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Ohne Umwege von A nach B

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Fahrrad fahren gegen die Einbahnstraßen-Richtung - die Erste Stadträtin Marion Götz macht’s vor. Sind Auto- und Radfahrer aufmerksam, gibt’s keine Probleme. nici merz © Nicole Merz

Fahrrad fahren gegen die Einbahnstraßenrichtung: Das ist in Friedberg in insgesamt 22 Straßen erlaubt. Und es funktioniert. Unfälle sind dem Ordnungsamt bislang keine zu Ohren gekommen. Aber Radfahrer sollten trotzdem Vorsicht walten lassen, wie der tägliche Selbsttest zeigt.

Ich fahre in Friedberg mit dem Rad vom Haingraben kommend auf der Bismarckstraße. Dort gibt es sogar einen schmalen Radstreifen. Trotzdem muss man aufpassen, wenn man mit dem Rad eine Einbahnstraße in Gegenrichtung befährt. Das erfahre ich an der nächsten Kreuzung. Aus der Ludwigstraße kommt ein Kleinwagen. Die Fahrerin hat weder mich noch den übrigen Verkehr im Blick, dafür ihr Handy. Ohne zu stoppen biegt sie nach rechts ab. Hätte ich nicht abgebremst, müsste ich diese Zeilen auf dem Krankenbett in den Laptop tippen. Aber alles ist gut gegangen. „Man muss aufpassen, dann geht’s“, sagt eine Rentnerin, die oft mit dem Rad unterwegs ist. Eine andere Frau sagt, sie fahre nicht in Einbahnstraßen rein. „Das ist mir zu eng. Nicht alle Autofahrer sind aufmerksam. Manche fahren sogar extra weit links, damit die Radfahrer keinen Platz haben.“ Ob diese Autofahrer die Beschilderung nicht beachtet haben?

Verantwortlich für diese Regelung ist die Erste Stadträtin Marion Götz (SPD). Sie legt fast alle privaten und beruflichen Wege mit dem Rad zurück, ist Expertin. Wie sind ihre persönlichen Erfahrungen? „Ich genieße die direkte Fahrt von A nach B nach C und freue mich, keine Umwege mehr fahren zu müssen oder zwischendurch absteigen und die Radfahrt unterbrechen zu müssen, wo früher Teilstrecken ohne Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung mangels Radfahrmöglichkeit nur zu Fuß überbrückt werden konnten.“

Von den 22 Straßen, in denen Radfahrer in Friedberg in Gegenrichtung fahren können, wurden die meisten seit Juli 2018 unter Marion Götz umgewidmet. „Hinzukommt die Freigabe von Radverkehr in der Fußgängerzone 2020.“ Ein paar der freigegebenen Strecken gingen auf Anregungen aus der Bürgerschaft oder des ADFC zurück. „Für alle Strecken habe ich auf eine ausdrücklich radverkehrsfreundliche Prüfung durch unsere Straßenverkehrsbehörde hingewirkt. Wo Spielraum bestand, haben wir diesen zugunsten des Radverkehrs genutzt.“

Die Erfahrungen seien „sehr gut“, sagt die Erste Stadträtin. „Es gibt viele positive Rückmeldungen und sogar Dankschreiben von Radfahrerinnen und Radfahrern. Von einzelnen Autofahrern wurde Besorgnis geäußert.“ Unfälle sind der Stadt nicht bekannt.

Die Regelung soll ausgeweitet werden. Es gibt noch eine Lücke im Radwegenetz: der Goetheplatz. Von der Ludwigstraße kommend können Radfahrer nicht direkt zur Kaiserstraße fahren. Würde man dort einen Radstreifen anlegen, würden zehn bis zwölf Parkplätze wegfallen. Derzeit werden auf dem Goetheplatz Schulcontainer aufgestellt, die Örtlichkeit verändert ihren Charakter.

Ja, sagt Götz, es gebe Überlegungen zu dem Ort. Wie sie kürzlich im Stadtparlament sagte, will sie erreichen, dass auch hier Radfahrer gegen die Einbahnstraße fahren dürfen. Weitere Lücken im Radwegenetz würden 2023 im Rahmen eines Radverkehrsgutachtens erfasst.

Es gibt auch eine Radwegelücke im überörtlichen Netz: die Strecke von Friedberg nach Bad Nauheim über die Gießener Straße. Der Friedberger Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) hatte jüngst berichtet, die Stadt habe die erste Ausschreibung der Bauarbeiten zurückgezogen. Es lag kein „wirtschaftliches Angebot“ vor. Mittlerweile sind fünf neue Angebote eingegangen. Götz: „Das Rathaus bereitet die Beschlussvorlage für die Auftragsvergabe vor. Die Baumaßnahme soll noch 2022 umgesetzt werden.“

Es gibt an dieser Stelle eine alternative Route: Von der Ottostraße führt ein Feldweg über eine kleine B3-Brücke ins Industriegebiet von Bad Nauheim. Dieser Weg ist aber weder ausgeschildert noch ordentlich befestigt. In Friedberg ist das Problem bekannt. In der Nachbarschaft offenbar nicht, denn der holprige Feldweg liegt auf Bad Nauheimer Gemarkung. Passionierte Radfahrerinnen und Radfahrer wissen freilich: Es gibt für diese Strecke noch eine Alternative, fern von jeglichem Autoverkehr: den Usatal-Radweg.

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