Eines der Kasernenhäuser, die die Stadt kaufen will.
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Eines der Kasernenhäuser, die die Stadt kaufen will.

Friedberg

Hochschule zieht auf Kasernengelände

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Eine Teilfläche des ehemaligen Kasernengeländes Ray Barracks in Friedberg soll Platz für ein Technologiezentrum bieten. Die Stadt will ihr Recht auf einen "vorgezogenen Erstzugriff" nutzen

Bei der Nutzung des ehemaligen Kasernengeländes Ray Barracks will die Stadt Friedberg nun einen Anfang machen. Drei Gebäude, die im Jahr 2015 zur Erstaufnahme von Flüchtlingen vorbereitet, aber nie belegt worden sind, sollen künftig Platz für Firmen und Appartements sowie für ein Technologiezentrum unter der Regie der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) mit Standort Gießen und Friedberg bieten. Die Stadt nutzt hierbei ihr Recht auf einen „vorgezogenen Erstzugriff“ auf das Areal.

„Es geht darum, einen hochqualitativen Nukleus auf dem Kasernengelände zu setzen“, sagte Bürgermeister Michael Keller (SPD) bei der Vorstellung des Plans am Mittwoch. Mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) werde derzeit über den Kauf von zwei Hektar verhandelt, auf denen ein ehemaliger Verwaltungsbau und zwei Unterkunftshäuser stehen. Zur Preisofferte habe die Bima lediglich eine „Wortmeldung“ abgegeben. Über den Betrag äußerte sich Keller nicht. Es soll sich jedoch um eine vertretbare Summe handeln.

Keller machte deutlich, dass die Kommune nicht als Investor fungieren werde, der die Immobilien saniert und modernisiert, etwa mit dem Anbau von Aufzügen. „Wie schon bei der Housing Area wird die Stadt Friedberg nur eine Zwischenrolle einnehmen, aber eine entscheidende.“

Im Jahr 2015 hat die Stadt von der Bima die Gebäude nahe der Königsberger Straße zur Aufnahme von rund 460 Flüchtlingen für drei Jahre zu Sonderkonditionen gemietet und zahle seitdem nur die Betriebskosten in Höhe von knapp 8000 Euro, so Keller. Seit dem Abzug der amerikanischen Soldaten 2007 stehen die Häuser leer. Für die Erstunterbringung mussten zunächst 1,6 Millionen Euro investiert werden, um die versorgungstechnische Infrastruktur wiederherzustellen. So wurde auch eine neue Heizungsanlage installiert, die jedoch bislang nur leere Räume erwärmt hat.

„Alle 48 Stunden geht jemand durch die Häuser, dreht die Wasserhähne auf und zu und bestätigt die Toilettenspülung“, berichtete Keller. Ohne diese und andere Vorsorge würden die Gebäude nach kurzer Zeit wieder in den Zustand der Unbewohnbarkeit zurückfallen.Job

Mit dem Vorhaben wird der Entwicklung einer Teilfläche nach dem Masterplan von 2012 für die Ray Barracks Rechnung getragen. Laut Keller wird mit dem Technologiezentrum ein „regionales Kompetenzzentrum für Wissenschaft und Forschung“ geschaffen. Alle Planungen würden mit der THM abgesprochen. Kleinere Firmen etwa in der Sparte Automotive könnten sich oft Forschung allein nicht leisten. Unternehmen aus dem Wetteraukreis und dem Vogelsbergkreis würden einen besonderen Nutzen daraus ziehen, so der Bürgermeister.

Mit insgesamt rund 10 000 Quadratmetern Nutzfläche bleibe ausreichend Platz für Firmenansiedlung und Kleinwohnungen, die laut Michael Keller an THM-Lehrbeauftragte, Professoren und Studenten vermietet werden könnten. Der sehr wohnortnahe Arbeitsplatz sei ein aktuelles Modell in den USA.

Offen bleibt vorerst, ob der Vertragsabschluss mit der Bima noch in diesem Jahr zustande kommt. Keller, der am kommenden Sonntag nicht mehr zur Wiederwahl zum Bürgermeister antritt, sagte: „Meine Aufgabe ist es, das Projekt auf das Gleis zu setzen.“

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