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Umsatz-Freuden vor dem Fest

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Ralf Ramershoven vom Porzellanhaus Frick schaut positiv auf das Weihnachtsgeschäft.
Ralf Ramershoven vom Porzellanhaus Frick schaut positiv auf das Weihnachtsgeschäft. © Loni Schuchardt

Friedberg - Die Adventszeit ist für Einzelhändler die wichtigste Zeit des Jahres. In manchen Branchen wird dann mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes erzielt. In den vergangenen beiden Jahren litt das Weihnachtsgeschäft unter den Corona-Bedingungen. In diesem Jahr ist fast alles wie gewohnt - mit kleinen Abweichungen.

Aus den Lautsprechern klingen weihnachtliche Melodien, die Schaufenster versprühen vorweihnachtliches Flair ebenso wie der Weihnachtsmarkt im Eingangsbereich des Porzellanhauses Frick in Friedberg. „Wir verspüren, dass Weihnachten definitiv nicht ausfällt und alt hergebrachte Traditionen trotz der angespannten Lage beibehalten werden“, sagt Inhaber Ralf Ramershoven, der mit dem Verlauf des bisherigen Weihnachtsgeschäfts zufrieden ist. Eines war anders als in der Vor-Corona-Zeit: „Das Weihnachtsgeschäft hat später begonnen, doch jetzt spüren wir eine deutliche Frequenz-Erhöhung. Es werden wieder Geschenke gekauft“, so Ramershoven. Der Trend gehe - insbesondere bei Wohnaccessoires und bei Küchenartikeln - zu hochwertigen Produkten, und auch die Artikel des Weihnachtsmarktes liefen inzwischen wie gewohnt.

„Viele Kunden sagen uns, dass sie jetzt wieder weniger online bestellen, sondern vor Ort und regional einkaufen“, sagt Ramershoven, der trotz Energiekrise an den gewohnten Öffnungszeiten festhalten will. „Wir wollen für unsere Kunden da sein und setzen auf persönliche und fachliche Beratung.“ Ramershoven hofft nun auf den traditionellen Endspurt am vierten Adventswochenende und in der Woche danach. „Das war schon immer das umsatzstärkste Wochenende“, sagt der Geschäftsmann.

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Viele kreative Ideen haben den Einzelhändlern geholfen, die „Corona-Jahre“ zu überstehen, wozu auch der ausgebaute Lieferservice im Porzellanhaus Frick gehört hat - und noch gehört. „Das wird immer noch von Kunden angenommen, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß, wie in den letzten zwei Jahren“, sagt Ralf Ramershoven. Auch bei Katies Spielewelt wird auf Wunsch bestellte Ware weiterhin ausgefahren.

Und im Modehaus Ruths können Kundinnen und Kunden mehrere ausgewählte Kleidungsstücke mit nach Hause nehmen und in Ruhe anprobieren. Den Service gab es schon vor der Corona-Pandemie, wurde aber während der Lockdowns verstärkt angenommen. har

Das sieht Edith Holtmann, die Inhaberin von Katies Spielewelt in Friedberg, genauso: „Wir können den Umsatz der letzten Jahre wieder erreichen, zumal nach dem vierten Advent bis Heiligabend noch eine ganze Woche Zeit bleibt, Geschenke zu kaufen.“

Auch Holtmann hat Veränderungen im Kaufverhalten festgestellt: „An manchen Tagen brummt es, dann ist es wieder mal ganz ruhig.“ Gefragt wie nie sind die Spiele, die dieses Jahr ausgezeichnet worden sind, wie das Kennerspiel des Jahres „Living Forest“ vom Friedberger Spieleverlag Pegasus, bei dem Katies Spielewelt „Premium-Partner“ ist. Aber auch das Spiel des Jahres „Cascadia“ und „Zauberberg“, das Kinderspiel des Jahres, sind gefragt wie nie zuvor. „Ansonsten gibt es keinen besonderen Trend“, sagt Holtmann, die sich freut, dass der „lange Samstag“ mit Öffnungszeiten bis 18 Uhr weiterhin sehr gut angenommen wird. „Ich werde das auch in Zukunft beibehalten. Da bin ich Traditionalistin“, kündigt Holtmann an.

Eine Tendenz gibt es im Schmuckbereich: „Der Trend geht eindeutig zu hochwertigen Schmuckstücken und zurück zu Gelbgold. In der unteren und mittleren Preislage ist der Umsatz eher zögerlich, das ist bei meinen Kollegen, mit denen ich gesprochen habe, ebenso der Fall“, sagt W. Adolf Purper, Inhaber der Goldschmiede Purper in Bad Nauheim. Den Grund dafür weiß der Juwelier auch: „Menschen, die wenig Geld haben, zögern beim Kauf, weil sei nicht wissen, was noch alles auf sie zukommt.“ Auch bei Purper hat sich das Kaufverhalten verändert. In den 1970er Jahren wurden ab November bis Weihnachten bis zu 70 Prozent des Jahresumsatzes getätigt. „Seit einigen Jahren konzentriert sich alles auf die letzten Tage vor dem Fest“, sagt Purper, der seit 51 Jahren sein Geschäft führt. Zufrieden mit dem Umsatz in den vergangenen Wochen ist Eike Susanne Ruths, Mitinhaberin des Modehauses Ruths mit Stammsitz in Friedberg und Filiale in Bad Nauheim. „Ich hatte nach den letzten beiden Jahren gar keine großen Erwartungen“, sagt Ruths in der Bad Nauheimer Dependance. Einen Trend hat auch sie ausgemacht: „Warm, warm, warm. Vor allem Kaschmir-Pullover sind gefragt, auch als Geschenk.“ Die Kauffrau freut sich sichtlich darüber, dass die Kundinnen wieder kommen und vor Ort in Ruhe stöbern und anprobieren können. Und die Stammkundinnen und -kunden wüssten, dass fast täglich neue Ware in das Modehaus komme und es sich daher lohne, öfters vorbeizuschauen. Eike Susanne Ruths ist sich sicher, dass es in den nächsten Tagen noch zu einer Umsatzsteigerung kommen werde, denn „in diesem Jahr hat uns der Kalender nach dem vierten Advent ja noch ein paar Tage mehr beschert als sonst“.

Eike Susanne Ruths (l.) zeigt Manuela Huber eine gerade eingetroffene Jeans.
Eike Susanne Ruths (l.) zeigt Manuela Huber eine gerade eingetroffene Jeans. Schuchardt (4) © Loni Schuchardt
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Edith Holtmann freut sich über die Nachfrage bei Spielen. © Loni Schuchardt
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W. Adolf Purper berät Annemarie Nickel-Kleindienst. © Loni Schuchardt

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