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Vorfreude auf ersten Arbeitsmarkt

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Freuen sich auf ihren Eintritt in den ersten Arbeitsmarkt: Sam (2. v. l.) Anika (M.) und Lukas mit abBi-Koordinatorin Tabea Trapp (l.) und IB-Bereichsleiterin Lisa Jaschinski. Rohde © Red

Für Anika, Lukas, Sam und Julia, vier junge Menschen mit Unterstützungsbedarf, ist es ein großer Tag. Mithilfe der alternativen beruflichen Bildung, kurz „abBi“ genannt, haben sie nach 27 Monaten intensiver Vorbereitung einen wichtigen Schritt auf dem Weg von der Schule ins Berufsleben getan und stehen nun ganz kurz vor ihrem großen Ziel: dem Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt.

Anlässlich einer Feierstunde in den Räumen der Internationaler Bund (IB) Südwest gGmbH in Friedberg gaben die jungen Leute Auskunft über ihren Werdegang.

Lukas (23) ist von Natur aus kommunikativ und an diesem Tag vor Stolz und Freude kaum zu bremsen. Gewandt und höflich begrüßt er die Besucher, weist den Weg zur Veranstaltung und macht gekonnt das, was man gemeinhin als Smalltalk bezeichnet. Schon während seiner Schulzeit wurde er von InkA (Inklusive Arbeit) Wetterau unterstützt, einer gemeinnützigen Gesellschaft zur betrieblichen Inklusion im Wetteraukreis, die von der Lebenshilfe Wetterau und der Behindertenhilfe Wetterau getragen wird.

Mit Unterstützung durch InkA absolvierte Lukas schon während der Schulzeit mehrere Praktika, um sich beruflich zu orientieren, unter anderem im Diakoniewerk Elisabethhaus in Bad Nauheim. Dort wird er künftig auch arbeiten. „Ich werde in der Waschküche, im Speisesaal und beim Hausmeister arbeiten“, erzählt er. Unter anderem werde er Müll einsammeln und wegfahren helfen: „Ich freue mich darauf!“

Lukas’ Freude ist umso größer, als sein Ziel langfristig angelegt gewesen ist. Auf keinen Fall wollte er nach seiner Schulzeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten. Auch diese hat er während seiner Praktika kennengelernt, doch an seinem Entschluss, sich in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, hat sich daran nichts geändert. Er ist nicht der Einzige, der so denkt. Auch für Anika, Sam und Julia - wie er Absolventen des ersten AbBi-Jahrgangs, der 2020 beim IB begonnen hat - sind Werkstätten keine Option. Anika (22) freut sich jetzt auf eine Tätigkeit als Betreuerin im Kindergarten, Sam (21) strebt nach seinem Praktikum in der Sophie-Scholl-Schule die Mit- arbeit in einem Hausmeisterteam an, Julia (21), die am Tag der Feier verhindert gewesen ist, wird in der Hauswirtschaft der Seniorenresidenz am Park arbeiten.

Seit 2017 berät InkA Wetterau junge Menschen mit Unterstützungsbedarf beim Übergang von der Schule ins Berufsleben und hat dabei vor allem diejenigen im Fokus, die nicht im Berufsbildungsbereich eines Werkstattträgers, sondern über einen alternativen Träger auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt qualifiziert werden möchten. InkA hat auch das Konzept der alternativen beruflichen Bildung (abBi) entwickelt, das es so in der Bundesrepublik nur noch ein weiteres Mal in Wolfenbüttel gibt. Finanziert wird das Projekt aus den persönlichen Budgets der jungen Leute bei der Agentur für Arbeit.

Einen kongenialen Partner für die Umsetzung hat InkA im Internationalen Bund gefunden. Mitte September 2020 startete der erste abBi-Jahrgang. Während der insgesamt 27 Monate konnten Anika, Julia, Lukas und Sam nicht nur weitere berufliche Erfahrungen sammeln, sondern sich im letzten abBi-Jahr auch beruflich an ihren jeweiligen Arbeitsplätzen qualifizieren. Dabei wurden sie und ihre Arbeitgeber kontinuierlich von ihrem abBi-Jobcoach unterstützt und begleitet. Am Freitag, dem wöchentlichen Reflexionstag, konnten sie ebenso wie während der drei jeweils vierwöchigen Seminarblöcke weiter an verschiedensten Kompetenzen arbeiten, sich beispielsweise in Kulturtechniken, Konfliktbewältigung, Teamarbeit oder dem Umgang mit Geld üben.

Zur feierlichen Verabschiedung des ersten abBi-Jahrgangs fanden derweil auch IB-Bereichsleiterin Lisa Jaschinski und abBi-Koordinatorin Tabea Trapp nur lobende Worte sowohl für das sehr auf individuelle Förderung ausgerichtete Konzept, als auch für die Absolventinnen und Absolventen des ersten Jahrgangs. Insgesamt hat abBi bislang elf junge Leute in drei Jahrgängen betreut; ein formales Bewerbungsverfahren gibt es nicht. An dem Programm Interessierte können sich zunächst an InkA Wetterau (www. inka-wetterau.de) wenden. doe

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