Der Geschäftsführer Volker Thoma mit seinem Lieblingssaft.
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Der Geschäftsführer Volker Thoma mit seinem Lieblingssaft.

Karben

Herr der Säfte

  • Andreas Groth
    VonAndreas Groth
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Volker Thoma ist neuer Geschäftsführer der Rapp's Kelterei. Grundsätzlich ändern will der 55-Jährige nichts. Rapp's sei schon ein Erfolgsmodell in der Branche. Damit dies auch weiter so bleibt, hat das Unternehmen neue Säfte in Planung.

Seit Jahresbeginn hat Volker Thoma das Sagen über die Säfte und den Apfelwein vom Selzerbrunnen. Der 55-Jährige trat am 1. Januar die Nachfolge von Klaus-Dieter Kneip als Rapp’s-Geschäftsführer an. Es sei ein „nahtloser Übergang“ gewesen, sagt der gebürtige Offenbacher Thoma. Als Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing hat er schon seit 2010 an der Seite von Kneip gearbeitet, der auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. Überraschend war dessen Abschied nicht. Grund für den Eintritt in die Geschäftsführung vor fast fünf Jahren sei unter anderem gewesen, dass sein Vorgänger angekündigt hatte, schon mit Anfang 60 aufhören zu wollen.

Kneip war es auch, der Thoma 1999 anrief und ihm mitteilte, dass die Stelle des Betriebsleiters bei Hassia neu zu besetzen sei. So wechselte der gelernte Industriekaufmann von der Würzburger Hofbräu GmbH, in der er ebenfalls als Vertriebsleiter tätig war, in die Quellenstadt. Mit Kneip verbinde ihn ein „freundschaftliches Verhältnis“, sagt Thoma.

Grundsätzliches ändern wolle er nicht. Schließlich sei Rapp’s schon ein Erfolgsmodell in der Fruchtsaft-Branche. „Wir wollen noch näher am Verbraucher sein und die Glaubwürdigkeit der Marke Rapp’s erhöhen“, umschreibt der zweifache Familienvater das Marketing-Ziel. Dies sei umso wichtiger, sei der Fruchtsaft-Konsum doch seit Jahren rückläufig sei.

Bevor der Rapp’s Geschäftsführer nicht sein Okay gibt, landet kein Getränk der Kelterei auf dem Markt. Manche Säfte würden über Monate immer wieder getestet, bis der Geschmack stimme, sagt Thoma. Dabei gilt die Devise: Für jeden neuen Saft, der im Marktregal zu finden ist, fällt ein anderer aus dem Sortiment der Firma.

Das wird das nächste Mal in drei Wochen passieren. Vom 1. Februar an wird das Unternehmen einen Mandarinen-Direktsaft anbieten, wie der Chef verrät. Dafür werde die Produktion des Streuobstwiesensaftes Apfel-Hollunder eingestellt. „Wir schneiden was Altes ab, damit was Neues nachwächst.“ Dieser Grundsatz gehöre zur Rapp’s-Philosophie. Ihm zum Opfer fallen dürfte Thomas Lieblingssaft bis auf Weiteres nicht. Es ist ein Klassiker, wenn auch in seiner milden Variante: „Sanft wie Seide Orange“.

Den Grundsatz werde sich die Firma auch weiter bei den heimischen Streuobstwiesen zu Herzen nehmen. Vor rund zwei Jahren hat Rapp’s damit angefangen, solche Flächen zu pachten. Denn es mangelt an Äpfeln aus der Region. „Leider bleibt mehr Obst auf dem Boden als aufgelesen wird“, so Thoma. Viele Wiesen würden nicht mehr gepflegt.

Neue Abfüllanlage ab April

Im September hatte das Unternehmen 385 Streuobstbäume auf insgesamt 54 000 Quadratmetern von der Stadt gepachtet. Auch mit Nidderau hat es einen Vertrag geschlossen. Für 50 Cent pro Apfelbaum hat es rund vier Hektar Streuobstwiesen gepachtet. Ein Mitglied der IG Streuobst kümmert sich um ihr Pflege und den regelmäßigen Schnitt der Bäume. Rapp’s hat ihn eigens dafür engagiert. „Es sollen weitere Flächen gepachtet werden“, sagt der Geschäftsführer. „Wir sind im Gespräch mit dem Bürgermeister.“

Ein Teil der Äpfel wird dann in die zweite für dieses Jahr geplante Neukreation des Hauses fließen. „Im Apfelweinbereich wird sich was tun“, sagt Thoma. So soll eine neue mildere Apfelweinvariante auf den Markt kommen. Das gehe in Richtung des Hochstätter Rosé-Apfelweins, der ein wenig Johannisbeersaft enthält. Ob der frühere Brauerei-Vertriebsleiter Thoma selbst ein großer Apfelwein-Liebhaber ist oder doch ein Bier vorzieht? Kein Kommentar.

Doch stehen nicht nur Änderungen bei der Produktpalette an. Im März soll eine neue PET-Abfüllanlage in Betrieb gehen. Dann werde man auch für andere Unternehmen Getränke abfüllen können, zum Beispiel den Mutterkonzern Hassia. Zudem steht die Erweiterung des Verwaltungsgebäudes an.

Genug zu tun also für den Chef des „Saftladens“. Freizeit habe er nur am Wochenende. Die verbringt er am liebsten mit seiner Familie und in der Natur auf ausgedehnten Wanderungen und Spaziergängen mit Familienhund Lenny.

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