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Funkmast der Römer

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Fundamente eines römischen Signalturms wurden auf dem Johannisberg
Fundamente eines römischen Signalturms wurden auf dem Johannisberg © Renate Hoyer

Die Bruchsteinmauern im Wald auf dem Johannisberg wirken recht unscheinbar. Aber sie erzählen eine 2000 Jahre alte Geschichte. Sie berichten davon, wie die Römer einst ihren Grenzwall sicherten.

Von Bruno Rieb

Die Mauern sind die Überreste eines etwa 15 Meter hohen Signalturms. Mit Feuer, Rauch oder Trompeten wurden Signale zum gut sechs Kilometer entfernten Wachturm auf dem Gaulskopf und zum Limeskastell in Friedberg gegeben. Die Archäologen datieren den Bau auf die Zeit der Regentschaft Kaiser Hadrians von 117 bis 138. Funde weisen zudem darauf hin, dass er bis etwa 1990 genutzt wurde.

Wie der Turm einmal ausgesehen haben mag, davon bekommt man auf dem Gaulskopf einen Eindruck. Dort wurde neben der Ruine des Wachturms eine Rekonstruktion errichtet. Allerdings nicht ganz originalgetreu: Es fehlen der weiße Putz und die roten Fugen des Originals.

Auf dem Johannisberg zeugen nur die Grundmauern von dem Signalturm. Bei Grabungen im Jahr 1909 waren sie freigelegt worden. Sie umfassen einen Innenraum von 5,60 mal 5,70 Metern, der mit Ziegeln ausgelegt war.

Weil Mauern und Ziegel in einem schlechten Zustand waren, wurden sie für 50000 Euro restauriert. Die Turmüberreste gehören zum 2005 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärten obergermanisch-rätischen Limes. Ein Drittel der Sanierungskosten trug die Stadt, der Rest kam aus Bundesmitteln.

Als die restaurierten Überreste jetzt der Öffentlichkeit übergeben wurden, fand sich allerlei Prominenz ein, von Landrat Joachim Arnold (SPD) bis Landesarchäologe Egon Schallmeyer, von Bürgermeister Bernd Witzel (UWG) bis Kreisarchäologe Jörg Lindenthal. Ein rote Linie im Mauerwerk zeigt auf, welche Steine noch original sind und welche später dazu gefügt wurden. Die Originalziegel des Fußbodens wurde geborgen und durch rekonstruierte ersetzt.

In der Denkmaltopografie für den Wetteraukreis heißt es, die Reste des römischen Signalturms seien als „Beleg für die lange Siedlungstradition im Nauheimer Raum von besonderer Wichtigkeit“.

Gerade auf dem Johannisberg wird diese Siedlungstradition gleich mehrfach belegt. Die Signalturm-Reste befinden sich gegenüber einem noch recht gut erhaltenen Turm. Es ist der Turm einer Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Bereits im 8. Jahrhundert hatte an dieser Stelle eine Kirche gestanden. Zuvor war es vermutlich ein heidnischer Kultplatz gewesen.

Die Kirche war Ende des 16. Jahrhunderts aufgegeben worden. Der Turm blieb erhalten. 1866 wurde er restauriert und bekam einen Zinnenkranz, um ihn als Aussichtsturm zu nutzen. Heute beherbergt er eine Sternwarte.

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