+
Der 49-jährige Wetterauer werden 25 Fälle von sexuellem Missbrauch und Besitzes von Kinderpornos vorgeworfen.

Urteil gefallen

Kinder via Whatsapp sexuell missbraucht: Wetterauer muss ins Gefängnis

  • schließen

Wie lange die Kinder an den Folgen der Taten leiden, ist nicht absehbar. Wie lange der Täter in seiner Zelle darüber nachdenken kann, steht fest. Ein Wetterauer muss mehrere Jahre hinter Gitter.

Wetterau - Das Urteil ist gesprochen, die schwangere Frau im Besucherbereich des kleinen Saales im Gießener Landgericht weint. Ihr Mann nimmt sie in den Arm. Der Mann, der für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter muss. Soeben hat ihn Vorsitzender Richter Andreas Wellenkötter zu zwei Strafen verurteilt - einmal zweieinhalb Jahre und einmal drei Jahre.

Die Aufteilung liegt daran, dass bereits vor einem Urteil am Amtsgericht Büdingen Taten begangen worden waren, die damals aber noch nicht bekannt waren. Später kamen weitere Taten hinzu, und die hat der 49-jährige Wetterauer begangen, nachdem er in Büdingen eine Bewährungsstrafe aufgebrummt bekommen hatte. Der Angeklagte sei "ein Bewährungsversager in massiver Art und Weise", sagte denn auch der Richter am Mittwoch.

Missbrauch in der Wetterau: Opfer 9 bis 13 Jahre alt

Konkret werden dem Täter 25 Fälle von sexuellem Missbrauch - zum Teil in Tateinheit mit dem Verschaffen von Kinderpornos - und der Besitz von Kinderpornos vorgeworfen. Wie die Wetterauer Zeitung berichtete, hatte der mittlerweile 49-Jährige via Whatsapp 9- bis 13-jährige Mädchen unter Druck gesetzt, von ihnen Nacktfotos und Videos verlangt, ihnen selbst Penis-Aufnahmen geschickt.

Zwei neunjährige Mädchen beispielsweise wollte er dazu bewegen, sich einen Finger in die Vagina zu schieben und davon ein Video zu machen. Von einer 13-Jährigen verlangte er ebenfalls sexuelle Handlungen. Auch davon, dass das Mädchen von Schmerzen berichtet habe, habe sich der Mann nicht beirren lassen, sagte der Richter. Es gab Chats, in denen es um Gruppensex ging und ein Treffen im Hotel vorgeschlagen wurde. Das Gefährdungspotenzial für die Mädchen sei dadurch noch erhöht worden, dass sich der Angeklagte nicht nur als 14-jähriger Leon, sondern auch als dessen Schwester und Vater ausgegeben habe, sagte der Richter. So übte der Mann dreifachen Druck aus - unter drei verschiedenen Telefonnummern. Die Taten wurden in den Jahren 2015, 2017 und 2018 begangen.

Bei Durchsuchungen wurden Kinderpornos entdeckt. In einem Fall waren es 650 Bilder und mehr als 1000 Videos. Darauf zu sehen: Erwachsene, die Kinder oral, vaginal und anal penetrieren.

Missbrauch in der Wetterau: Massives Vorgehen, derbe Sprache

Für die Höhe der Haftstrafe war eine ganze Reihe von ent-, vor allem aber belastenden Faktoren entscheidend. Dem Angeklagten kommt zugute, dass er die Taten gestanden hat. Außerdem habe er wegen seiner Pädophilie "weniger Hemmungsvermögen", wie es Wellenkötter formulierte. Allerdings sei der Wetterauer nicht vermindert schuldfähig, denn er könne seine Neigung in gewisser Weise steuern. Für den Angeklagten sprächen außerdem folgende Punkte: seit der letzten Durchsuchung nicht mehr rückfällig geworden, Verzicht auf ein Smartphone, Therapie begonnen. Die Folgen einer fünfeinhalbjährigen Haftstrafe für den Angeklagten und dessen Familie habe man ernst genommen, sagte Wellenkötter. "Wir nehmen Ihnen auch grundsätzlich ab, dass Sie bereit sind, an sich zu arbeiten." Aber noch habe nichts begonnen, was einen sexuellen Missbrauch verhindern würde. Die positiven Ansätze bei dem 49-Jährigen seien bisher von kurzer Dauer und reichten für eine günstige Prognose nicht aus. Wellenkötter: "Sie werden im Gefängnis therapeutisch an sich arbeiten müssen."

Der 49-jährige Wetterauer muss wegen Kindesmissbrauchs und wegen des Besitzes von Kinderpornos für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Sein Verteidiger hat angekündigt, "wahrscheinlich" Revision gegen das Urteil einzulegen. 

Die Liste der Faktoren, die sich aus Sicht des Angeklagten negativ auswirken, ist wesentlich länger. Neben dem für einen Teil der Taten geltenden Bewährungsversagen gibt es da eine ganze Menge: das massive Vorgehen, die derbe sexualisierte Sprache, das Versenden von Penisbildern, der "Erfolg", den der Angeklagte mit seinen Manipulationen der Kinder hatte, das geringe Alter der Opfer. Der Täter habe über einen langen Zeitraum "sehr durchdacht gehandelt" und auf eine "erheblich perfide Art auf die Kinder eingewirkt", sagte der Richter. Beim Angeklagten sei noch nicht angekommen, welche Folgen die Pädophilie für ihn und die Kinder habe. "Im Endeffekt belügen Sie sich selbst."

Wie der Verteidiger der WZ mitteilte, werde er wahrscheinlich Revision gegen das Urteil einlegen.

Info: Das Strafmaß

Richter Andreas Wellenkötter verlas am Mittwoch die einzelnen Taten und die jeweiligen Strafen dafür. Diese allerdings wurden zum Schluss nicht addiert, die Summe hätte 20 Jahre ergeben. Im Endeffekt muss der 49-jährige Angeklagte fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Dies ist ein halbes Jahr mehr als der Staatsanwalt gefordert hatte. Der Verteidiger hatte auf zwei mal zwei Jahre jeweils auf Bewährung plädiert. Wie der Richter erläuterte, sieht der Rechtsrahmen bei sexuellem Missbrauch Haftstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren pro Fall vor. Es handele sich auch dann um sexuellen Missbrauch, wenn Kinder via Smartphone zu sexuellen Handlungen aufgefordert würden. Für den Besitz von Kinderpornos sehe der Rechtsrahmen einen Bereich zwischen Geldstrafe und drei Jahren Gefängnis vor, erläuterte Wellenkötter. Auf den beim Angeklagten gefundenen Kinderpornos seien ganz gravierende sexuelle Missbräuche zu sehen. Wer sich online solche Bilder und Videos beschaffe, "macht sich auch mittelbar des sexuellen Missbrauchs der Kinder schuldig".

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare