Wetterau

Gartenschau als Teamarbeit

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Elf Kommunen der Region Oberhessen wollen 2017 die Landesgartenschau gemeinsam ausrichten.

Die Möglichkeit, dass 2027 elf Kommunen im ländlich geprägten Oberhessen die Landesgartenschau (LGS) 2027 ausrichten, besteht seit einigen Tagen. In einer gemeinsamen Sitzung der Parlamente der Städte Gedern und Ortenberg sowie der Gemeinde Hirzenhain wurde die Teilnahme an einem Interessenbekundungsverfahren beschlossen. Weitere Kommunen des Vereins Oberhessen können sich bis Ende Januar ebenfalls an dem Vorhaben beteiligen. Die Frist soll bis in den Februar hinein gehen, da die Beteiligung von einem parlamentarischen Beschluss abhängt. Das Mitmachen ist unverbindlich, auch weil noch eine Machbarkeitsstudie ansteht. Eine Satzungsänderung des Landes lässt erstmals eine interkommunale LGS zu.

Eine Blümchenschau würde diese LGS gewiss nicht werden, steht für die Beteiligten bereits fest. Die Leitprojekte sollen lauten „neue vernetzte Mobilität“ und die Aufwertung der Fließgewässer und Talauen als „wertvolle ökologische Verbindungsachsen“, bemerkt Bernd-Uwe Domes von der Wirtschaftsförderung Wetterau, die das Vorhaben federführend begleitet.

Die Schau

In Hessen gab es erstmals 1994 eine Landesgartenschau (LGS) – in Fulda. Dort wird sie auch 2023 wieder sein.

In Nordrhein-Westfalen gibt es LG-Schauen seit 1970, die meisten soll es in Baden-Württemberg gegeben haben, seit 1980 waren es 41, zum Teil im Wechsel mit „Grünprojekt“.

2019 fand im Remstalzwischen Stuttgart und dem rund 50 Kilometer entfernten Schwäbisch Gmünd eine interkommunale LGS mit 16 Kommunen statt. sun

Die Schau könne unter dem Motto „Innovativ - reduktiv - nachhaltig“ stehen, weil die Kulturlandschaft zu ihrer Bühne werde. Domes sieht aber auch langfristige positive Folgen in einer LGS. „Mit ihr könnten wir einen Fingerabdruck als attraktiven Lebens-, Wirtschafts- und Naherholungsraum hinterlassen“, meint er. Wiebke Neumann von der Fördergesellschaft Landesgartenschauen Hessen warb damit, dass die LGS ein „Turbo für kommunale Entwicklungen“ sei. Dampf machen sollen hierbei eine Landeshilfe von 3,5 Millionen Euro als Investitionszuschuss für die Ausrichtung der LGS. Zusätzliches Geld könnte etwa zur Verbesserung der Infrastruktur und der städtebaulichen Erneuerung aus verschiedenen Landesprogrammen erwartet werden. Neumann soll Zuschüsse im zweistelligen Millionenbereich in Aussicht gestellt haben.

Ein Zweifeln und Zögern der potenziellen LGS-Kommunen besteht offenbar nicht. In der mit rund 300 Kommunalpolitikern und Bürgern besetzten gemeinsamen Parlamentssitzung sei die Stimmung sehr gut gewesen, sagt Oliver Schmidt, ebenfalls von der Wirtschaftsförderung, auf Anfrage. Auch der Vorstand des Vereins Oberhessen, der mit Vertretern aus elf Städten und Gemeinden besetzt ist, habe schon einstimmig für das Projekt votiert. Daher sei auch von einer hohen Akzeptanz in den Parlamenten auszugehen, die noch über die Beteiligung abzustimmen haben. Büdingen hat sich bereits im Oktober 2019 dafür ausgesprochen, mit Gedern, Hirzenhain und Ortenberg gemeinsame Sache zu machen.

Der Wille allein reicht jedoch nicht. In Kürze soll die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, die Ende Juli mit dem Bewerbungsschreiben dem zuständigen Hessischen Umweltministerium übergeben wird. 2027 ist die nächste LGS, auf die sich Kommunen bewerben können. Die Kosten für die Expertise in Höhe von möglicherweise 60 000 Euro übernimmt zum Teil die Stiftung Sparkasse Oberhessen, so Schmidt. Für den Restbetrag werde noch die finanzielle Unterstützung etwa von kommunalen Vereinen und Organisationen gesucht. Gegebenenfalls müssten auch die teilnehmenden Städte und Gemeinden mit einem Obolus einspringen.

Unabhängig von der Landesgartenschau sieht die Wirtschaftsförderung das Geld für die Studie gut angelegt. Sie soll neben der Betrachtung von potenziellen LGS-Flächen und den Auswirkungen durch die Schau auch eine Schwächen- und Stärkenanalyse für die Region erstellen.

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