+
Das NPD-Treffen in Büdingen hat zahlreiche Gegendemonstranten auf den Plan gerufen.

Tourismus

Büdingen fürchtet Imageschaden nach NPD-Treffen

  • schließen

Die Stadt Büdingen fürchtet einen Imageschaden nach dem großen NPD-Treffen in der Stadthalle. Der Tourismus leidet erheblich, Gäste sprechen von einem "braunen Nest".

Die Stadthalle ist sauber übergeben worden“, sagt Bürgermeister Erich Spamer (FW), nachdem am Samstag die NPD dort ihren Jahresempfang und anschließend ein Konzert mit rechten Bands veranstaltet hatte. Aber ein Trost ist das für ihn nicht. Die Scherben nach dem Auftritt der Neonazis sind wieder einmal an anderer Stelle zu finden. Wer nun „Büdingen“ bei Google eintippt, bekommt zuhauf Bilder und Videos angezeigt, die was mit NPD und AfD zu tun haben. Spamer spricht von einem erneuten Imageschaden für die Stadt. Er will nun mit einem Hallenverbot reagieren, das in Hessen vermutlich einmalig ist.

Auch der in Friedberg ansässige Verein Antifaschistische Bildungsinitiative sieht ob des aktuellen Ereignisses Handlungsbedarf. In einem offenen Vortrag sollen die Rechtsrockszene und deren Liedtexte beleuchtet werden. „Über diese Musik versuchen die Rechtsextremen Jugendliche zu ködern“, sagt Andreas Balser, Vorsitzender der Bildungsinitiative.

Die Verbindung von Parteitreffen und Konzert sei ein neues Format bei den Rechten, sagt Balser. „Dreh- und Angelpunkt der rechtsextremen Szene ist die Musik.“ In dem Vortrag von Bijan Hassan Pour-Razavi würden nicht nur „stilprägende Klassiker des Rechtsrocks“ zur Sprache gebracht, sondern auch das in seiner Wirkung nicht weniger Subtile, mit dem Rassismus, Antisemitismus und Gewaltverherrlichung ausgedrückt würde. Spamer berichtet vom einer teilweisen Unverhohlenheit am Samstagabend, wenn „Verräter an den Staatsschutz der Tod gewünscht wird“.

Er reagiert immer noch verärgert in Hinblick auf die Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH), den Spruch des Verwaltungsgerichts Gießen zu kassieren, das der Stadt bei der Kündigung des Mietvertrags für die Stadthalle recht gegeben hatte. Der VGH habe die Argumente der Stadt vom Tisch gewischt, so als sei das Konzert bei der Anmeldung wohl vergessen worden. Laut Spamer mietete die NPD die Stadthalle für den Jahresempfang und nicht zusätzlich für ein öffentliches Konzert.

Nach der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, in der die NPD vier Sitze hat, hofft Spamer, dass Büdingen nicht mehr auf der Karte von AfD und NPD steht. Die Hallensatzung wird derzeit überarbeitet. Parteien sollen die Halle nicht mehr mieten können. Spamer berichtet, der Magistrat orientiere sich am Satzungsentwurf der Stadt Weinheim, wo Gleiches anstehe. Wetzlar sei von dem Vorhaben wieder abgerückt. In Büdingen sollen am 25. Januar die Stadtverordneten über die Satzungsänderung abstimmen.

Laut Spamer leidet der Tourismus erheblich, der für die Stadt mit ihrem großen mittelalterlichen Kern wirtschaftlich bedeutend ist. Es sei vom „braunen Nest“ bei Gästen die Rede. Arnika Haury, Geschäftsführerin der Büdingen Tourismus und Marketing GmbH, sagt: „Manche Besucher sind verunsichert.“ Sie fragten auch schon mal, ob es in Büdingen so aussehe wie in einem Nazidorf. Büdingen sei schön, weltoffen und von Rechtsextremismus gebe es keinerlei Anzeichen im Stadtbild, entgegnen Haury und Mitarbeiter dann.

Der Imageschaden durch die Treffen der Rechtsextremen im Winter sei noch gering, in den warmen Monaten, in der Hauptausflugszeit, sei der höher, sagt Haury. Denn nicht nur die Altstadt sei ein Reiseziel, Büdingen bilde auch das touristischen Tor zum Vogelsberg und zum Keltenmuseum. Das jüngst im Fernsehen gezeigte positive Porträt über Büdingen sei nun erneut geschmälert worden, so Haury.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare