Bei der Getreideernte wird die Wetterau mit einem blauen Auge davon kommen.
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Bei der Getreideernte wird die Wetterau mit einem blauen Auge davon kommen.

Wetterau

Guter Boden trotzt der Sonne

  • Andreas Groth
    vonAndreas Groth
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Viele Landwirte in der Wetterau haben einen Vorteil gegenüber ihren Kollegen im Rest von Hessen. Der gute Lößuntergrund hilft ihnen bei heißen Extremwetterlagen.

Schon die Römer schätzten die Böden der Wetterau. Im 16. Jahrhundert lobte sie der Friedberger Theologe und Reformator Erasmus Alberus. Und noch heute halten sie den Ruf der Wetterau als Hessens Kornkammer aufrecht. Gerade bei der aktuellen Hitze zeigt sich ihr Wert. Dank ihnen können viele Landwirte zwischen Frankfurt und Gießen beim Getreide noch einen halbwegs guten Ertrag erzielen.

Vergangene Woche hatte der Hessische Bauernverband mitgeteilt, es seien Ernteeinbußen beim Getreide von bis zu 30 Prozent zu befürchten. „In der Wetterau wird man noch mit einem blauen Auge davonkommen“, sagt dessen Sprecher Bernd Weber. Sei dort in guten Jahren beim Winterweizen ein Ertrag von knapp zehn Tonnen pro Hektar möglich, könne der selbst in diesem Jahr noch zwischen acht und neun Hektar liegen. Auch bei der Wintergerste werde es die Landwirte wohl weniger stark treffen als ihre Kollegen in Nord- oder Osthessen.

„Der Boden ist ein entscheidender Faktor“, erklärt Weber. Vor allem die zentrale Wetterau und der Westen profitierten davon. Dicke Schichten aus Löß, zum Teil mehrere Meter, ermöglichten dort beste Braunerden. Lößboden könne rund 200 Liter nutzbares Wasser pro Kubikmeter speichern, sagt Weber. Die Trockenheit halte er besser aus.

In der übrigen Wetterau stellt sich die Lage anders dar. An den Rändern zum Taunus und Vogelsberg weisen die Böden eine geringere Qualität auf. Andrea Rahn-Farr weiß davon zu berichten. Die Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt hat ihren Hof im Büdinger Stadtteil Rinderbügen, am Südrand des Vogelsbergs. Dort habe man 20 bis 30 Zentimeter guten Boden, darunter schon Basalt. Die Ackerbaubetriebe treffe es dort stärker.

Weidefutter wächst nicht mehr

Die meisten Landwirte im Altkreis Büdingen haben ihre Betriebe deshalb ohnehin anders ausgerichtet. Sie setzten auf Milchvieh sowie die Bewirtschaftung von Futterflächen, Grünland und Maisfeldern. Sie trifft die anhaltende Trockenheit auf andere Weise. „Das Weidefutter wächst nicht mehr“, sagt Rahn-Farr. Mancher Betrieb müsse Heu, Stroh oder Grassilage zukaufen, was angesichts der hohen Nachfrage zurzeit nicht billig sei. Aus der Not heraus habe es schon vorzeitige Schlachtungen gegeben.

Rahn-Farr hält ihre rund 400 Milchkühe das ganze Jahr im Stall. Um sie versorgen zu können, musste sie eine größere Menge Zuckerrüben-Pressschnitzel besorgen, ein Nebenprodukt der Rübenverarbeitung. Ihr dritter Schnitt auf dem Grünland in diesem Monat brachte nur noch trockene Halme, für die Kühe nicht zu genießen.

Die Landwirtin hofft, dass das Land bald die ökologischen Vorrangflächen für den gesamten Kreis ausnahmsweise zur Futtergewinnung freigibt. Bislang müsse jeder Betrieb dies einzeln beim Fachdienst Landwirtschaft des Wetteraukreises beantragen. „Ich denke, dass die flächendeckende Freigabe noch kommt.“

„Mit jedem heißen Tag wird die Situation schwieriger“, sagt Kreislandwirt Michael Schneller aus Niddatal. „Wir können da gar nichts machen, Bewässerungsmöglichkeiten gibt es nicht.“ Schneller baut unter anderem Zuckerrüben an. „Die haben bis jetzt ganz gut durchgehalten, jetzt ist das Wasser auch aufgebraucht.“

Selbst in den fruchtbaren Wetterauer Böden stießen die tiefwurzelnden Pflanzen an ihre Grenzen. Wenn die Sommer weiter so heiß werden, müsse man sich überlegen, was man in Zukunft anbaue, so Schneller. Wie hoch die Ernteeinbußen bei den Rüben 2018 in der Wetterau sein werden, könne er noch nicht beziffern.

Rahn-Farr vom Regionalbauernverband wagt eine Prognose. „Die Rübe hat auf Überlebensmodus geschaltet“, sagt die Landwirtin. Wenn das Wetter so bleibe, sei mit 30 bis 40 Prozent Einbußen zu rechnen. Beim Mais ist die Vorausschau noch pessimistischer. Rahn-Farr rechnet mit einem Minus von 30 bis 60 Prozent im Kreis.

„Lang anhaltende Wetterlagen“ seien häufiger geworden, sagt Rahn-Farr. Eine Entwicklung, die uns Sorgen macht.“ Sie können in einem Jahr schon mal dazu führen, dass die Wetterau mit dem guten Boden sogar stärker leide als andere Regionen. 2016 habe es im Juli so viel geregnet, dass die gute Speicherfähigkeit des Lößbodens zum Nachteil wurde. Damals habe Stauwasser zu Ernteeinbußen geführt.

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