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Bilderflut aus dem Netz: Pädagogen fürchten  Überforderung. (Symbolbild)
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Bilderflut aus dem Netz: Pädagogen fürchten Überforderung. (Symbolbild)

Wetterau Sexualisierter Alltag

"Heute ist alles zugänglich"

Sex ist eines der Topthemen in Internet und Medien. Die Informationsflut überfordert junge Männer und Frauen oft. Jutta Fenske vom Frauenzentrum Wetterau organisiert deshalb gemeinsam mit anderen Fachleuten eine Tagung über den sexualisierten Alltag von Jugendlichen.

Sex ist eines der Topthemen in Internet und Medien. Die Informationsflut überfordert junge Männer und Frauen oft. Jutta Fenske vom Frauenzentrum Wetterau organisiert deshalb gemeinsam mit anderen Fachleuten eine Tagung über den sexualisierten Alltag von Jugendlichen.

Eine Fachtagung zum Thema „Sexualisierter Alltag Jugendlicher und pädagogische Praxis“, die im November in Friedberg stattfinden wird, haben zehn Organisationen, darunter der Frauennotruf und Frauen helfen Frauen, das Frauenzentrum und der Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Kreises organisiert.

Frau Fenske, was ist der Anlass für die Tagung?

Wir haben von den Beratungsstellen, mit denen wir zusammenarbeiten, gehört, dass Jugendliche verunsichert sind von dem was über das Internet und andere Medien auf sie einwirkt. Und auch die Fachleute, die in den Jugendeinrichtungen arbeiten, sind verunsichert, wie sie damit umgehen sollen.

Was irritiert die Jugendlichen?

Unsereins hat seine Sexualität noch ausprobiert, erforscht. Heute wirken auf die Jugendlichen Bilder und Beschreibungen ein, für die noch die Reife und das Verständnis fehlen, und sie müssen damit zurechtkommen. Sie müssen mit dieser Bilderflut ihre eigene Sexualität entwickeln. Sie übernehmen oft Vorstellungen, die sie gezeigt bekommen, die vielfach nicht angemessen sind, sage ich – vorsichtig ausgedrückt –, und die auch in Diskriminierungen, Übergriffen und Gewalthandlungen münden können.

Haben Medien wie das Internet zu einer neuen Qualität geführt? Bilder oder Filme mit sexuellen Inhalten gab es ja auch vorher.

Die Bravo ist harmlos gegen das, was heute im Internet zu sehen ist.

Es gibt ja nicht nur die Bravo.

Heute werden Jugendliche im Alltag mit sexuellen Themen konfrontiert, ob sie wollen oder nicht, zum Beispiel über Musikvideos. Damals musste man an Heftchen rankommen, die unterm Ladentisch gehandelt wurden. Heute ist das alles zugänglich und wird über Handy und Internet schnellstens an andere übermittelt. Das betrifft dann auch manchmal in der Umgebung lebende Menschen.

Welche Menschen meinen Sie?

Nun, junge Menschen bewegen sich in Cliquen. Leider gilt es in einigen Gruppen als schick, Außenseiter oder Mädchen und Jungen, die irgendwelche Besonderheiten aufweisen, durch sexualisierte Attacken zu mobben.

Die Schwelle ist also viel niedriger geworden. Welche Auswirkungen hat das?

Die Jugendlichen sind sehr verunsichert, was „die Norm“ ist. Sie werden leichter in Handlungen hineinmanövriert, die Grenzen überschreiten und die sie eigentlich nicht möchten.

Sie meinen damit sexuelle Gewalt.

Ja, verbale und körperliche.

An wen richtet sich die Tagung?

An Fachleute: An Mitarbeiter und Betreuerinnen in Jugendzentren und Jugendeinrichtungen, Sozialarbeiter und -pädagoginnen sowie Lehrkräfte an Schulen, also an Menschen, die beruflich mit Jugendlichen zu tun haben.

Was wird ihnen die Fachtagung bringen?

Ihr Blick soll geschärft werden, denn das Thema ist oft sehr schambesetzt bei den Jugendlichen und den Erwachsenen. Sie sollen auch den Mut haben, Übergriffe anzusprechen, zum Beispiel Erniedrigungen unter den Jugendlichen einzuschränken. Es geht aber auch darum, im Team ein Leitbild zu finden, wie damit umgegangen werden sollte. Der eine sagt, eine verbale Attacke bedeutet noch nichts, der andere meint, sie verletze jemanden. Ein Team, das mit Jugendlichen arbeitet, muss eine Haltung dazu haben.

Lernen die Teilnehmer, die Jugendlichen auf sexuelle Dinge anzusprechen, wie sie die Schamgrenzen überwinden?

Es geht nicht darum, die Jugendliche dazu zu bringen, etwas zu äußern, das sie nicht äußern wollen. Die Zielrichtung ist, den Eigenschutz zu stärken, dass Mädchen und Jungen bestärkt werden, sich zu wehren gegen etwas, das sie nicht möchten. Es geht auch darum, dass sie Vertrauen zu den Ansprechpartnern entwickeln können, dass sie ihnen mitteilen können, was sie bewegt.

Es geht also um Jugendliche, für die das schon ein Problem geworden ist und die es von sich aus ansprechen.

Ja, es geht darum, in den Einrichtungen, in denen Jugendliche leben, ein Klima von Respekt und Achtung der Menschenwürde, auch zwischen den Geschlechtern, zu sichern.

Das Interview führte Bruno Rieb.

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