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Grüne kritisieren Schienenbonus

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Eine S-Bahn.
Eine S-Bahn. © Rolf Oeser

Bislang liegen nur wenige Einwendungen gegen den S-Bahn-Ausbau vor. Die Planungsunterlagen liegen noch bis Montag in den Rathäusern von Bad Vilbel, Karben und Wöllstadt aus.

Von Bruno Rieb

Bürgerinitiativen machen gegen den viergleisigen Ausbau der S-Bahn zwischen Bad Vilbel und Friedberg mobil, beraten Anlieger bei Einwendungen gegen das Projekt. Beim Regierungspräsidium Darmstadt, das das Anhörungsverfahren für das Projekt betreibt, sind bislang „nur wenige private Einwendungen aus den Kommunen“ eingegangen, teilt RP-Sprecher Dieter Ohl mit. Die stammten überwiegend von Anwohnern, deren Grundstücke betroffen sind. Weitere Themen seien Lärmbelästigung und die Verkehrsprognose für die ausgebaute Strecke.

„Die Mehrzahl der Einwendungen dürfte noch zu uns kommen“, meint Ohl. Die Frist endet am 10. Oktober. Außerdem würden noch zahlreiche Stellungnahmen der Ämter und Verbände fehlen.

Nach Ablauf der Anhörungsfrist leitet das Regierungspräsidium die Einwendungen an die Bahn weiter, die dann dazu Stellung nehmen muss. „Ob es zu Umplanungen kommt, liegt am Vorhabenträger“, sagt Ohl. Also an der Bahn.

Die Planungsunterlagen liegen nur noch bis einschließlich kommenden Montag, 26. September, in den Rathäusern von Bad Vilbel, Karben und Wöllstadt aus. Die Bad Vilbeler Grünen sprechen sich angesichts der Kritik der Bürgerinitiativen grundsätzlich für den Ausbau der S-Bahn aus. Der sei im Interesse von 55.460 Menschen, die täglich aus der Wetterau ins Rhein-Main-Gebiet pendelten. Die Bahn sei ökologisch vernünftiger als der Straßenverkehr.

Probleme beim S-Bahn-Ausbau sieht allerdings auch die Öko-Partei. Etwa den Güterverkehr entlang von Wohngebieten. Der damit verbunden Lärm sei aber keine logische Folge des Streckenausbaus. Er komme vielmehr von den „teilweise überalterten, rappelnden und scheppernden Güterwagen auf nicht lärmmindernden Trassen“, so die Vilbeler Ortsverbandsvorsitzende Kathrin Anders. Die Deutsche Bahn nehme sich hier Freiheiten heraus, die im Straßenverkehr strafwürdig seien. Ähnlich lärmende Lastwagen würden vom TÜV aus dem Verkehr gezogen. Die Grünen fordern leisere Waggons sowie lärm- und erschütterungsärmere Gleise.

Außerdem kritisieren die Grünen, dass die Bahn beim Lärm einen „Schienenbonus“ beanspruche. Nach der Bundesimmissionsschutzverordnung liege der Lärm-Grenzwert für Züge fünf Dezibel über dem für den Straßenverkehr. Das sei aus heutiger wissenschaftlicher Sicht „nicht mehr vertretbar und gehört als Relikt des vorigen Jahrhunderts abgeschafft“, so Anders. Dieser „Schienenbonus“ erhöhe das Gesundheitsrisiko, „da er entweder bei gleicher Zugdichte höhere Spitzenpegel oder bei gleichen Spitzenpegeln eine erhöhte Zugdichte ermöglicht“, zitiert die Ökopartei eine Studie der Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg.

Trotzdem halten die Grünen ausdrücklich am S-Bahn-Ausbau fest. „Bürgerinitiativen, die einen Ausbaustopp fordern, können wir nicht unterstützen“, erklärt die Ortsverbands-Chefin Anders. Der Öffentliche Personennahverkehr müsse für die zahlreichen Pendler in der Region leistungsfähig bleiben.

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