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In der Abfüllanlage in Bad Vilbel wird jede Flasche erst gereinigt, bevor sie wieder mit frischem Sprudel gefüllt wird.

Bad Vilbel

Hassia: Hessisch Wasser

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Bei Hassia in Bad Vilbel läuft die Produktion im Sommer auf Hochtouren. Stündlich gehen tausende Flaschen auf die Reise – und längst nicht mehr mit nur Mineralwasser.

Ein stetiges Rattern erfüllt die riesige Halle. Zwischendurch zischt es mal, an einer anderen Stellen vernehmen empfindliche Ohren ein Rauschen. Dieses sollte aber niemanden verwundern, schließlich handelt es sich bei der großen Halle, um die Abfüllung des Getränkeherstellers Hassia in Bad Vilbel.

Auf mehr als 125 000 Quadratmeter rund um die Gießener Straße ist das Unternehmen in der Stadt im Wetteraukreis angesiedelt. Täglich werden bis zu drei Millionen Liter Flüssigkeiten abgefüllt. 481 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, denn obwohl der Großteil der Arbeit von Maschinen erledigt wird, braucht es an vielen Stellen immer mal einen erfahrenen Handgriff.

Hassia – übrigens das lateinische Wort für Hessen – hat in Bad Vilbel eine lange Tradition. Eine 155-jährige um genau zu sein. 1864 war es als Johann Hinkel aus seinem Hofbrunnen Wasser abfüllte und eine Mineralwasserhandlung gründete. Die Stadt der Quellen weist mehr als 30 unterirdische Wasserreservoirs auf. Mal sprudelt das Wasser aus Trinkbrunnen für jedermann, mal ist es Teil der Mineralquellenherstellung, wie eben bei Hassia. Noch heute befindet sich das Unternehmen im Besitz der Familie Hinkel: Mit Seniorchef Günter Hinkel und seinem Sohn Dirk Hinkel stehen gleich zwei Hinkel an der Spitze von Hassia. Der eine ist der Urenkel, der andere der Ururenkel des Firmengründers.

All diese Informationen über die langjährige Geschichte des Unternehmens können Besucher im Quellenmuseum nachlesen. Die dortige Ausstellung ist die erste große Station auf einer Führung durch den Produktionsstandort. Natürlich gibt es nicht nur schnöde Geschichtsfakten zu sehen, sondern auch Technik von damals. Wie funktionierte einst eine Etikettieranlage? Was macht die Zwillingsbürstmaschine und wo ist ihr eineiiges Geschwisterchen? Und wozu diente gleich noch mal der Imprägnierkessel? Diese und noch weitere Fragen beantworten auf der Tour durchs Haus natürlich der bewanderte Führer.

Stichprobe, bevor die Flaschen in den Verkauf kommen.

Das Museum bietet darüber hinaus auch noch Einblicke in die Vielfalt der Ton- und Glasflaschen, die im Laufe der Jahre verwendet wurden. Auch die zahlreichen Etiketten, Verschlusstechniken und die mehr als 100-jährige Werbegeschichte der Firma könnten für anerkennende Ahs und wiedererkennende Ohs sorgen.

Mit all dem neuen Wissen im Kopf, muss sich dann aber auch erst mal gestärkt werden. Bei einem kleinen Imbiss gibt es selbstredend auch die Hassia-Produkte zu trinken. Diese umfassen nicht nur Mineralwasser, sondern auch Limonaden, Eistees oder Schorlen. Etwa 180 verschiedene Sorten sind im Portfolio des Unternehmens. So zählt beispielsweise nicht nur das gleichnamige Wasser zu Hassia, sondern auch die Marken Rosbacher, Elisabethen-Quelle, Bad Vilbeler Ur-Quelle und bei den süßeren Getränken Bizzl oder seit 2018 auch Bionade.

Im Anschluss an den Imbiss geht es in das Herzstück des Unternehmens: die Abfüllanlage. Bevor die Stege, die über den Maschinen verlaufen, aber betreten werden dürfen, muss jeder Besucher eine Haube für die Haare aufsetzen und seine Hände desinfizieren. Mit sauberen Fingern und nicht ganz modischer Kopfbedeckung geht es also in die eingangs beschriebene Halle, in der ein andauernder Geräuschpegel herrscht.

Über den großen Maschinen, in die stetig ein Strom von Flaschen hineinbefördert wird und auf der anderen Seite verändert wieder rauskommt, sind große blaue Schilder zu sehen. Auf den Schildern stehen die wichtigsten Fakten und Erklärungen kurz zusammengefasst. Etwa, dass die Maschinen 30 000 Flaschen pro Stunde befüllen können oder das Glasflaschen bei 80 Grad Celsius und Mehrweg-PET-Flaschen bei 60 gereinigt werden.

Apropos Glasflaschen, deren Abfüllung gibt es bei der Führung nicht zu sehen. Sie findet in einem anderen Bereich statt, der nur mit Ohrstöpseln betreten werden darf. Das Klirren der aneinander stoßenden Flaschen ist wirklich laut. Zudem sind die Schritte bei beiden Flaschenarten sehr ähnlich.

Also zurück zu den PET-Flaschen. Die Produktionsschritte sind schnell aufgezählt: Zuerst werden die Flaschen etwa 20 Minuten lang gesäubert und von Etiketten und Deckeln befreit, anschließend werden sie wieder befüllt, verschlossen, neu etikettiert und landen so schlussendlich in der Kiste. Zwischen allen Schritten werden die einzelnen Flaschen kontrolliert und bei Mängeln aussortiert. Eine Maschine kontrolliert auf Risse im Plastik, eine andere überprüft die Füllmenge der einzelnen Gefäße. Ganz am Ende kommt der Vollflascheninspektor zum Einsatz. Die Maschine kontrolliert, ob in den vollen und verschlossenen Getränken noch irgendwelche Fremdkörper schwimmen.

Ist wirklich alles in Ordnung gehen die Kisten noch auf eine kleine Untergrundreise. Um von der Produktion ins Lager zu kommen, werden die Flaschen mit der Hängebahn in sechs Metern Tiefe befördert. Unter der Büdinger Straße werden somit täglich bis zu 10 000 Paletten hin und her bewegt. 110 Meter verläuft die Strecke im Untergrund.

Pressesprecherin Sybille Trautmann verrät noch, dass der Sommer 2018 schwierig war. Durch die Hitze sei der Quellenstand auf einem niedrigen Niveau gewesen. Gerade im Hochsommer läuft die Produktion auf Hochtouren. Sieben Tage die Woche in drei Schichten. Ansonsten arbeiten die Menschen in der Produktion nur von montags bis freitags.

Damit trotz Aussortierung von kaputten PET-Behältern immer ausreichend Flaschen im Kreislauf vorhanden sind, müssen auch stetig neue zugeführt werden. Ganz am Anfang sind die Flaschen kleine Rohlinge, die eher wie Reagenzgläser aussehen. Kaum vorstellbar, dass aus ihnen je nach Bedarf eine 0,2-Liter- oder eben eine 1,5-Liter-Flasche wird. Aber in der Blasmaschine geschieht genau das. Dank einem Druck von 35 Bar und einer höheren Temperatur werden die Rohlinge geformt. Zwar gibt es im Unternehmen auch Einwegflaschen, aber der Großteil der Herstellung ist auf nachhaltigen Mehrweg angelegt. Mittlerweile sei die Mineralwasssermarke Hassia sogar klimaneutral.

Wer sich auf die gut zweistündige Besuchertour durch die Hassia-Abfüllanlage begibt, sollte unbedingt noch ein paar gute Fragen auf Lager haben. Beispielsweise nach der zusätzlichen siebten Anlage, die bald in Betrieb genommen wird. Oder was mit den Flaschendeckeln geschieht. Denen steht nämlich nach dem Recyceln ein zweites noch ungewöhnlicheres Leben bevor. Oder wie oft so eine PET-Flasche im besten Fall eigentlich verwendet werden kann. Alle Antworten gibt es dann vor Ort in Bad Vilbel.

Verlosung

Die FR verlost eine exklusive Führung am 1. August durch die Hassia Mineralquellen in Bad Vilbel. Insgesamt können 40 Personen an der Führung um 14 Uhr teilnehmen. Wer dabei sein möchte, registriert sich bis 28. Juli unter https://fr.de/gewinnspiel mit dem Losungswort „Hassia“. Wenn Sie jemanden mitbringen möchten, bitte „+XY“ an das Losungswort fügen, wobei Sie „XY“ durch die Zahl an Personen ersetzen, die Sie zusätzlich mitbringen möchten. Nur Gewinner werden benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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