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Ulf Berger repariert und ändert in der eigenen Werkstatt.
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Ulf Berger repariert und ändert in der eigenen Werkstatt.

Handgenäht statt von der Stange

Friedberg In der Werkstatt von Lederwaren Steck arbeitet der Chef nach individuellen Kundenwünschen

Von Jana Tempelmeyer

Mit routinierten Griffen bedient Ulf Berger seine Nähmaschine. Zuerst setzt er die Garnrolle auf, dann fädelt er mit flinken Bewegungen den beigen Faden ein und los geht es. Er legt die Ledertasche unter die Nadel, dreht am Rädchen und die Maschine beginnt zu rattern. Immer wieder tritt Berger sanft auf das Pedal unter seinem Tisch, und schon ist die Naht fertig. Als nächstes nimmt er sich einen Koffer zur Hand. Bei Lederwaren Steck auf der Friedberger Kaiserstraße wird nicht nur verkauft. Berger bietet auch einen Reparaturservice an und tüftelt für seine Kunden auch gerne mal an Sonderanfertigungen.

Im Erdgeschoss der Hausnummer 60 befindet sich eine circa 60 Quadratmeter große Verkaufsfläche. Erklimmt man die schmalen Wendeltreppen, passiert man das Lager, um im zweiten Stockwerk in die Werkstatt zu gelangen. Dort stehen drei Nähmaschinen und eine Werkbank. An den Wänden hängen zahlreiche Regale und kleine Fächer. Hier stapeln sich Beschläge, Ösen, Halter und Schnallen.

Geschäftsinhaber Berger empfindet sein Angebot als besonderen Service. „Immer mehr Kunden kommen hierher, weil es fast nur noch Sachen von der Stange gibt,“ weiß der 38-Jährige. Was nicht passt, wird passend gemacht: Er kürzt Gürtel, verlängert Umhängetaschen und passt Trageriemen an. Kaufentscheidungen sollten nämlich nicht von solchen Faktoren abhängen, findet Berger. Deshalb hat er auch schon mal einen Gürtel auf Maß gefertigt für einen Mann mit 1,50 Metern Bauchumfang. Die Kunst des Nähens haben Ulf und sein Vater Reinhard Berger vom letzten ausgebildeten Gesellen des Großvaters gelernt. „Er hat uns noch das Nähen mit der Hand beigebracht“, erzählt Berger.

Das Lederwarengeschäft ist ein Familienunternehmen. 1919 gründete Urgroßvater Steck eine Sattlerwerkstatt. Damals gab es noch viele Planwagen mit Pferden. In der Usagasse fertigten die Urgroßeltern das passende Zubehör: Trensen, Zaumzeug und Planen. Mit der Zeit gewann das Automobil an Bedeutung. Die Familie erkannte den Trend und wechselte zur Autosattlerei. 1928 kamen, die Nähe zur Lederstadt Offenbach machte es möglich, Verkaufswaren hinzu. „Meine Urgroßmutter war eine der ersten, die Offenbacher Waren verkauft hat“, sagt Berger stolz.

Mehrfach qualifiziert

Noch im gleichen Jahr mietete das Ehepaar ein Ladengeschäft in der Kaiserstraße. 1936 wurde dann das Nachbargebäude mit der Hausnummer 60 gekauft – hier ist das Geschäft bis heute ansässig.

Für Ulf Berger stand bereits beim Abitur fest, dass er das Unternehmen in vierter Generation weiterführen möchte. Er machte zuerst eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann bei Rewe, anschließend qualifizierte er sich zum Wirtschaftskaufmann. Nach zwei Jahren als Marktleiter begann er sein Wirtschaftsstudium an der FH Frankfurt. Seit 2005 arbeitet der Betriebswirt im Laden, zwei Jahre später erfolgte die Geschäftsübergabe. Sein Vater hilft immer noch – „als Hausmeister und in der Werkstatt“, sagt der erste Vorsitzende der Initiative „Friedberg hat’s“. Außerdem gibt es noch vier Angestellte im Verkauf.

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