+
Anna Gerstner, Studentin an der THM Gießen, ist schon eingezogen ins neue Wohnheim.

Friedberg

Friedberg: Run auf das neue Wohnheim in der Burg

  • schließen

Ein neues Studentenwohnheim mit 64 Appartements eröffnet in Friedberg. Die Warteliste bleibt dennoch lang.

Die studentische Wohnungsnot wächst auch in der ländlichen Region. Das Studentenwerk Gießen hat gestern nach rund zweijähriger Bauzeit auf dem Gelände der Burg das neue Wohnheim „In der Burg“ eröffnet. Gleichwohl noch nicht alle Bauarbeiter ihre Sachen gepackt haben und teilweise Gerüste noch stehen, sind in den beiden Gebäuden bereits 47 der in Summe 64 Appartements belegt, teilt das Studentenwerk mit. Es liegen 16 Reservierungen für das Sommersemester vor, heißt es auf Nachfrage. Die Bewerberliste ist aktuell 88 Namen lang, sagt Eva Mohr, Pressesprecherin des Studentenwerks. Es werde daher auch nicht das letzte Wohnheim sein, dass das Einrichtung in Friedberg baut, heißt es.

Geschäftsführer Ralf Stobbe sieht nicht nur weiteren Bedarf in Friedberg, wo sich über 20 Jahren die Zahl der Studenten auf 5800 mehr als verdreifacht hat, sondern auch in Gießen mit der Justus-Liebig-Universität und der Technischen Hochschule Mittelhessen, die eine Dependance in Friedberg betreibt, und Fulda mit der Hochschule. „Das Ziel für die nächsten Jahre lautet, zehn Prozent der Studierenden einen Wohnheimplatz bieten zu können.“ Im vergangenen Jahr sei dieser Anspruch für alle drei Standorte in Durchschnitt mit 6,1 Prozent erfüllt worden. Als „gesamtgesellschaftliche Herausforderung“ bezeichnet Achim auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, den Bau von bezahlbaren Wohnungen für Studierende. Die Dachorganisation wirbt hierzu mit dem Projekt „Kopf braucht Dach“. Es ist notwendig, dass sich der Bund mit einem Hochschulsozialpakt beteiligt, so auf der Heyde.

Das Wohnheim besteht aus dem Feldwebelbau von 1835 mit 31 Zimmern in der Größe von 13 bis 20 Quadratmetern.

Der Neubau hat 33 Appartements in der Größe von 19 bis 23 Quadratmetern.

Zur Infrastruktur zählen Internet- und TV-Anschluss. Es gibt zudem elf Parkplätze und Platz für 33 Fahrräder.

Das neue Studentenwohnheim, es ist das zweite in der Stadt, wurde vom Studentenwerk Gießen finanziert. Die Sanierung und der Umbau des denkmalgeschützten aus dem frühen 19. Jahrhundert stammenden Feldwebelbau sowie der Neubau dahinter schlagen mit 6,2 Millionen Euro zu Buche. Die Nutzung des historischen Gebäudes und des Bauplatz gab es quasi gratis vom Land Hessen als Besitzerin. Das Erbbaurecht ist auf 99 Jahre festgeschrieben worden. Laut Stobbe habe dieser Vertrag das Projekt erst möglich gemacht.

Diese großzügige Geste wurde noch von Boris Rhein eingeleitet, dem Vorgänger der gestern anwesenden hessischen Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne). Dass sich das Land damit über den Magistratsbeschluss der Stadt hinweggesetzt hat, rief nicht nur Anwohner am Tag des Spatenstichs zu Protest auf. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) nahm an dem Akt ohne Rede teil. Zur gestrigen Eröffnung kam er gar nicht. Dem Vernehmen nach soll die Verärgerung im Magistrat weiter anhalten. Dabei wehrt sich die Stadt nicht gegen ein Wohnheim zu dem bestehenden mit 229 Plätzen. Es ist die Wahl des Orts, vor allem mit dem Neubau. Die Feste in Friedberg gilt als eine der größten Burganlagen Deutschland.

Komplett eingerichtet

Die Studenten in den 64 Appartements werden ihr neues Zuhause wohl kaum wegen der Aussicht auf dem mächtigen Burgfried, dem Adolfsturm, loben. Die bis zu 23 Quadratmeter großen Zimmern werden voll möbiliert vermietet. Bett, Schreibtisch, Schrank, Kochecke samt Esstisch und ein Bad, jedoch nur mit Dusche zählen zur Ausstattung. Die Zimmer sind für eine Person. Familienappartements gibt es nicht. Die Warmmiete einschließlich Internetanschluss beträgt je nach Zimmergröße 295 bis 380 Euro pro Monat. Auch für Studierende mit Bafög-Höchstsatz von 744 Euro ist die Miete dennoch kein Klacks. Nur eingeschriebene Studenten der THM-Friedberg haben Aussicht auf ein Zimmer. Bis zum THM-Campus sind es 20 Minuten Fußweg. Die Burg liegt am Ende der Einkaufsmeile Kaiserstraße. Dennoch bleibt den Studierenden im neuen Wohnheim für Müßiggang kaum Zeit. Spätestens nach dem zehnten Semester hießt es Ausziehen aus der Burg.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare