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Protest gegen Mullah-Regime

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Von: Jürgen Wagner

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Seit Wochen protestieren Menschen im Iran gegen das brutale Mullah-Regime. Der Tod einer 22-Jährigen durch die Polizei hat die Weltöffentlichkeit wachgerüttelt. Vier Gruppen riefen am Montag in Friedberg zur Solidaritäts-Demo auf, kritisierten unter anderem, dass Deutschland Handelsbeziehungen mit Diktaturen pflegt.

Fast 200 Menschen waren auf den Friedberger Elvis-Presley-Platz gekommen, darunter viele Exil-Iraner. „Ich wusste nicht, dass wir so viele sind“, sagte ein Mann beim Blick in die Menge. Die Demonstranten trugen Schilder mit Aufschriften wie „Revolutionsgarde = Terroristische Gruppe“ oder „Mord, Terror, Hinrichtung“. Eingeladen hatten die Antifa-BI, der Friedberger Ausländerbeirat, das Internationale Zentrum und die „Omas gegen rechts“.

Die Initiative ging von Bahareh Hübschmann aus, SPD-Ortsbeiratsmitglied in Ossenheim mit iranischen Wurzeln. Mit bewegenden Worten erzählte sie, wie ihre Mutter ausgepeitscht wurde, weil sie auf der Straße Händchen hielt; ihre Eltern flüchteten vor 36 Jahren vor der islamischen Revolution. Jetzt erlebe man eine feministische Revolution, ausgelöst durch die Ermordung der 22-jährigen Jina Mahsa Amini, „im Auftrag des iranischen Terrorregimes“. Eine „korrupte Elite“ plündere das Land, lasse das Volk niederknüppeln. Harte, schonungslose Worte, die so manche Zuhörer zu Tränen rührten. „Woman - Live - Freedom“ oder auf Deutsch „Frauen - Leben - Freiheit“: Das ist der Slogan der Protestierenden, der sich weltweit verbreitet. Unterstützung sei nötig, sagte Ausländerbeiratsmitglied Rima Zavazian. Die in Frankfurt geborene armenische Friedbergerin lebte vom 2. bis zum 14. Lebensjahr im Iran, erlebte „die Unterdrückung von Minderheiten“.

Der Exil-Iraner Bijan Razavi aus Kassel sagte, es seien Deutschland und Österreich gewesen, welche die außenpolitische Isolation des Iran nach der islamischen Revolution durchbrochen hätten. Der Iran und Deutschland seien „auf vielfältige Weise miteinander verflochten“. Razavi forderte Sanktionen gegen iranische Banken, die Schließung von Botschaften, die „Mittel zum Staatsterrorismus“ seien, und die sofortige Aussetzung aller Abschiebungen nach Iran.

Das Leben von Frauen im Iran sei nur halb so viel wert wie das von Männern, sagte die SPD-Kreistagsabgeordnete Franziska Linhart. Der Aufstand der iranischen Frauen sei auch ein Kampf um Würde. Uschi Knihs von den „Omas gegen rechts“ rief zur symbolischen Solidaritätsgeste auf: Studentinnen der Teheraner Kunstakademie hatten sich mit roten Händen fotografieren lassen, wollten den Mullahs damit zeigen: An euren Händen klebt Blut. Dies wurde in Friedberg mit roter Farbe nachgestellt. Iranische Fahnen wurden mit dem Slogan der Protestierenden bemalt. Die Redebeiträge wechselten sich mit iranischer Musik vom Band ab, so ergaben sich Momente der Besinnung und des Austauschs.

Letzter Redner war Peter Heidt, Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für Menschenrechte. Heidt sprach sich für Sanktionen gegen die Profiteure des Regimes aus, die ihr Land „wie Oligarchen auspressen“, und forderte, das Land Hamburg müsse die Zusammenarbeit mit dem „Islamischen Zentrum Hamburg“ sofort beenden; das Zentrum gilt als „wichtigste Filiale des iranischen Schiismus in ganz Europa“, worauf Bijan Razavi in seinem Redebeitrag eingegangen war.

Lisa Steinbrück von der Antifa-BI und Mehmet Turan vom Ausländerbeirat hatten die Demo auf dem Elvis-Presley-Platz damit begründet, dass sich Deutschland mit den Protestierenden im Iran solidarisie- ren müsse. Für die vielen Exiliraner dürfte es ein Zeichen der Ermunterung gewesen sein, dass sich so viele Deutsche, Türken, Ukrainer und Menschen vieler anderer Nationen an ihre Seite stellen.

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