern fehlt das Geld

Vor einem halben Jahr hat sich Schmidt in St. Bardo vorgestellt und wurde „mit offenen Armen empfangen“. Seit dem kommt sie alle zwei Wochen vorbei. Für den professionellen Einsatz im therapeutischen Bereich brauchen Hund und Herrchen allerdings eine besondere Ausbildung. „Gizmo ist ein vom Deutschen Roten Kreuz ausgebildeter Therapiehund“, sagt die 25-Jährige. Die Hunde können dann von Hospiz bis Kindergarten überall eingesetzt werden, erklärt sie weiter. Sie habe sich für das Altenheim entschieden, weil sie während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres im Altenpflegeheim feststellen musste, dass die Bewohner häufig nur wenig Beschäftigung haben.

Grund dafür ist das oft knappe Budget der gemeinnützigen Träger von Altenheimen, wie zum Beispiel der Caritas, erklärt Heimleiter Andreas Stehula. Die Heime seien deshalb auf Menschen wie Karina Schmidt angewiesen. Denn die beiden machen ihren Job ehrenamtlich. Dabei ist gerade der Kontakt zu Tieren für alte- und demenzkranke Menschen sehr wichtig. „Viele Menschen erreichen wir nur noch über Tiere oder Kinder“, bestätigt Pflegedienstleiterin Marina Selle. Die Tiere wecken die alten Menschen aus der Apathie, beleben den Geist und stimulieren die Sinne.

Mittlerweile ist noch mehr Bewegung in den Stuhlkreis gekommen: Ein großer gelber Ball wird emsig einander so zugeworfen, dass der Hund ihn möglichst nicht fangen kann. Aber das versucht Gizmo natürlich trotzdem und sorgt damit für einige Lacher. Der Collie-Mischling ist sehr geduldig und lässt sich bereitwillig von allen Seiten streicheln. Auch ein versprengter Ball der an seiner Flanke landet bringt den großen Hund nicht aus der Ruhe.

„Bevor ein Hund mit der Ausbildung beginnen kann wird mit ihm ein spezieller Eignungstest gemacht“, erklärt Schmidt. In dem werden verschiedene Stresssituationen durchgespielt. Wichtig ist, dass das Tier in allen Situationen ruhig bleibt und nicht aggressiv wird. Erst wenn er den besteht, kann er dann, gemeinsam mit seinem Besitzer, an zwei verlängerten Wochenenden die Ausbildung zum Therapiehund machen.

Die Stunde mit Gizmo geht zu Ende und ein paar Heimbewohner sind auf ihren Stühlen eingedöst. Aber Edeltraut Amend ist der Name ihres Hundes wieder eingefallen. „Der Rex war auch so groß allerdings hatte er spitze Ohren“, ruft sie und lockt Gizmo mit einem letzten Leckerli.

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