Prozess

„Kriminelle Energie ist kaum zu überbieten“

Friedberger Schöffengericht verurteilt 73-jährigen Serieneinbrecher zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Aufgrund eines ellenlangen Vorstrafenregisters lassen Staatsanwaltschaft und Gericht keine Nachsicht walten.

Am Ende von drei Verhandlungstagen hat das Friedberger Schöffengericht einen 73 Jahre alten Serieneinbrecher aus Altenstadt zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Gericht war der Argumentation der Staatsanwältin gefolgt. „Die kriminelle Energie, die Sie bei Ihren Taten an den Tag gelegt haben, ist kaum noch zu überbieten. Wissen Sie, wie die Einbruchsopfer psychisch unter Ihren Taten zu leiden haben? Und da bitten Sie um Nachsicht?“, fragte Richter Markus Bange in seiner Urteilsbegründung in Richtung des Angeklagten.

Die Beweislage reichte dem Gericht aus, um den 73-Jährigen zu verurteilen. 14 Mal sei er in seinem Leben wegen Gewalttaten und Einbruchsdelikten verurteilt worden und habe offensichtlich nichts daraus gelernt. Deshalb müsse die Allgemeinheit nun vor ihm geschützt werden.

Angeklagt war der ehemalige Werkzeugmacher wegen eines Wohnungseinbruchs und acht vergeblichen Versuchen in der Zeit von April 2018 bis zu seiner Verhaftung im vergangenen Juli. In vier Fällen, darunter auch der vollendete Einbruch mit einer Beute von 150 Euro in bar in Langenselbold, hatte die Staatsanwältin die Anklage zurückgezogen, da auf dem Videomaterial, das aus den Überwachungskameras der Hauseigentümer stammte, nicht eindeutig zu erkennen war, ob es sich bei der abgelichteten Person zweifelsfrei um den Angeklagten handelte.

Bei den übrigen fünf Fällen war sich die Staatsanwältin ihrer Sache sehr sicher. „Immer wieder dieselbe Verkleidung, dieselben auffälligen Schuhe, dazu noch die ungewöhnlich große Erscheinung des Täters mit ihrem charakteristischen Gang deuten eindeutig auf den Angeklagten“, fasste sie in ihrem Plädoyer die Beweislage zusammen. Hinzu kam eine Verhaftung nach einem Einbruchsversuch auf seiner Fahrt nach Hause. Dabei fand die Polizei wiederum die auffälligen Kleidungsstücke sowie Zangen und Drähte zum Anfertigen von Einbruchswerkzeugen. Schließlich war der 73-Jährige endgültig bei einer Observation durch die Polizei festgenommen worden, als er zum zweiten Mal und wiederum vergeblich in ein und dasselbe Einfamilienhaus in Florstadt einbrechen wollte.

Keine Nachsicht

Da die Latte seiner Vorstrafen ellenlang war – die ersten Eintragungen stammten von 1973, da war der Mann 26 Jahre alt –, wollte die Staatsanwältin keine Nachsicht walten lassen – weder wegen seines Alters noch wegen seiner schwerkranken Ehefrau. „Sechseinhalb Jahre Gefängnis haben den Angeklagten bisher nicht zur Einsicht gebracht.“ Und da auch keine positive Sozialprognose erkennbar sei, fordere sie drei Jahre und neun Monate Haft für den Angeklagten.

Da musste sogar die Verteidigerin schlucken. Weil ihrem Mandanten nur eine Tat nachgewiesen werden konnte, hatte sie nur eine Gefängnisstrafe von einem Jahr gefordert. Dem Angeklagten, der zuvor eisern geschwiegen hatte, löste das geforderte hohe Strafmaß der Staatsanwaltschaft die Zunge. Er versuchte sich herauszureden und bat das Gericht unter Tränen um Einsicht, da er seine kranke Frau pflegen müsse.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Noch vor der Verkündung hatte der 73-Jährige im Falle seiner Verurteilung Berufung angekündigt.

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