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Historische Schätze für das Stadtarchiv

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Hans-Helmut Hoos übergibt seine jüdische Sammlung der Stadt Friedberg.
Hans-Helmut Hoos übergibt seine jüdische Sammlung der Stadt Friedberg. © Renate Hoyer

Der Geschichtsforscher Hans-Helmut Hoos übergibt dem Friedberger Stadtarchiv einen Großteil seiner außergewöhnlichen Sammlung von Judaica.

Von Bruno Rieb

Glänzende Augen bekommt Lutz Schneider, Leiter des Stadtarchivs in Friedberg, wenn er von der Bedeutung der Hoos-schen Sammlung erzählt. „Sachen“ seien das, „an die man schwer rankommt“, schwärmt er. Und es sind Dinge darunter, an die sonst keiner rankommt: Die Aufzeichnungen der Interviews, die Hans-Helmut Hoos mit Überlebenden des Holocaust aus Friedberg geführt hat. Dafür ist er nach Israel und sogar nach Argentinien gereist. Die meisten seiner Interviewpartner sind inzwischen verstorben.

Am Dienstag hat Hans-Helmut Hoos weite Teile seiner Sammlung, darunter auch 150 Bücher zur Geschichte der Juden in Deutschland, dem Stadtarchiv vermacht. Er wolle damit erreichen, dass sein Lebenswerk „der nachfolgenden Generation zugänglich wird“, sagt der 67-Jährige. Friedbergs Bürgermeister Michael Keller (SPD), selbst Historiker, weiß wie einem zumute ist, der sowas hergibt. „Man gibt von sich selber etwas weg“, sagt er. Und: „Das ist ein Stück persönliche Biografie.“

Wie Hoos zu dieser leidenschaftlichen Erforschung der Geschichte der Friedberger Juden kam? Anfang der 80er Jahre hat er als Vorstandsmitglied der evangelischen Kirchengemeinde eine Vortragsreihe organisiert. Dabei sollte es auch um das Verhältnis Juden und Christen gehen. Hoos konnte niemanden finden, der etwas zu den Friedberger Verhältnissen sagen konnte. Also fing er selber an zu forschen. Zunächst über die Zeit der Naziherrschaft 1933 bis 1945.

Hier leistete er gemeinsam mit Michael Keller und Herfried Münkler, der inzwischen ein angesehener Politikwissenschaftler ist, Pionierarbeit. In den 80er Jahren gaben sie das Buch „Von Schwarz-Rot-Gold zum Hakenkreuz“ heraus, das die Machtergreifung der Nazis in Friedberg schildert. Prügel seien ihnen deshalb angedroht worden. Man sei damals noch „viel näher dran“ an dieser Zeit gewesen, sagt Keller.

Hoos, zunächst Gymnasiallehrer an der Augustinerschule in Friedberg, dann Direktor des Gymnasiums Philippinum in Weilburg, kniete sich tief hinein in die Geschichte der Friedberger Juden. Er suchte Kontakt zu den Überlebenden des Holocaust aus Friedberg. Knapp 60 konnte er finden. Nur noch vier von ihnen leben heute noch, sagt er.

Im Jahr 1992 kam es zu einem denkwürdigen Ereignis: Überlebende Friedberger Juden waren in ihre einstige Heimatstadt eingeladen worden und viele kamen. Mit Familienangehörigen waren es nahezu 60 Personen, erinnert sich Keller. Mit diesem Ereignis habe sich eine „Gedenkkultur“ in der Kreisstadt entwickelt. Hoos’ Verdienst sei es, den Kontakt zu den Holocaust-Überlebenden gehalten zu haben, sagt Keller.

Vor acht Jahren mündeten Hoos’ Recherchen in das Buch „Kehillah Kedoschah – Spurensuche“, das die Geschichte der Friedberger jüdischen Gemeinde beschreibt. Und er hat noch einiges vor. Die Ordner mit den Briefen, die ihm die Holocaust-Überlebenden geschrieben haben, hat er behalten. Er will diese „sehr persönlichen“ Schriftstücke für ein Buch auswerten. Und eine Biografie über den 1931 verstorbenen Lehrer Heinrich Ehrmann möchte er schreiben. Der sei der bedeutendsten Gelehrte der Friedberger jüdischen Gemeinde gewesen, sagt Hoos.

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