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Haus zu verschenken. 

Eigentümer will Haus loswerden

Friedberg: Haus für 0 Euro? Kuriose Wende nach Angebot auf Kaiserstraße

Ein Wohn- und Geschäftshaus auf der Friedberger Kaiserstraße, das für null Euro zu haben ist? Klingt verlockend, auch wenn das Haus sanierungsbedürftig ist und es hohe Auflagen seitens des Denkmalschutzes gibt. Doch das Angebot ist ein Fake, wie sich nun herausstellte. Der Eigentümer des Hauses, der sich derzeit nicht in Deutschland aufhält, hat ausrichten lassen, er habe mit der vermeintlichen Versteigerung auf einem Immobilienportal nichts zu tun.

Update, 29.11.2019: Das "Gammelhaus" in der Kaiserstraße 121 steht nicht zum Verkauf. Bei dem "Kaufangebot" für 0 Euro, das auf dem Internetportal www.immobilienscout24.de veröffentlicht wurde, handelt es sich um einen Fake. Das Angebot wurde "deaktiviert", wie mittlerweile über dem Eintrag zu lesen ist. 

Der UWG-Fraktionsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Durchdewald war auf das Angebot gestoßen. Ein Bekannter von ihm rief bei der angegebenen Telefonnummer an und erfuhr, das Angebot sei real, es handele sich um eine Versteigerung. Diese Nachricht verbreitete sich schnell in den sozialen Netzwerken. 

Friedberg: Rathaus wollen möglichen "Kauf" prüfen

Nachdem das Rathaus über das vermeintliche Kaufangebot informiert war, gab Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) den Vorschlag der UWG, das Haus von städtischer Seite zu übernehmen, zur Prüfung ans Amt für Stadtentwicklung. "Wir werden das am Montag im Magistrat ansprechen", meldete Antkowiak am Donnerstagnachmittag. Am Freitagmorgen dann die ernüchternde Nachricht: "Ich habe Rückmeldung vom Hausbesitzer der Kaiserstraße 121. Dass das Gebäude verkauft werden soll, ist eine Falschmeldung", berichtet Antkowiak. Die Verkaufsanzeige sei nicht vom Besitzer freigeschaltet worden. 

Ortsvorsteher und Nachbar Norbert Simmer (CDU) bestätigt das. "Ich habe den Besitzer des Hauses, der sich gerade in Prag aufhält, erreicht. Er weiß von nichts." Simmer wäre wohl einer der ersten gewesen, die von einem solchen Angebot erfahren hätten. "Er hat mir versichert, dass er damit nichts zu tun. Er habe nichts zu verschenken, und er verkaufe auch nicht." 

Friedberg: Wie geht es weiter mit Haus der Kaiserstraße?

Der Eigentümer und die Untere Denkmalschutzbehörde sind sich nicht einig, ob die historische Bausubstanz des Hauses erhaltenswürdig ist oder teilweise abgerissen werden kann. Ortsvorsteher Simmer brachte Eigentümer und Denkmalschutzbehörde wieder an einen Tisch. "Jetzt läuft’s", sagt Simmer. Ein Gutachter sei mit Genehmigung des Denkmalschutzes beauftragt worden, die Bausubstanz zu untersuchen. Liege das Gutachten vor, herrsche Klarheit, wie es mit der Sanierung weitergehen kann.

Friedberg: Auch Fotos aus dem Inneren auf Internetportal gezeigt

Durchdewald sagte, der Erwerb wäre für die Stadt eine große Chance gewesen. Die UWG hatte angeregt, den städtischen Info-Point, eine touristische Anlaufstelle für Besucher wie für Bewohner, dort einzurichten. Im hinteren Teil des Gebäudekomplexes, der auch von der Hospitalgasse aus nicht komplett einsehbar ist, schlug die UWG Sozialwohnungen vor. Daraus wird nun nichts. 

Was Durchdewald verwundert: Auf dem Internetportal waren mehrere Fotos veröffentlicht, die das Gebäude auch von innen zeigten. Wer auch immer die Anzeige ins Netz gestellt hat, muss Zugang zum Haus oder zu den Fotos gehabt haben.​

Erstmeldung, 28.11.2019: Auf der Kaiserstraße gammelt seit Jahren ein Wohn- und Geschäftshaus vor sich hin. Eigentümer und Untere Denkmalschutzbehörde streiten über historische Balken. Solange es keine Einigung gibt, kann das Haus nicht saniert werden. Nun hat der Eigentümer die Reißleine gezogen und will das Haus verschenken. Die UWG schlägt vor, die Stadt solle Eigentümer werden, könne dort das Tourismusbüro einrichten.

Das Haus Kaiserstraße 121 wird auf dem Internetportal www.immobilienscout24.de angeboten - für 0 Euro. Das sei am Mittwoch "erst nach der HuF-Sitzung" aufgefallen, berichtet UWG-Fraktionsvorsitzender Friedrich-Wilhelm Durchdewald. Das Haus hat acht Zimmer und 177 Quadratmeter Fläche. Die Grundstücksgröße wird mit 365 Quadratmetern angegeben.

Friedberg: Was passiert mit "Gammelhaus" auf der Kaiserstraße?

Im Juli hatte die UWG im Stadtparlament eine Anfrage zum Zustand des Hauses gestellt. "Der Schandfleck muss beseitigt werden", forderte Bernd Messerschmidt. Im Sommer waren bei einem Sturm Ziegel vom Dach geflogen, ein Schutznetz wurde aufgespannt. Durchdewald: "In einer Telefonkonferenz haben wir als UWG-Fraktion beschlossen, die städtische Übernahme des Grundstücks anzuregen. Es könnte an dieser exponierten Stelle als Infopoint dienen." Im Obergeschoss und im rückseitigen Gebäude seien Sozialwohnungen denkbar. Parkplätze gebe es auf der Rückseite in der Hospitalgasse.

Friedberg: Wird Stadt Eigentümer von "Gammelhaus" auf Kaiserstraße?

Durchdewald weiter: "Vermutlich ist es dem derzeitigen Eigentümer zu müßig, sich mit dem Denkmalschutz wegen der Erlangung des Baurechts auseinanderzusetzen. Wir sind der Auffassung, dass die Stadt nicht den gleichen Fehler machen sollte, wie es in den Zeiten der Altstadtsanierung geschah, dass solche exponierten Gebäude sich selbst bzw. möglicherweise einem zweifelhaften Markt überlassen werden."

Die UWG regte daher an, "eine rasche Prüfung hinsichtlich der Eigentumsbeschaffung und Verwertbarkeit einzuleiten". Da das Bauamt laut Rathausspitze "total überlastet" sei, könne damit "gerne ein externer Fachmann beauftragt werden", schreibt Durchdewald.

jw

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