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Wetterau

Guber verbindet Natur und Kunst

  • Petra Zeichner
    VonPetra Zeichner
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Der Bildhauer arbeitet mit Materialien wie Erde, Holz und Blütenpollen.

Betrachtet man die Bilder, so haben sie etwas Schemenhaftes. Nur zu erahnen sind die Gesichter der menschlichen Gestalten, die Stephan Guber auf Leinwand gebannt hat. Diese Bildtafeln hängen in der Dankeskirche in Bad Nauheim; dort stellt der Bildhauer derzeit aus. Um ihn zu porträtieren, sagt er, sei diese Ausstellung gerade gut geeignet. Zeichnet sie doch ein Bild der vergangenen 16 Jahre seines Schaffensprozesses.

Die Bilder sind frühe Werke. In Brauntönen meistens, mal heller, mal dunkler. Hergestellt hat er sie aus Materialien wie Erde, tierischen Leimen oder Blütenpollen. „Ich hatte nie einen Zugang zu künstlichen Farben wie Acryl“, sagt Guber. „Ich habe viele natürliche Dinge ausprobiert.“ Wenn er mit den Stoffen der Natur arbeite, benutze er selten Pinsel. Mit den Händen lässt sich Erde besser verarbeiten.

Das Grafik-Studium engte ihn zu sehr ein

Zur Kunst führte ihn ein „Drang, sich irgendwie auszudrücken“. Das Studium Grafik und Design an der Fachhochschule Wiesbaden habe ihn dabei eher behindert. „Ich hab´ da mal reingeschnuppert in die Welt des angewandten Kreativen, vielleicht auch Pseudokünstlerischen.“ So brach er die Hochschulausbildung 1989 nach zwei Jahren ab. Nicht jedoch das Studium. „Ich habe angefangen zu studieren, als ich aufgehört habe, zu studieren.“ Fortan reiste er und lernte autodidaktisch. In Skandinavien, Island und Grönland erforschte er die Erdfarben; nahm an Künstlersymposien teil, etwa in Davos.

Viel hat sich im Werk des Bildhauers seit dem getan. Bei den späteren Werken Gubers, den hellbraunen Skulpturen aus Pappelholz oder den fast dunkelgrauen aus Roteiche vor und in der Dankeskirche fällt auf: Sie haben im Vergleich zu den vagen menschlichen Andeutungen auf den Bildtafeln konkrete menschliche Körper. Sie sind lebens-, manchmal sogar überlebensgroß. Viele von ihnen haben Pupillen in den Augen. „Erstmals tauchte in meiner Arbeit der blickende Blick auf“, sagt Guber zu diesen Skulpturen. Auch in Bad Vilbel stehen Skulpturen aus Eichenholz: Dort umringen 69 von ihnen die Wasserburg, begleitet von lyrischen Worten Gubers.

Über die Frage, ob Kunst einen Zweck erfüllt, denkt er lange nach. Dann sagt er: Das höre sich so an, als ob die Kunst ein Mittel wäre. Sei sie aber nicht. „Kunst ist eine „Selbstverständlichkeit.“ So selbstverständlich wie der Mensch an und für sich, der auch in seinem Schaffen im Mittelpunkt steht.

"Jeder Mensch ist ein Künstler"

„Für Stephan Guber ist es ebenso klar wie für Joseph Beuys, dass jeder Mensch ein Künstler ist“, steht in dem Flyer zur laufenden Ausstellung. „Weil der Mensch nicht sein kann, ohne zu gestalten.“ Das Kunstwerk entstehe erst während der Arbeit an und mit ihm und nicht vorher im Kopf, betont der Bildhauer. „Ich forsche in meiner künstlerischen Arbeit und will mich selbst überraschen.“

Heute lebt und arbeitet der 48-Jährige in Geiß-Nidda. Dort hat er zusammen mit seiner Frau vor zwölf Jahren ein altes Schulhaus gekauft. Sie haben zwei Töchter, 17 und 20 Jahre alt. In seinem Atelier zu Hause arbeitet er an den Skulpturen, die nicht zu groß sind. Doch zum Teil sind die Stämme bis zu 1,20 Meter dick, sodass er sie nur in seinem Freiluft-Arbeitsplatz im Wald bearbeiten kann.

Um seine Existenz als freischaffender Künstler zu sichern, hat Guber sich ein Finanzierungsmodell aufgebaut. Wer seine Kunstwerke leihen oder kaufen möchte, kann einem Förderkreis beitreten und monatliche Beiträge zahlen. Genaueres möchte er nur auf Anfrage erläutern. Immerhin: Das Geschäft laufe so gut, dass er von seinen Einnahmen leben könne, sagt er.

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