Wetterau

Geld vom Land für beispielhafte Kooperation

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Zwei Abwasserverbände tun sich bei der Klärschlammentsorgung zusammen, auch zur Umweltentlastung.

Die Abwasserverbände Oberhessen und Oberes Niddertal erhalten aus dem Programm Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) des Landes 50 000 Euro Fördergeld bei der Behandlung und Entsorgung von Klärschlamm, wie das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt mitteilt. Es soll sich um das erste IKZ-Projekt in dieser Sparte handelt.

Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) sagte bei der Übergabe des Förderbescheids, dass nun weitere Verbände die Möglichkeit zur Mengen- und Kostenreduzierung aufgreifen sollten. Im Fall der jetzt vom Land begünstigten Verbände entfallen Ausgaben in Höhe von 140 000 Euro im Jahr und es wird auch noch etwas für den Klimaschutz getan.

Dass seit den 1990er Jahren betriebene Wetterauer Modell bei der Klärschlammentsorgung funktioniert seit Verschärfung der Düngemittelverordnung und des Gewässerschutzes 2018 nicht mehr. Bis dato wurde der Klärschlamm an den Abfallwirtschaftsbetrieb des Wetteraukreises gegeben, der ihn an Landwirte weitergab, die ihn als Dünger auf die Felder ausbrachten. „Die Landwirte verdienten sich was dazu und sparten beim Düngerzukauf, die Kommunen hatten die dreimal so teure Verbrennung der Rückstände nicht zu zahlen“, sagt Thomas Benzler, Kaufmännischer Geschäftsführer beim Abwasserverband Oberhessen. Nicht nur, dass nun die Ausbringmenge pro Hektar reduziert ist, es reichen auch die Ackerflächen nicht mehr aus, um die einige tausend Tonnen im Jahr noch zu verteilen. Ein erhebliche Anzahl der Flächen liege im Wasserschutzgebiet 3 und lasse dies somit nicht mehr zu. Überdies halbiere sich die Abnahmemenge der Bauern, weil die Herbst-/Winterausbringung wegen des Nitratüberschusses im Boden nicht mehr zulässig sei, sagt Benzler.

Die Verbände Oberhessen, dem Nidda und Schotten angehören, und Oberes Niddertal, zu dem fünf Gemeinde aus dem Wetterau- und Vogelsbergkreis zählen, beschlossen 2018 eine Kooperation. Die wässrige Klärrückstände aus den Kleinanlagen des Verbands Oberes Niddertal werden im Klärwerk Nidda vergoren. Ein Landwirt fahre im Lohnauftrag zweimal am Tag die Fracht im Tankanhänger dorthin, so Benzler. Das Gas im Faulturm wird einem neuen Blockheizkraftwerk zugeführt, das einen Großteil der Energie für das Klärwerk Nidda produziert.

Das RP hebt noch einen weiten Umweltaspekt hervor. Mit der zügigen Vergärung der Klärschlämme im Faulbehälter werde ein unkontrolliertes Freisetzen von Methangas in die Atmosphäre vermieden, was bei der längeren Lagerung auf Kleinanlagen nicht auszuschließen sei. Methan soll einen rund 20-mal höheren Treibhauseffekt als das Verbrennungsabgas Kohlendioxid haben.

Mit der Fördersumme sollen etwa Konzepte erarbeitet werden, wie sich die Kooperation in der Abwasser- und Klärschlammentsorgung vertiefen lasse, sagt Benzler. Trotz Mengenreduzierung im Faulturm müsse ein Teil der Gärmasse mangels landwirtschaftlicher Verwertung dennoch verbrannt werden, etwa im Großkraftwerk Staudinger bei Hanau.

Um wenigsten das Geld in der Region zu halten, hält Benzler eine eigene Verbrennung mit energetischer Auskopplung, etwa für ein Nahwärmenetz, für denkbar. Die Technik gebe es, sie laufe mit der aktuellen Schlammmenge jedoch an der unteren Grenze. Neue Partner wie Kleinstädte in der Größe Bad Vilbel ließen einen rentablen Betrieb zu, so Benzler.

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