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Claudia Hentzschel, (von links), Stephan Zöller und Mascha Wirth ernten.
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Claudia Hentzschel, (von links), Stephan Zöller und Mascha Wirth ernten.

Nidderau

Hege für bedrohte Kräuter

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Das Feldflora-Reservat der Stadt Nidderau bewahrt selten gewordene Pflanzen- und Getreidearten.

Die Kelche der Kornrade sind strohtrocken, die schwarzen Samenkörner rasseln bereits darin. Ein gleiches Bild zeigt sich beim Ackermannlenkwinkel, von ihm stehen nur noch sonnengegerbte Halme – wie anderswo auch auf dem Feldflora-Reservat der Stadt Nidderau. „Noch vor kurzem stand hier ein Meer von Blüten“, sagt Stephan Zöller, Leiter des Umweltbüros, als müsse er sich für die Vergänglichkeit entschuldigen.

Aber es blühen noch einige florale Schätze auf den 40 Beeten des rund 650 Quadratmeter großen Geländes. Etwa der Bunte Hohlzahn, der frisch aus der Krume sprießt. Auf seinen Blättern krabbeln etliche metallisch grün-glänzende Ampferblattkäfer herum. „Die kommen immer pünktlich, wenn auch der Hohlzahn da ist“, sagt Zöller.

Rund 60 Arten von gefährdeten Kräutern, altem Getreide und einst typische Begleitpflanzen am Ackerrand werden gehegt und gepflegt. Und nicht nur zum Anschauen für Schulklassen. Es war die Idee des Geobiologen Erich Haslinger aus Hanau, ein Reservat für aussterbende Wildkräuter zu schaffen, erzählt Zöller.

Erdrückende Konkurrenz

Mit dem Nidderauer Umweltbüro habe er einen Partner gefunden. Gleichzeitig sollte das Reservat eine Insel in der Biotopvernetzung und eine Blütenoase für Insekten und Schmetterlinge bilden. Inmitten einer Ackerlandschaft hört diese Absicht zunächst komisch an. „Die moderne Landwirtschaft lässt den Ackerwildkräutern kaum Lebensraum“, sagt Zöller. Grund ist nicht nur das Versprühen von Chemie. „Heute stehen die Getreidehalme sehr dicht zusammen.“ Ihre Konkurrenz sei erdrückend.

Die Folge davon ist auf den Beeten im Feldflora-Reservat abzulesen. Nicht wenige Pflanzen tragen dort den Hinweis, dass sie auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen und einige davon in der freien Natur nicht mehr vorkommen. Knapp 200 Meter vom Wartbaum auf der Hohen Straße liegt das Reservat. Ein Zaun schützt die Beete. Seit 1998 besteht das Feldflora-Reservat, das gegenwärtig von den Honorarkräften Claudia Hentzschel und Mascha Wirth betreut wird.

Unkräuter, die der Wind oder die Tiere einbringen, sind zu jäten. Außerdem müssen Hentzschel und Wirth Samen sammeln, säen sowie immer wieder den Boden lockern. Alles von Hand. Gelegentlich helfen ihnen Freiwillige. „Keine leichte Arbeit dennoch“, meinen die beiden Betreuerinnen, deren Leidenschaft durch eine Führung entstand. Mascha Wirth bringt als studierte Landschaftspflegerin überdies Fachkompetenz mit.

Weniger arbeitsintensiv geht es auf dem zweiten Teil des Reservats zu. Hinter den Beeten erstreckt sich ein schmaler Acker, mit Getreide und Kräuter auf mehr als 600 Quadratmetern. „Das ist unser Schauacker, um Besuchern zu zeigen, wie es früher auf den Feldern einmal aussah“, erläutert Zöller.

Auch über die Stadtgrenzen hinaus erlangte das florale Reservat Aufmerksamkeit. Das Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu-Anspach startete 2013 mit der Servicestelle Forsteinrichtung und Naturschutz von Hessen-Forst (FENA) eine Initiative für den Erhalt seltener Ackerwildkräuter. Das Saatgut dafür kam aus Nidderau.

Obwohl diese heimischen Wildkräuter einst oft als Substanzen für Apotheken gesammelt worden sind, werden sie nicht für medizinische Zwecke genommen. „Dazu sind die Mengen zu gering“, sagt Hentzschel. Dabei wäre das Anwendungsspektrum groß. Der Stinkende Gänsefuß, der seine Fressfeinde mit dem Geruch von altem Fisch abschreckt, soll beispielsweise je nach Zubereitung einst als krampflösendes Mittel Menschen und als Wurmkur Pferden verabreicht worden sein.

Einen Tag der offenen Tür gibt es am 27. September zu den Feierlichkeiten auf der Hohen Straße. Führungen durch das Reservat gibt es derzeit jedoch nicht.

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