Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Kassen wollen die Klinikqualität verbessern.
+
Die Kassen wollen die Klinikqualität verbessern.

Wetterau Klinikqualität

„Es gibt messbare Unterschiede“

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
    schließen

Im Online-Check der Krankenkasse AOK schneiden die Wetterauer Kliniken gut ab. Doch noch spielt Mundpropaganda bei der Wahl der Klinik eine größere Rolle als Zahlen.

Wer ein künstliches Kniegelenk benötigt, hat die Wahl. Rund um Frankfurt bieten 42 Krankenhäuser den Eingriff an – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Krankenkassen sollen ab 2015 direkte Verträge mit jenen abschließen, die besonders gut arbeiten. So sieht es das Berliner Koalitionspapier vor.

Herr Boroch, die AOK hat die Qualität der 42 Häuser unter die Lupe genommen. Warum?

Einen vorhersehbaren Eingriff in der nächstgelegenen Klinik vornehmen zu lassen, kann ein Risiko sein, wenn man nichts über den dortigen Qualitätsstandard weiß. Dann doch lieber das 20 Kilometer entfernte Haus wählen, in dem es beim selben Eingriff sehr viel weniger Komplikationen gibt. Der Patient braucht dafür eine fachlich fundierte Orientierung, mehr Transparenz, welche Klinik besonders gut abschneidet.

#textline

Und wie viele der 42 Krankenhäuser sind beim Einsatz eines Knieersatzes top?

Acht sind überdurchschnittlich gut. Welche das sind, kann man online im AOK-Krankenhausnavigator nachlesen. Die Häuser, welche mit drei Lebensbäumen gekennzeichnet sind, gehören zu den besten 20 Prozent im Bundesgebiet. Das bedeutet aber auch, dass zwei Lebensbäume immer noch gut sein können, nur gehört die Fachabteilung eben nicht zur Spitze.

Woran bemisst sich die Qualität?

Wir machen das auf Basis der sogenannten QSR, das Kürzel steht für Qualitätssicherung aus Routinedaten. Hier werden Millionen von anonymisierten Informationen über die Abrechnungsdaten direkt aus den Kliniken gebündelt und anschließend analysiert. Anhand dieser Werte können wir zum Beispiel genau feststellen, ob nach einem Eingriff am Patienten weitere Komplikationen aufgetreten sind.

Wie viele der 42 Krankenhäuser sind schlecht beim Knieersatz?

Die Qualitätsergebnisse in vier Häusern liegen bei diesen Eingriffen im Vergleich zurück. Doch das kann sich ändern. Wir besprechen die Ergebnisse mit jedem Haus, auch mit den Top-Kliniken. Das läuft sehr partnerschaftlich. Uns geht es darum, für die Patienten eine Top-Qualität zu erreichen.

Hat das Konsequenzen, wenn ein Haus seinen Qualitätslevel nicht bessern kann?

Es gibt schon heute aufgeklärte, gut informierte Patienten, die sich am AOK-Krankenhausnavigator orientieren. Dass sich das Gros im Vorfeld bewusst für ein Haus entscheidet, wird auf lange Sicht eher die Regel sein. Hinzu kommt, dass wir nur mit Kliniken spezielle Versorgungsverträge eingehen wollen, die auf einem qualitativ guten oder sogar hohen Niveau tätig sind. In diese Richtung zielt auch die Bundesregierung. Sie will ab 2015 gut arbeitende Häuser mit Zuschlägen begünstigen. Umgekehrt bedeutet das: Die mit minderer Qualität bekommen von den Krankenkassen weniger Geld für ihre Leistung, die sie für die Patienten erbringen.

Bringt das die vier unterdurchschnittlichen Krankenhäuser in Existenznöte?

Nein, das kann man so nicht sagen. Denn die Häuser wollen in der Regel Schwachstellen beseitigen, besser werden. Es geht derzeit immer nur um einzelne Leistungsbereiche, nie um die Klinik in ihrer Gesamtheit. Fakt ist aber auch: Wir wollen unsere Versicherten nicht in Häuser schicken, die eine unterdurchschnittliche Qualität aufweisen.

Können Sie heute schon abschätzen, wie viele Ihrer Versicherten sich für ein ausgezeichnetes Haus entscheiden werden?

Für eine Prognose ist es zu früh. Je mehr den Verbrauchern klar wird, dass es messbare Qualitätsunterschiede gibt, desto eher werden sie eine bewusste Wahl treffen. Noch ist diese Botschaft nicht breitflächig angekommen. Noch spielen die räumliche Nähe, Mundpropaganda und ein subjektives Empfinden eine größere Rolle als belastbare, repräsentative Zahlen.

Ziel ist also die Spezialisierung einzelner Kliniken?

Es handelt sich weniger um ein Ziel. Der medizinisch-technische Fortschritt begünstigt diese Entwicklung. Es wird weiterhin Krankenhäuser geben, die ein breites Spektrum anbieten.

Der gemeinsame Bundesausschuss wird entscheiden, welche Diagnosen für Direktverträge infrage kommen. Was eignet sich?

Es werden wohl operative Maßnahmen am Kniegelenk, am Hüftgelenk und an der Wirbelsäule sein. Wichtig ist, dass es sich um planbare Eingriffe handelt und um klar abgegrenzte Diagnosen. Das wäre ein solider Einstieg in Einzelverträge, wie sie im Koalitionsvertrag beschrieben worden sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare