Ein Fahrzeug des RMV (Symbolfoto).
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Ein Fahrzeug des RMV (Symbolfoto).

Wetterau

Horlofftalbahn soll bis 2025 wieder fahren

  • Andreas Groth
    vonAndreas Groth
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Das Land signalisiert Unterstützung für die Horlofftalbahn. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) rechnet mit 700 Umsteigern.

Die Nachricht aus Wiesbaden kam in der vergangenen Woche wie ein verspätetes Jubiläumsgeschenk für die nach einem Flüsschen benannte Horlofftalbahn daher. Das Verkehrsministerium kündigte an, die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Wölfersheim im Wetteraukreis und Hungen im Kreis Gießen unterstützen zu wollen. Es empfahl den Kommunen und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), das Vorhaben weiter voranzutreiben. Im Oktober 2017 hatte die Horlofftalbahn ihr 120-jähriges Bestehen gefeiert. 

Im Wetteraukreis will man der Ankündigung nun Taten folgen lassen. Der Bürgermeister der 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde Wölfersheim, Eike See, kündigte an, man werde nun zügig in der Gemeindevertretung einen Grundsatzbeschluss fassen. Ähnlich äußerte sich der Wetterauer Landrat Jan Weckler (CDU). Außerdem, so See, müssten die bis zur Genehmigungplanung nötigen Schritte gemeinsam mit dem RMV vorbereitet werden. „Im optimalen Fall kann man von einem Realisierungszeitraum von fünf Jahren ausgehen“, sagte der SPD-Politiker. 

Bis 2003 waren auf der zwölf Kilometer langen Strecke am Rande des Wetteraukreises Züge unterwegs. Wegen geringer Fahrgastzahlen wurde der Abschnitt jedoch stillgelegt. Wölfersheim machte sich zusammen mit Hungen und der Arbeitsgemeinschaft Horlofftalbahn für die Reaktivierung stark. 2011 kauften die beiden Kommunen die Schienen, abgesehen von einem Kilometer vor dem Hungener Bahnhof, den die Deutsche Bahn behielt. Zu dem Kauf hatten sich die Gemeinden entschieden, weil die Bahn die Strecke entwidmen wollte. Für den Zugverkehr hätte sie dann nicht mehr zur Verfügung gestanden. 

Kosten waren gestiegen

Wölfersheim und Hungen, der RMV sowie der Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) hatten das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Reaktivierung zuletzt neu bewerten lassen. Anlass dafür gaben gestiegene Investitionskosten, die in der Vorplanung ermittelt worden waren. Im Zuge der Neubewertung sei auch das Betriebskonzept optimiert worden, heißt es aus dem hessischen Verkehrsministerium. „Die im Betrieb besonders teuren Doppelstockzüge wurden beispielsweise durch Triebwagen ersetzt, ohne dass dadurch Kapazität verloren ginge“, äußerte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Im Ergebnis sei der Kosten-Nutzen-Indikator sogar von 1,5 auf knapp 2,3 gestiegen, dieser Wert sei besonders gut. 

Die Kosten für die direkte Verbindung von Hungen nach Friedberg mit Anschluss nach Frankfurt werden auf 20 Millionen Euro geschätzt. Der RMV rechnet damit, dass mindestens 700 Pendler vom Auto auf die Bahn umsteigen.

Wölfersheims Rathauschef See betonte, wie wichtig das Projekt sei. Nur durch attraktive Verbindungen aus Wölfersheim und Hungen nach Frankfurt werde es gelingen, die Straßen und damit die Umwelt zu entlasten. 

Bei der Frage, wann die ersten Züge wieder auf der Strecke unterwegs sein werden, gibt sich der RMV indes vorsichtiger als See. „Voraussichtlich Mitte der 2020er Jahre“, teilt eine RMV-Sprecherin mit. Bis zur Reaktivierung seien noch viele Schritte zu gehen. Mit der Empfehlung des Landes könne man nun in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung einsteigen, erklärte die Sprecherin. 

Die Grünen in Wölfersheim zeigten sich erfreut über die Fortschritte. Nun müsse      ein Vorhabenträger für die Reaktivierung gefunden werden. Dies brauche nicht unbedingt die Deutsche Bahn sein. 

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