Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der junge Syrer ist froh, nicht mehr in Damaskus zu leben.
+
Der junge Syrer ist froh, nicht mehr in Damaskus zu leben.

Bad Nauheim

Hauptsache raus aus Syrien

Weil auf seine Heimatstadt Damaskus die Bomben fallen, ist der Syrer Tarek Alnakoula nach Deutschland geflohen. Seit einem Jahr wohnt der 28-Jährige Arzt in Bad Nauheim und möchte in Deutschland weiter seinen Beruf ausüben.

Von Rebecca Röhrich

Zwei Jahre hat Tarek Alnakoula den Bürgerkrieg in Syrien ausgehalten. Dann hat der 28-Jährige beschlossen, seine Heimat zu verlassen. In seiner Geburtsstadt Damaskus hatte er als Assistenzarzt in einem Krankenhaus gearbeitet und gerade die Facharztausbildung zum Kardiologen begonnen. „Beim Herzen weiß man in der Regel ziemlich schnell, wo das Problem liegt, anders als beispielsweise bei den Verdauungsorganen.“ Diese klaren Diagnosemöglichkeiten gefallen dem stillen Mann mit Brille. Dann eskalierte 2011 der bewaffnete Konflikt.

Nach dem Ende seiner Ausbildung wollte er eigentlich in die USA auswandern. Aber der Krieg habe all seine Pläne zunichte gemacht. „Das Krankenhaus wurde häufig bombardiert und wir Ärzte drängten uns bei den Angriffen alle gemeinsam in einen winzigen Raum, während die Raketen einschlugen“, berichtet der junge Mann, der seit knapp einem Jahr in Bad Nauheim lebt.

Tarek Alnakoula glaubt nicht an Rückkehr

Alnakoula gehört zur christlichen Minderheit in Syrien. Seitdem die Rebellen ganze Stadtteile von Damaskus kontrollierten, sei das Leben für Christen und Schiiten nicht mehr sicher. „Alle Menschen, die keine Sunniten sind, werden dort getötet“, berichtet er. Der Mediziner wirkt pragmatisch und sachlich, spricht überlegt, auch wenn er vom Krieg berichtet.

Es sei merkwürdig, aber man würde sich ziemlich schnell an den Zustand gewöhnen. „Dass Menschen auf der Straße von Bomben und Raketen getötet werden war nach einem Jahr einfach normal“, erzählt er. Die allgegenwärtige Angst vor Tod und Terror schleiche sich langsam in das Leben der Menschen. Gerade in einem Land wie Syrien, was viele Jahrzehnte als sicher und stabil galt. „Keine Frage, Baschar al-Assad ist ein Diktator, aber wir konnten wenigstens in Frieden leben“, so Alankoula. Jetzt hätten in vielen Teilen des Landes Islamisten das Sagen. „Wir Christen haben dort keine Zukunft mehr.“

Tarek Alnakoula geht nicht davon aus, dass er jemals nach Syrien zurückkehren wird. Aber seine Familie, die Eltern und seine fünf Geschwister leben noch in Damaskus. Er musste sie zurücklassen. „Ich hatte keine Wahl, ich musste alleine gehen, um irgendwo in der Welt etwas aufzubauen, um sie dann nachholen zu können.“ Eine andere Chance gebe es nicht.

Angekommen ist er schließlich in Deutschland. Seine Flucht ging über die Türkei, Griechenland, Frankreich und Italien. Nach zwei Monaten landete er schließlich in der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen. Die Zeit auf der Flucht habe er nicht als sonderlich schlimm empfunden. „Überall, in jedem Land, gab es Menschen, die uns Flüchtlingen geholfen haben“, dies sei eine schöne Erfahrung gewesen.

Aber er habe auch Glück gehabt. Viele Menschen würden die Flucht nicht überleben. „Man weiß einfach nicht, wohin die Reise geht“, erzählt er. Außerdem sei nie sicher, wie lange die Flucht dauere.

Sein Bruder emigriert am Donnerstag

Aber Alnakoula ist optimistisch. Anfang März hat er den Sprachtest bestanden, der es ihm erlaubt, als Allgemeinmediziner in Deutschland zu arbeiten. Dabei habe er vor Kriegsausbruch gar keine Lust gehabt, noch eine weitere Sprache neben Englisch zu lernen, fügt er hinzu und lacht ein bisschen. „Drei Jahre muss ich als Arzt praktizieren und dann kann ich meine Facharztausbildung als Kardiologe fortsetzen“, erzählt er. In Florstadt habe er eventuell eine Stelle in Aussicht. Er sei froh, hier angekommen zu sein.

Die jüngsten Anschläge auf das Asylbewerberheim in Tröglitz und die Schüsse auf das Flüchtlingsheim in Hofheim am vergangenen Wochenende nehme er nicht persönlich. Klar käme einem der Gedanke, in Deutschland nicht willkommen zu sein, aber da er selbst nur gute Erfahrungen gemacht habe, müsse diese Sorge einer anderen weichen.

Denn am Donnerstag wird sich sein kleiner Bruder auf den Weg raus aus Syrien machen. Wohin es ihn verschlagen werde, wie lange die Reise dauere und ob der 23-Jährige heil in einem sicheren Land ankomme, sei unklar. Deshalb denke Alnakoula momentan täglich an seine Familie und hoffe, dass weiterhin alles gut gehen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare