Friedberg

Wetterau: Schulen sollen wegen Chancenungleichheit schließen

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Der Kreiselternbeirat der Wetterau kritisiert Chancenungleichheit.

Eine ungleiche Behandlung der Schülerinnen und Schüler, unfertige Konzepte für den Fernunterricht und eine fehlende fachliche Begehung durch den Schulträger, den Wetteraukreis. Das sind ist im Wesentlichen die Kritik, die der Wetterauer Kreiselternbeirat (Kreb) gegen die teilweise Einführung des Präsenzunterrichts an den Schulen hat.

„Wir sehen eine massive Chancenungleichheit“, sagt Thomas Seeling, der Vorsitzende des Elternbeirats. Seit dem 27. April läuft in Hessen der Schulbetrieb wieder. Aber nicht für alle, sondern vorerst nur für Abschlussklassen. Und darin liegt für den Elternbeirat die Krux. Denn alle anderen und auch Risikogruppen könnten nicht teilnehmen. Den digitalen Fernunterricht, wie er derzeit praktiziert wird, sieht Seeling noch nicht reif dafür, dass er den Präsenzunterricht ersetzen könnte. „Das ist ganz durcheinander, von Lehrer zu Lehrer verschieden, teils an derselben Schule.“ Schüler müssten sich immer wieder neu einstellen. Das Staatliche Schulamt für den Wetterau- und Hochtaunuskreis in Bad Vilbel – Schulaufsichtsbehörde des hessischen Kultusministeriums – argumentiert: „In den Schulen steht die Digitalisierung noch am Anfang“, sagt Christine Stanzel, die Abwesenheitsvertretung von Schulamtsleiterin Rosemarie zur Heiden, gegenüber der FR. Natürlich könne das digitale Arbeiten den Unterricht nicht ersetzen. Aber: „Alle engagieren sich sehr. Manche Lehrer fahren zu den Familien nach Hause und versorgen sie mit Unterrichtsmaterial.“

Aber nicht nur das Land, auch den Kreis als Schulträger nimmt der Kreb in die Pflicht. Das Land hatte den Schulen am 22. April einen Hygieneplan zur Verfügung gestellt.

Diesen hat der Kreis eigenen Angaben zufolge weiterentwickelt und den Schulen übermittelt. Allerdings „sehen wir die durchgängige Umsetzung an allen Schulen des Kreises nicht gewährleistet“, schreibt der Elternbeirat. So gebe es keine Begehungen und Kontrollen der Hygienepläne vor Ort durch den Kreis.

„Flächendeckende ‚Kontrollgänge‘, ob die Schulleitungen sich an die Vorgaben halten, werden vom Wetteraukreis kritisch gesehen“, teilt dieser auf FR-Anfrage mit. „Der Kreis sieht sich als Partner der Schulen.“ Diese könnten sich jederzeit mit Fragen an ihn wenden, und „selbstverständlich“ stehe man dann auch vor Ort zur Verfügung. Das wüssten die Schulen auch.

Doch der Elternbeirat sieht sich auch durch das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs bekräftigt. Das Gericht hatte die Schulpflicht für Schüler der vierten Jahrgangsstufe außer Vollzug gesetzt. „Dieser vom Kreiselternbeirat begrüßte Beschluss enthält aus unserer Sicht eine wichtige Klarstellung: Es besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko im Präsenzunterricht.“

Aus all dem gibt es für den Elternbeirat nur einen Weg: „Der Präsenzunterricht soll bis zum Ende des Schuljahres 2019/20 ausgesetzt bleiben.“

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