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Kinderfarm in Gefahr

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Die Kinderfarm Jimbala in Friedberg ist ein Ort, an dem Mädchen und Jungen frei und kreativ spielen können. red © Red

Friedberg - Grüne Natur und bunte Elemente als Blickfang empfangen Besucherinnen und Besucher, wenn sie das Gelände der Kinderfarm Jimbala in Friedberg betreten. Es ist ein Ort, an dem Jungen und Mädchen frei und kreativ spielen können. Nun aber schlagen die Verantwortlichen Alarm, denn die Finanzierung ist in Gefahr.

„Wir appellieren an die politischen Entscheidungsträger auf Stadt- und Kreisebene, verlässliche kommunale Mittel bereitzustellen.“ Das erklären die Verantwortlichen der Kinderfarm „Jimbala“ in Friedberg. Ziel ist es, Planungssicherheit zu erhalten und die pädagogische Qualität der Kinderfarm zu erhalten. Wie Vorsitzender Gerd Stüwe erläutert, hat der Verein das Projekt ab 2016 auf professionelle Beine gestellt. Bis dahin waren nur gelegentliche Öffnungen durch ehrenamtliche Kräfte möglich gewesen. Seither wird der Platz fast jeden Nachmittag für Jungen und Mädchen aufgemacht, die dadurch etwas anderes kennenlernen als die heutzutage oft durchgeplante Kindheit.

Im Freien sein, Stockbrot rösten, Hühner und Schafe umsorgen, solche Dinge gehören dazu. Zielgruppe ist das Alter von sechs bis zwölf Jahren. Seit viereinhalb beziehungsweise drei Jahren sind mit Simon Jerina (41) und Esther Schönberger (30) fachpädagogische Mitarbeiter dort aktiv. „Finanziert durch die Projekte der Aktion Mensch“, erläutert Stüwe. Der Verein bezahlt die Stellen seit Juni aus Eigenmitteln, da die Förderung durch „Aktion Mensch“ auslief. Ende November ist es damit vorbei, denn die wirtschaftlichen Möglichkeiten von „Jimbala“ sind begrenzt.

Gelder zu akquirieren, sei sehr schwierig, wie Stüwe bekennt. „Ich bin jedes Jahr dabei, Bittbriefe und Anträge zu schreiben“, sagt er. Um damit erfolgreich zu sein, müsse er den potenziellen Förderstellen stets neue Projektideen und -inhalte vorschlagen. „Aber wir können das Rad nicht immer wieder neu erfinden“, konstatiert er. Bis Mai sind Gelder für ein Ukraine-Projekt genehmigt, das aber gewährleiste nicht die nötige Kontinuität. „Wir müssten eigentlich eine ständige Förderung von der Kommune oder dem Kreis haben“, betont Stüwe.

Die Arbeit von „Jimbala“, mit Ausnahme des dortigen Kindergartens, sei gemäß Sozialgesetzbuch (VIII § 11) keine kommunale Pflichtaufgabe. Insofern fördert der Wetteraukreis „Jimbala“ laut Stüwe nicht finanziell. Die Behörde erwähne die Einrichtung immer wieder positiv und sei bereit, Empfehlungsschreiben zu verfassen.

Einige Male erhielt die Kinderfarm Sozial-/Ehrenamtspreise und das Label „Vielfalt“. Stüwe: „Das ist sehr schön, und diese Wertschätzung ist wichtig. Wir brauchen aber Planungssicherheit, um zumindest eine Personalstelle bezahlen zu können. Das ist nicht gegeben.“ Zum zweiten Mal bereits konnte der Verein nur Jahresverträge mit den Fachkräften abschließen. Einmal mussten sich die beiden mehrere Monate arbeitslos melden, solange ruhte die Arbeit.

Bis November ist laut dem Vorsitzenden noch von dienstags bis samstags bei vollem Programm geöffnet. Angeboten wird stets ein „Event“wie Kastanientiere basteln oder Ohrenkneifer-Hotels bauen. Das soll Kinder und Eltern anziehen, gleichzeitig kann die Jugend dort selbstständig spielen. Zusätzlich machen Freiwillige den Platz an jedem ersten und dritten Sonntag des Monats auf. Jüngstes Projekt waren Vormittagsangebote im Rahmen des Landesprogramms „Löwenstark“, das pandemiebedingte soziale Schäden bei Kindern beheben will. Die Einnahme war allerdings vergleichsweise gering und reicht bei weitem nicht aus, um die Kinderfarm zu tragen. Für ‘Löwenstark’ haben wir kooperative Abenteuer-, Kennenlernspiele und kreative Workshops angeboten“, erläutert Mitarbeiter Simon Jerina. Zwölf Schulklassen waren zum Teamtraining, zu bewegungsorientierten Spielen und kreativen Arbeiten da. „Das soziale Lernen steht nach der Pandemie im Vordergrund“, macht Esther Schönberger deutlich. Die Klasse bekam Aufgaben, die sie im Team lösen sollte. „Viele Aufgaben sind so konzipiert, einen Prozess in Gang zu setzen, um zu merken, dass es besser klappt, wenn sie es gemeinsam machen.“

Als positiv bezeichnet Vorsitzender Stüwe das Engagement von Land und Stadt hinsichtlich der Kita „Jimbala“, die kommunal voll finanziert wird. Falls jedoch die Kinderfarm kein Geld mehr akquirieren könne, müsse das offene Nachmittagsangebot zurückgefahren und auf ehrenamtliche Füße gestellt werden. Das wäre sehr bedauerlich, wie Stüwe betont: „Die Kinder haben sich daran gewöhnt.“ red

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