Wetterau

Schlachtung durch Gewehrschuss in der Wetterau

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Der Wetteraukeis genehmigt die Weideschlachtung per Gewehrschuss.

Stress kann man schmecken - zumindest ist dies bei Rind und Schwein der Fall. Damit ganzjährig auf Freiland gehaltene Rinder, etwa von Bio-Höfen nicht den Transportstress zum Schlachthaus ausgesetzt werden müssen, hat der Wetteraukreis nunmehr die Weideschlachtung für diese Tiere auch per Abschuss zugelassen. Die Viehhalter erhalten dafür unter Auflagen eine Genehmigung. Laut Wetteraukreis werde damit der wachsenden Forderung von Tierhaltern, Vermarktern und Verbrauchern nachgekommen.

Die Besonderheit ergibt sich mit der Methode. „Da es sich bei dem Kugelschuss auf der Weide nicht um ein standardisiertes Betäubungs- und Tötungsverfahren handelt, sind vor allem tierschutzrechtliche Aspekte ausreichend zu berücksichtigen“, heißt es vom Kreis. Die Vorgaben für eine Genehmigung bilden die Empfehlungen der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sowie des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Laut der Wetterauer Vorgabe darf das Tier nur auf einer bestimmten Fläche der Weide getötet werden, die auf höchstens 15 mal 15 Meter begrenzt ist. Zudem muss das Rind Geviert gewöhnt sein, etwa durch „frühzeitiges Anfüttern“. Der Kreis verlangt die Flächenbegrenzung, um einen schnellen und sicheren Nachschuss abgeben zu können, wenn der erste Schuss seine Wirkung verfehlt hat. Das Rind wird etwa mit dem Gewehr aus einiger Entfernung geschossen.

Tierseuchenschutzbelange berücksichtigt

Kreis und Regierungspräsidium Darmstadt haben die veterinärrechtlichen Anforderungen für den Abschuss auf der Weide festgelegt. Dabei seien neben den tierschutz- und lebensmittelrechtlichen Vorgaben ebenso die Tierseuchenschutzbelange berücksichtigt worden. Überdies muss die Person, die den Schuss abgibt, eine „waffenrechtliche Schießerlaubnis“ besitzen.

Seit 2019 können Rinder, die Sommer wie Winter auf der Weide stehen, stressfrei in einem mobilen Schlachthaus getötet werden. Es handelt sich um einem Spezialanhänger, in dem Tiere mit einem Bolzenschuss betäubt werden. Mit einem Schnitt in die Halsschlagader wird das Tier getötet - und es kann ausbluten.

Das Projekt „Extrawurst“ wurde von der Wetterau-Kreisveterinärin Veronika Ibrahim betreut. Sie hat Weideschlachtungen begleitet. Das Verfahren bilde einen enormen Fortschritt für eine tiergerechtere, schonendere Schlachtung, so die Veterinärin. Laut Ibrahim schrecke der Schuss die anderen Tiere auf der Weide nicht auf. In Deutschland ist die Weideschlachtung seit 2016 zugelassen.

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