+
Saisongärtnerin Kathrin Kruse mit Roter Bete und Möhren.

Gärtnern in der Wetterau

Saisongärtner in der Wetterau gesucht

  • schließen

Ein Acker-Parzelle pachten und sein eigenes Gemüse anbauen - das kann man beim Projekt Saisongärtner in der Wetterau.

Mancher Bauer sucht eine Frau, Peter Klingmann sucht Saisongärtner, und am besten gleich acht. Der Chef des Fauerbacher Hofs hat noch ebenso viele Parzellen zu vergeben. Die Saisonpächter bewirtschaften rund 40 Quadratmeter Acker für den eigenen Bedarf. Der Nebenerwerbslandwirt betreibt das Projekt seit fünf Jahren auf einem Feld nahe der Stadt. Nachahmer hat er in der Wetterau bislang nicht gefunden.

Eigentlich sei das Projekt schon älter, erzählt Klingmann. „Das Handelsunternehmen Tegut hat es vor zehn Jahren initiiert, um beim Verbraucher mehr Bewusstsein für die Lebensmittelerzeugung zu schaffen“, sagt er. Klingmann fühlte sich angesprochen, denn das Konzept passt zu seinem Engagement für Regionalvermarktung. Nahe dem Flüsschen Usa stellt er seitdem einen Acker zur Verfügung. „Ich bin dann nur für die grobe Arbeit zuständig, wie Pflügen und Einsäen“, sagt Klingmann. Er sorgt auch für Wasser und hält Gartengeräte bereit. Der Freizeitgärtner schließt einen Vertrag ab und zahlt 160 Euro pro Saison. Von der in Fulda ansässigen Lebensmittelkette erhält Klingmann kein Geld. Tegut steht den Bauern und Gärtnern mit Informationsmaterial, einer Internetpräsenz und Beratung zur Seite. Letzteres können nicht allein die Saisongärtner in Anspruch nehmen. „Ich bin ein klassischer Bauer, der sich bei Getreide oder Zuckerrüben auskennt“, sagt er. Kerstin Jost, frühere Landwirtin, fungiert als Beraterin, auch schon bei der Einsaat.

Die Saisongärtner bewirtschaften ihre Scholle nach den Regeln des biologischen Anbaus. Eine Bodenverbesserung erfolgt etwa mit Klee und Humus, Schadinsekten wird mit Brennnesselsud zu Leibe gerückt. Fruchtwechsel und eine Drei-Felder-Wirtschaft wie zu Zeiten Kaiser Karl des Großen sorgen zudem für ordentliche Erträge ohne Chemie.

„Mehr als 20 Gemüsesorten können angebaut werden, von Erbsen bis Kartoffeln, von Spinat bis Möhren oder Gewürze“, sagt Michaela Schremmer, die seit 2015 Saisongärtnerin ist und die Öffentlichkeitsarbeit für die Friedberger Gemeinschaft erledigt. Wem das Angebot nicht reicht, kann noch zwei Reihen etwa mit Tomatensetzlingen bestücken. Die Bio-Gemüsesorten, die ab Februar ausgebracht werden, werden danach ausgewählt, dass es von Mai bis Oktober durchgängig etwas zu ernten gibt. Die Nutzer erhalten für die Pacht eine ausreichende Menge ökologisch angebautes Gemüse, von dem man weiß, wo es herkommt, so Schremmer. Der Arbeitsaufwand betrage durchschnittlich vier Stunden pro Woche. „Bei feuchter Witterung, muss etwas mehr Zeit beim Unkrautjäten aufgewendet werden.“

Anders als bei Schrebergartenvereinen ist die Nachfrage bei den Saisongärten in den ersten Jahren verhalten gewesen, so Schremmer. 2017 habe das Projekt wegen der zu kleinen Pächterzahl auf der Kippe gestanden. „Es ist eben kein Freizeitgelände, sondern ein Arbeitsgarten.“ Für Schremmer ist es dennoch Entspannung von Beruf und Alltag, und ihre Tochter nimmt sie mit auf die Scholle. An der Erzeugung von Lebensmitteln sollen künftig auch andere Kinder teilhaben, dafür werben die Saisongärtner auch. Eine Grundschulklasse im Ort will nun mit einem Kartoffel-Projekt mitmachen. „Kartoffeln eignen sich dafür gut, die können während der Sommerferien allein bleiben“, sagt Schremmer.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare