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Das gelbe Schild mit Kleeblatt zeigt: Hier kümmert man sich um Hilflose.
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Das gelbe Schild mit Kleeblatt zeigt: Hier kümmert man sich um Hilflose.

"Kümmerstellen"

Hilfe für verwirrte Menschen

  • Meike Kolodziejczyk
    VonMeike Kolodziejczyk
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Läden, Pfarrämter und Polizeistation werden zu „Kümmerstellen“

Irgendwann stand die ältere Dame im Raum, im Arm eine Tasche, vollgepackt mit Kleidungsstücken. Vergnügt sei die ihr unbekannte Seniorin gewesen, sagt Ulla Wolf, Betreiberin der Kurapotheke in der Frankfurter Straße. „Aber sie wusste nicht, wohin sie wollte und woher sie kam.“ Sie habe einen Stuhl und etwas zu trinken bekommen, mitten im Geschäftstrubel. Bevor Wolf die Polizei rufen konnte, betrat eine Kundin die Apotheke, die die Dame kannte. Ein glücklicher Zufall. Doch es kann auch weniger glimpflich enden, wenn sich demente Menschen plötzlich nicht mehr zurechtfinden und verwirrt durch die Stadt irren.

„Es gibt immer mehr ältere Menschen und damit immer mehr Demenzkranke“, sagt Hans-Ulrich Callies, Vorsitzender der Trägerversammlung Café Kleeblatt. Und es gibt das Projekt „Demenzfreundliche Kommune“, das dieser Entwicklung begegnen will. „Angesichts des demografischen Wandels können wir die Betreuung von Demenzkranken nicht mehr nur den Institutionen überlassen“, sagt Lucia André von der Diakoniestation Bad Vilbel, „wir müssen ganz neue Strukturen aufbauen“.

Dazu gehört seit sieben Jahren das „Café Kleeblatt“, wo sich Senioren dienstags und mittwochs treffen können. Dazu gehören nun auch die „Kümmerstellen“, die an das Prinzip der „Kinder-Notinseln“ erinnern. Ein vierblättriges Kleeblatt auf orange-gelbem Grund weist sie aus, darauf der Satz: „Wir kümmern uns um hilflose Mitbürger.“ An 19 Türen kleben diese Aufkleber seit einigen Tagen. Läden, Apotheken, Gemeindebüros, Pfarrämter, das Seniorenbüro und die Polizeistation machen mit. Klaus Peter Steinruck, Vizevorsitzender der Café-Kleeblatt-Gemeinschaft, erläutert das Ganze anhand eines Schaubilds. „Demenz geht uns alle an“, betont er. Deswegen seien alle angesprochen, „als hilfsbereite Bürger zu agieren“. Wer auf der Straße einen orientierungslosen Menschen bemerke, solle ihn ansprechen und versuchen, ihn in die nächste Kümmerstelle zu begleiten. Die Mitarbeiter veranlassen dann alles weitere. „Dadurch werden Mitbürger ermutigt, Hilfebedürftigen auch tatsächlich zu helfen“, meint Callies, schon deswegen, weil sie nicht allein dastünden mit einem dementen und mitunter aufgebrachten Senior.

„Deeskalation“ lautet daher eine weitere Devise des Konzepts, betont André, die Polizei rege viele noch zusätzlich auf, Geschäfte und besonders Apotheken seien ihnen dagegen vertraut und könnten beruhigend wirken. Dennoch geht es ohne Polizei nicht, im Gegenteil: Sie ist nicht nur als „Kümmerstelle“ in das Netzwerk einbezogen, nach einer weiteren Idee der „Demenzfreundlichen Kommune“ soll sie eine Klienten-Datei für Demenzkranke verwalten. Der Eintrag sei freiwillig und nur der Polizei zugänglich, versichert Callies. Das Konzept stehe, mit dem Anlegen der Karteien werde nun begonnen. Und weitere Bausteine des „Mosaiks“ sollen folgen.

Ein Jahr lang haben die Verantwortlichen des Cafés Kleeblatt mit den Partnern und Beteiligten das Konzept der Kümmerstellen ausgetüftelt, bislang gibt es nichts Vergleichbares in Deutschland. Auch eigene Erfahrungen hätten eine Rolle bei der Entwicklung gespielt, sagt die Altenpflegerin Lucia André. Erfahrungen, wie sie auch Ulla Wolf von der Kurapotheke machte. Nun hofft sie, auf der Fortbildung, zu der die Kümmerstellen-Mitarbeiter eingeladen sind, zu erfahren, „wie wir uns verhalten sollen“. Wenn Menschen wie die alte Dame mit der Tasche plötzlich Hilfe brauchen.

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