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Lebendiges Wasser

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Das monumentale jüdische Ritualbad von Friedberg ist von den selben mittelalterlichen Baumeistern errichtet wie die christliche Stadtkirche. Unser Bild entstand bei einer Führung mit Hans-Helmut Hoos am Tag des offenen Denkmals 2007.
Das monumentale jüdische Ritualbad von Friedberg ist von den selben mittelalterlichen Baumeistern errichtet wie die christliche Stadtkirche. Unser Bild entstand bei einer Führung mit Hans-Helmut Hoos am Tag des offenen Denkmals 2007. © Rebekka Prell

Eine Fachtagung in der Fachhochschule befasst sich am 4. und 5. November mit monumentalen jüdischen Kultbädern, sogenannten Mikwen. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Vor 750 Jahren wurde die größte und monumentalste deutsche Mikwe gebaut - in Friedberg.

Von Bruno Rieb

Das Judenbad in Friedberg ist die größte, vollständig erhaltene Mikwe – ein rituelles Tauchbad – in der Bundesrepublik. Vor 750 Jahren wurde das Bauwerk 25 Meter tief in den Fels gehauen, um an „lebendiges Wasser“ zu gelangen, wie es die jüdische Religion für rituelle Reinigungsbäder verlangt. Das Jubiläum der Mikwe ist Anlass eines interdisziplinären Symposiums. Zwei Tage lang behandeln Fachleute monumentale Mikwen aus religiöser, kunstgeschichtlicher und denkmalpflegerischer Sicht.

Die Professorin an der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg Hanna Liss wird am Donnerstag über die „Intensivierung der rituellen Reinheit bei den jüdischen Mystikern des Rheinlandes im 12. und 13. Jahrhundert sprechen (11.45 Uhr), Rabbiner Shaul Friberg von der gleichen Hochschule stellt „Die Mikwe im heutigen jüdischen Leben“ vor (13.45 Uhr).

Michael Lenarz vom Jüdischen Museum Frankfurt spricht über „Mikwen im Mittelmeerraum und in Europa von der Antike bis in die frühe Neuzeit“ (14.45 Uhr), Pia Heberer von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz in Mainz über „Mittelalterliche Mikwen in Rheinland Pfalz“ (16 Uhr). „Die Friedberger Mikwe im kunsthistorischen Vergleich“ ist das Thema von Stefanie Fuchs aus Heidelberg (16.45 Uhr).

Der Freitag ist der große Tag des Geburtstagskinds. Katja Augustin aus Bad Nauheim erläutert die Restaurierung der Friedberger Mikwe 1902/1903 unter Hubert Kratz (9.45 Uhr). Ernst Götz aus München stellt die zweite große Renovierung 1957/1958 vor (10.15 Uhr). Enno Steindlberger vom Institut für Steinkonservierung in Mainz berichtet über Schadensursachen und Erhaltungsmaßnahmen an den Sandsteinen. Schließlich hat die Mikwe ihren großen Auftritt: Um 12.30 Uhr ist Besichtigung.

72 Treppenstufen führen im Hof des Hauses 20 in der Judengasse hinab zum „lebendigen Wasser“, das meist fünf Meter hoch in dem Schacht steht und eine Temperatur zwischen sieben und acht Grad hat. Eine Inschrift besagt, dass die Mikwe 1260 erbaut wurde. Ein Steinmetzzeichen deutet darauf hin, dass es die gleichen Handwerker waren, die zu dieser Zeit den Chor der Stadtkirche bauten.

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