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Baroon Mohamud spielt seine Biografie als Theaterstück.
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Baroon Mohamud spielt seine Biografie als Theaterstück.

Bad Vilbel

Vom Glück zu leben

  • Claudia Isabel Rittel
    VonClaudia Isabel Rittel
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Die Fluchtgeschichte von Baroon Abdi Mohamud wird in Bad Vilbel als Bühnenstück inszeniert. Der gerade Volljährige hat auf seiner Flucht aus seinem Heimatland Somalia die Hölle auf Erden erlebt.

Ein Gespräch mit Baroon Abdi Mohamud ist wie ein lauer Sommerabend – dabei hat der gerade Volljährige schon die Hölle auf Erden erlebt. In seinem Heimatland Somalia ebenso wie an manchen Orten in Europa. „Es ist so wunderbar hier oben zu sein“, sagt er und es fühlt sich an, als mache er einen Luftsprung aus Freude darüber zu leben. Mohamud trägt schulterlange Rastalocken, enge Jeans, rote Turnschuhe und eine lässige schwarze Jacke.

Er weiß wovon er spricht. War schon mal ganz unten, fast unter der Erde sogar. Wurde mit drei Kugeln angeschossen, und um ein Haar auch begraben. Doch als die Erde auf seinen Brustkorb fiel, bewegte er sich und wurde gerettet. Wurde ausgeflogen in ein Krankenhaus in der Türkei. Da war er gerade mal zwölf. Bei seinem Vater hingegen hatten die religiösen Fanatiker Erfolg. Ihn erschossen sie mit zwei Kopfschüssen vor Mohamuds Augen.

Inszenierung als Zwei-Personen-Stück

Auch sein Onkel, der ihn in der Türkei abholen wollte um ihn zurück nach Somalia zu bringen, wurde ermordet. Und so entschloss sich Mohamud, damals noch fast Kind, zu fliehen. Er wollte nicht zurück nach Somalia. Und machte sich alleine auf den Weg ins Leben. Heute sagt er: „Ich habe immer so viel Glück gehabt.“

Arbeiten und Leben auf der Straße, Knast in der Türkei. Freilassung und Flucht. Als er und ein paar Mitstreiter den Grenzfluss zu Griechenland, der die Türkei von der Europäischen Union trennt, überqueren wollen, werden zwei Jugendliche, die auch rüber wollen, von Grenzsoldaten erschossen, berichtet er. Er aber kam lebend rüber – nach mehreren Wochen. Malochte dann in Griechenland für wenig Geld, und schaffte es, sich einen gefälschten schwedischen Pass zu kaufen. Und ein Flugticket nach Frankfurt.

Als Mohamud 2012 als 15-Jähriger am Flughafen den Piktogrammen zum Bahnhof folgt, ahnt er noch nicht, dass er in diesem fremden Land seinem Kindheitstraum ein großes Stück näher kommen wird. Denn schon seit er als Achtjähriger mit seinem Vater in Somalia im Theater war, träumte er davon Schauspieler zu werden. Es faszinierte ihn, dass Menschen auf einer Bühne stehen können, in eine Rolle schlüpfen und anderen dadurch eine Geschichte vermitteln können.

Aus Mohamuds Weg „Von Mogadischu an den Main“ hat das Frankfurter Willy-Praml-Theater 2013 ein biografisches Theaterstück gemacht. Darin wird Mohamuds Biografie mit der eines deutschen Vorstadtjungen kontrastiert, der von Sam Michelson aus Oberursel gespielt wird. Auch sein Part ist überwiegend biografisch. Es soll auch vergnüglich sein, betont Praml. „Wir wollen da nicht so auf die Tränendrüse drücken“, sagt er. „Dann wirkt es noch stärker.“

Diskussion nach den Vorstellungen

Zustande gekommen war der Kontakt zum Frankfurter Theatermacher und Regisseur Willy Praml über die Stadt Frankfurt. Als die Betreuer Mohamud in einem Heim für minderjährige Flüchtlinge fragen, was er mal machen wolle, sagt er: Schauspielen. „Dann haben wir ihn bei uns aufgenommen und er bekam seine erste Rolle“, sagt Praml heute. Mohamud lernte schnell, spricht inzwischen sehr gut Deutsch und beginnt auch Bücher in deutscher Sprache zu lesen.

„Wir sind dabei ihn auf eine staatliche Schauspielschule zu bringen“, sagt Praml. Die Konkurrenz allerdings ist groß. Aber Mohamud lässt sich davon nicht beirren. „Ich versuche das“, sagt er. „Aber wenn es nicht klappt, dann werde ich trotzdem Schauspieler.“ Es muss nicht der klassische Weg sein. Er geht seinen eigenen. Und der führt auch nicht zwingend über eine Schule. Angemeldet ist er eigentlich in einer Schule in Friedberg. Als Teil einer Ausbildung als Maler und Lackierer. Doch er geht dort seit Monaten nicht mehr hin. „Das ist nicht so mein Ding“, sagt er.

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