1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wetterau

Geheimnisvollen Welt der Kelten

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Mit Keltenfürst im Rücken: Katharina von Kurzynski und Egon Schallmayer präsentieren das Konzept für das Museum auf dem Glauberg.
Mit Keltenfürst im Rücken: Katharina von Kurzynski und Egon Schallmayer präsentieren das Konzept für das Museum auf dem Glauberg. © Renate Hoyer

Durch das neue Kelten-Museum auf dem Glauberg in der Wetterau wird es vier Wege geben: Sie begleiten Besucher auf der Suche nach dem Leben vor 2500 Jahren - und führen zu sensationellen archäologischen Funden.

Von Bruno Rieb

Metix heißt das Maskottchen des Kelten-Museums auf dem Glauberg. Es sieht aus wie Brad Pitt in Asterix-Klamotten. Museumsleiterin Katharina von Kurzynski spricht von einem Aussteiger: einem Honig-Händler, der die Kelten auf dem Glauberg mit dem Grundstoff für ihren Met versorgt. Eine Fantasie-Figur, die den Museumsbesuchern eine Vorstellung vom Leben der Kelten auf dem Glauberg vermitteln soll. Met ist verbürgt. Im Grab des Keltenfürsten war eine Kanne gefunden worden, die einst gut gefüllt war mit dem Honigwein.

Die Comic-Figur Metix ist der gelbe Faden, der die Besucher durch das Museum leiten soll – „gelb wie Honig“, sagt die Museumschefin. Vier solcher Fäden wird es laut Kurzynski geben. Der blaue Faden soll die Besucher animieren, selbst zu Entdeckern zu werden. Am Panoramafenster des Museums, das auf das Grab des Keltenfürsten gerichtet ist, sollen sie beispielsweise Pflanzen aus der Zeit der Kelten vor rund 2500 Jahren bestimmen können.

Der grüne Faden spannt den Bogen zur heutigen Zeit. Am Eingang zur Ausstellung wird der Gast mit sphärischer keltischer Musik abgeholt. Hat sie Bezüge zu den Kelten vor 2500 Jahren? Vermutlich nicht. Diese Musik habe „frühestens mittelalterliche Wurzeln“, räumt Kurzynski ein. Über die Klänge, bei denen sich die prähistorischen Kelten vergnügten, gibt es keine Aufzeichnungen.

Halloween hat auch nichts mit den Kelten von anno dazumal zu tun, sagt die Museumschefin. Das Fest sei zum ersten Mal im 10. Jahrhundert erwähnt. Mehr Verbindung mit dem Völkchen vom Glauberg hat wohl der Brauch, Mistelzweige als Weihnachtsschmuck zu verwenden. Der römische Gelehrte Plinius berichtet, dass die Kelten Misteln benutzt haben.

Einen roten Faden wird es im Keltenmuseum auf dem Glauberg selbstverständlich auch geben: Er wird die Besucher auf die Spur der Funde von Glauberg bringen und ihnen die Geschichte der Kelten in Europa erzählt. Dabei dürfen sie auch miträtseln, was sich hinter den Überresten einiger Stöckchen verbirgt. Den Archäologen ist deren Bedeutung bislang verborgen geblieben.

Die Ausstellung werde ausschließlich mit Funden vom Glauberg bestückt, kündigt Kurzynski an. Im Zentrum wird die Statue des Keltenfürsten stehen. Und das Geheimnis seiner Micky-Maus-Ohren wird gelüftet: Es ist eine Krone aus Blättern, vermutlich Misteln. In seinem Grab wurden die Überreste der Blattkappe gefunden, von der eine Nachbildung aus Leder gefertigt wurde.

Ein lebendiges Museum mit besonderer Pädagogik

Kurzynski spricht von einem „lebendigen Museum mit besonderer Museumspädagogik“. Landesarchäologe Egon Schallmayer bezeichnet es als „die neue Heimat an alter Stelle“ für die Keltenherrscher. Das 8,1 Millionen Euro teure Museum schiebt sich wie ein Fernglas aus dem Berg in Richtung Grabhügel. Eine spezielle Statik scheint es schweben zu lassen. Das werde durch „Tricks mit versteckten Elementen“ erreicht, sagt Bauingenieur Klaus Bollinger. Die tragenden Stützen wirken, als wären sie Teil der Fassade.

Beim Kelten-Museum will das Land Hessen mit der Wetterauer Archäologischen Gesellschaft Glauberg (WAGG) zusammenarbeiten, einem Zusammenschluss des Kreises mit mehreren Kommunen und Vereinen. Die WAGG soll sich um die Vermarktung der Keltenwelt am Glauberg kümmern und das Museum ökonomisch für die Region nutzen. Schallmayer: „So stelle ich mir moderne Archäologie vor.“ Unterzeichnet ist der Vertrag zwischen Landesarchäologie und Archäologischer Gesellschaft noch nicht, obwohl seit Monaten darüber verhandelt wird. Die Abstimmungsgespräche würden noch laufen, sagt Schallmayer.

Auch interessant

Kommentare