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Friedberg Archäologie

Römischer Töpferofen entdeckt

Beim Umbau des Elvis-Presley-Platzes kommt ein römischer Töpferofen zum Vorschein. Er soll vorläufig in der Erde bleiben. Er wird lediglich dokumentiert und fotografiert.

Wenn in Friedberg Neues entsteht wie zurzeit auf dem Elvis-Presley-Platz, kommt bisweilen Altes zum Vorschein. Schuld daran sind manchmal die Römer. Das jüngste Beispiel ist der bei den Umbauarbeiten entdeckte römische Töpferofen aus der mittleren Kaiserzeit (circa 100 bis 300 n. Chr.). Der Ofen sei ein weiterer Nachweis für den römischen Vicus in Friedberg, sagt Kreisarchäologe Jörg Lindenthal. Als Vicus wurde in der römischen Antike ein Stadtviertel oder eine Siedlung bezeichnet. Diese hätten an die Militärlager angegrenzt, erklärt Lindenthal. Die Hauptstraße der Friedberger Siedlung sei mit einer Länge von 500 bis 600 Metern entlang der heutigen Kaiserstraße verlaufen.

„Es gibt an mehreren Stellen Töpferöfen“, so der Archäologe. Zuletzt hatte man vor rund fünf Jahren ein Exemplar an der Kreuzung Ockstädter Straße/Kaiserstraße entdeckt. Im 19. Jahrhundert waren vor dem damaligen Amtsgericht und ehemaligen Kaufhaus Joh zwei römische Töpferöfen entdeckt worden. Der neue Fund aber sei „sehr gut erhalten“. Wie viele Öfen seit der Antike entdeckt worden sind, lässt sich laut Lindenthal nicht einfach sagen. Denn bis Ende des 19. Jahrhunderts habe das historische und archäologische Augenmerk sehr stark auf der Dokumentation des Limes und der Kastelle gelegen – nicht so sehr auf den Vici. Deshalb gebe es Lücken bei der Auflistung der Öfen. Ein „gutes Dutzend“, schätzt Lindenthal, seien bislang in Friedberg gefunden worden. Für den Archäologen ist der wohl bis September dauernde Umbau des Elvis-Presley-Platzes ein Glücksfall. Denn durch die Verlegung neuer Wasserrohre, Strom- und Gasleitungen ist eine große Fläche auf einmal einsehbar geworden.

Der neue Ofenfund soll vorläufig in der Erde bleiben. Man hat ihn in Terra Flow, eine flüssige Erde, eingegossen. Dieser aus Sand und Bindemitteln bestehende Boden lässt sich leicht wieder entfernen. „Theoretisch kann den jemand in 200 Jahren ausgraben“, so Lindenthal. Da die Archäologen schon bei Grabungen im vergangenen Jahr die historische Schichtenabfolge von der Antike bis zur Neuzeit dokumentiert haben, können sie bei den laufenden Arbeiten auf aufwendige Untersuchungen verzichten. Der Ofen wurde lediglich dokumentiert und fotografiert, bevor die flüssige Erde den Fund wieder umschloss. „Es ist das Ziel, baubegleitend schnell zu reagieren“, sagt Lindenthal. Tatsächlich laufe die Zusammenarbeit zwischen Archäologen und Bauarbeitern reibungslos. Man sei sich bisher nicht gegenseitig „ins Gehege“ gekommen.

Doch liegt unter dem Elvis-Presley-Platz nicht nur ein Stück Antike. Auch Keramiken und Essgeschirr aus dem Mittelalter hat man gefunden. Seinerzeit war der Platz ein zentraler Ort. Auf dem Markt- und Handelsplatz stand das Waag- und Kaufhaus, in dem die Händler ihre Waren wiegen mussten, um sie vergleichbar zu machen. Entdeckt haben Archäologen auch Murmeln aus dieser Zeit. Auf dem Platz hätten im Mittelalter wohl Kinder gespielt, so Lindenthal. Bis das dort wieder möglich ist, werden noch einige Monate vergehen.

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