EnBW

„Es gibt fast immer Widerstand“

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Friedberg EnBW-Sprecher zum umstrittenen Ausbau des Windparks.

Der Energiekonzern EnBW plant, seinen mit drei Anlagen bestückten Windkraftpark auf den Feldern bei Friedberg-Bruchenbrücken auszubauen, der damals nicht unumstritten war. Es formierte sich Protest. Die Nachbargemeinde Wöllstadt klagte. Nun droht neuer Unmut. Dieser Tage hat die EnBW Pläne für zwei riesige Anlagen vorgestellt, deren Höhe vom Boden bis zur Flügelspitze 250 Meter beträgt. Auf 700 Meter soll das Betriebsgeräusch immer noch so laut sein wie bei einem vorbeifahrenden Auto.

Haben Sie bei der Präsentation der Pläne Widerstand erfahren?
Niemz: Nein. Der Abend verlief in einer unaufgeregten Atmosphäre. Fragen wurden sachlich diskutiert. Ein Widerstand war nicht zu spüren, Nachfragen gab es aber natürlich schon.
Busse: Aus der Erfahrung wissen wir, dass Windprojekte immer wieder kontrovers diskutiert werden. Es liegt ein stückweit in der Natur der Dinge, dass es bei einem solchen Projekt unterschiedliche Sichtweisen gibt. Deshalb versuchen wir, schon sehr früh in den Dialog mit Politik und Bürger zu gehen, so wie jetzt in Bruchenbrücken.

Die FDP macht in einer Stellungnahme nun die Ansage, den Kampf gegen den Ausbau aufzunehmen. Schreckt das nicht?
Niemz: Im Friedberger Stadtrat ist ein Teil der Fraktionen durchaus für die Erweiterung. Wenn die FDP dagegen ist, ist das legitim. Selbstverständlich bleiben wir weiterhin dialogbereit.

Es ist ja nicht nur die Ideologie, die Argumente ergeben sich auch mit den Daten: 250 Meter Höhe, 110 Meter höher als die bestehenden drei Anlagen und 104 Dezibel laut. Ergibt sich damit nicht eine besondere Anwohnerbelastung?
Niemz: Der Lärmspitzenwert entsteht direkt an der Generatorgondel, in 700 Meter Entfernung ist der Pegel ein anderer. Wir halten uns beim Bau streng an das Emissionsschutzgesetz. Es wird daher zu keiner Lärmbelästigung für die Anwohner kommen. So wird nachts der Wert in reinen Wohngebieten von 35 Dezibel eingehalten. Das wird auch nachgemessen.

Kontinuierlich?
Niemz: In der Regel bei der Inbetriebnahme und weitere Male, wenn die Behörden es so festlegen.

Warum nicht dauernd?
Niemz: Da die Rahmenbedingungen sich nicht ändern, würde eine dauernde Messung keine neuen Erkenntnisse bringen. Zur Genehmigung wird vorab ein schalltechnisches Gutachten erstellt. Dieses geht von der größtmöglichen Einwirkung aus.

Auch wenn der Wind den Schall verstärkt in den Ort trägt?
Niemz: Durch die Erteilung der Betriebsgenehmigung auf Basis des Schallgutachtens wird genau dieser Fall durch die Steuerung der Windenergieanlage während der gesamten Betriebsdauer berücksichtigt. Das heißt, bei Bedarf werden die Windenergieanlagen gedrosselt.

Warum werden die Neuanlagen nicht wie die bestehenden dimensioniert?
Niemz: Das neue Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) lässt das nicht zu. Die Ausschreibung verlangt Anlagen nach dem aktuellen Stand der Technik und somit mit höchstmöglicher Effizienz. Dazu zählen die 2011 in Betrieb genommen Anlagentypen heute nicht mehr. Mit dieser Technik hätten wir in der Ausschreibung keine Chance auf einen Zuschlag.

Die Technik macht auch in der Planungszeit Fortschritte. Bekommt die Anlage bei Bruchenbrücken somit vielleicht keine aktuellste Technik, etwa leisere?
Niemz: Wir gehen mit den derzeit neuesten Anlagen auf dem Markt in die Planung. Die für Bruchenbrücken geplanten Windkrafträder sind so neu, dass für Sie beispielsweise erst noch die Typenprüfung erstellt wird.

Mobilfunkanbieter haben – zumindest zeitweise – auf Senderstandorte verzichtet, wenn der Bürgerprotest zu hoch wurde. Wird die EnBW ähnlich reagieren, etwa wenn sich wieder eine Bürgerinitiative bildet?
Niemz: In Deutschland gibt es heute fast immer Widerstand gegen Windparks. Würde man daraufhin auf die Realisierung verzichten, gäbe es hierzulande kaum Strom aus Windkraft.
Busse: Es ist daher wichtig, Verständnis zu erzeugen und mit dem Planungsprozess früh an die Öffentlichkeit zu gehen.

Die EnBW bietet häufig ein Beteiligungsmodell, so dass vom Ertrag etwas vor Ort bleibt. Ist das auch ein Türöffner, ein Verständnis-Erzeuger?
Niemz: Die EnBW ist mehrheitlich im Besitz des Landes Baden-Württemberg und von kommunalen Zweckverbänden. Es gehört daher auch zu unserem Selbstverständnis, Beteiligungen zu realisieren, wo sie möglich sind. In Friedberg haben wir bereits Kontakt zu einer Energiegenossenschaft aufgenommen.

Was passiert, wenn gegen den Ausbau des Windparks Bruchenbrücken geklagt wird?
Niemz: Es ist das gute Recht eines jeden Bürgers, den Rechtsweg zu beschreiten. Die Projektfortsetzung wird damit zunächst nicht beeinträchtigt. Die Planung berücksichtigt den Bundesimmissionsschutz, die Bewertung und Genehmigung erfolgt durch neutrale Stellen.

Interview: Detlef Sundermann

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