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Windenergie sorgt in Butzbach für Diskussionen.
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Windenergie sorgt in Butzbach für Diskussionen.

Wetterau

Gegenwind in Butzbach

Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen den Bau von Windrädern im Butzbacher Wald. Die Energie und Versorgung Butzbach (EVB), die Stadtwerke Bad Nauheim und die Ovag geben eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die klären soll, ob der Windpark dort wirtschaftlich Sinn macht.

Von Rebecca Röhrich

Windräder sind häufig das Symbol für die Energiewende, dabei wurden sie, zumindest in der Wetterau, von den Biogasanlagen und Solaranlagen als Energielieferant abgehängt, so steht es zumindest im aktuellen Klimaschutzbericht des Wetteraukreises. Das liegt vor allem daran, dass nur wenige Gegenden dafür geeignet sind. Im Butzbacher Wald soll jetzt ein Windpark entstehen.

Ob dies auch wirtschaftlich Sinn macht und sich auch mit der dort vorhandenen Flora und Fauna verträgt, soll jetzt eine Machbarkeitsstudie zeigen, die von der Energie und Versorgung Butzbach (EVB), von den Stadtwerken Bad Nauheim und der Ovag bei Hessen Energie in Auftrag gegeben wurde.

Insgesamt drei Windkraftanlagen (WKA) sollen westlich der Stadt Butzbach nahe dem Ortsteil Bodenrod entstehen. „Wir möchten damit unseren Beitrag zur Energiewende leisten“, sagt Butzbachs Bürgermeister Michael Merle (SPD). Er verlässt sich hinsichtlich der Zahlen auf die Ovag, die vorab den geplanten Standort durch ein Gutachten als tauglich erklärt hat. Deren Mutterkonzern Hessen Energie ist jetzt mit der Machbarkeitsstudie betraut ist.

Zweifel an Rentabilität der Windanlage

Nicht nur daran stört sich die Bürgerinitiative (BI) ‚Gegenwind in der Wetterau‘. „Da kann kein unabhängiges Ergebnis bei herauskommen“, sagt Andrea Groh, Sprecherin der Initiative. Schließlich möchte der Tochterkonzern Ovag diesen Windpark bauen. „Mit dem Verzicht auf ein unabhängiges Gutachten widerläuft die Stadt einem ernsthaften Versuch ein klares Bild über die Machbarkeit zu erlangen“, so die Sprecherin weiter.

Damit sich so ein Windpark lohnt, muss sehr viel mehr Wind wehen als in unseren Breitengraden, sagt Matthias Kropp. Der Diplom Ingenieur hat für die Initiative den Standort unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geprüft und sagt, dass sich diese Anlage nicht rechnen wird. „Die Windgeschwindigkeit wird anhand der aktuellen Windpotentialkarte des TÜV Süd bestimmt.

Diese Karte ist auch Grundlage für die öffentlichen Planungen der Windvorranggebiete“, erklärt er. Die Windmessungen des TÜV Süd machen deutlich, dass dort kein Windpark wirtschaftlich betrieben werden kann, sagt Kropp. Die WKAs wären nur zu 60 Prozent ausgelastet. Er rechne deshalb mit einem finanzellen Verlust für die Betreiber. Außerdem käme noch hinzu, dass der Windpark in einem Wald gebaut werden soll. „Allein durch die Verwirbelungen durch die Baumspitzen kommen noch etwa 20 Prozent zusätzlich an Windverlust hinzu. Die 60 Prozent seien somit positiv geschätzt.

Kein Interesse an einem defizitären Windpark

Er berichtet vom Windpark in Hohenahr im Lahn-Dill-Kreis, der in sehr ähnlichen geografischen Bedingungen gebaut wurde. Er wird von der Mainova mit Beteiligung der Genossenschaft Aufwind betrieben.

Vor knapp zwei Jahren ging er in Betrieb und habe sich, laut Vorstandsmitglied der Genossenschaft Jochen Schlierbach, noch nicht gerechnet. Kropp ist sich sicher, dass er sich auch in Zukunft nicht rechnen wird. „Waldstandorte können gar nicht wirtschaftlich betrieben werden“, sagt er. So drastisch sieht es Schlierbach nicht und hält die Aussagen der Bürgerinitiative für „Unkenrufe“.

Genaue Zahlen liegen nicht vor, die Mainova macht prinzipiell keine Angaben über „konkrete Betriebsergebnisse“, heißt es auf Anfrage der FR. Aber alles „entspricht den Erwartungen“. Allerdings bestätigte die Pressestelle des Konzerns auch, dass es sich in den letzten zwei Jahren um windschwache Jahre handelte. Gerd Morber, bei Hessen Energie für die Machbarkeitsstudie zuständig, hält die Kritik der Initiative für „weltfremd“.

Hessen Energie habe kein Interesse an einem defizitären Windpark. Den Einwand, dass Hessen Energie und die Ovag letztendlich ein Unternehmen seien und demnach keine objektive Studie möglich sei, ließ er nicht gelten: „Es ist absolut sinnvoll, dass wir die Machbarkeitsstudie betreuen, schließlich sind wir mit dem Projekt vertraut“, so Morber. Für Ende Februar wird das Ergebnis der Studie erwartet.

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