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Eine der vielen Quellen der Wetterau ist der Sprudel in Bad Nauheim.
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Eine der vielen Quellen der Wetterau ist der Sprudel in Bad Nauheim.

Friedberg

Das flüssige Gold der Wetterau

Zwischen Vogelsberg und Taunus sprudeln Mineralquellen in großer Zahl. Der Historiker Konrad Schneider hat für die jüngste Ausgabe der Wetterauer Geschichtsblätter eine „historische Topographie“ der Quellen verfasst.

Von Bruno Rieb

In der Wetterau kann Wasser gut zu Geld gemacht werden, denn es ist ein kostbares Gut. Die Region zwischen Taunus, Vogelsberg und Gießen „gehört zu den mineralwasserreichsten Regionen Deutschlands“, stellt Konrad Schneider fest. Der Historiker am Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt hat für die jüngste Ausgabe der Wetterauer Geschichtsblätter eine „historische Topographie“ der Mineralquellen der Wetterau verfasst. Sie zeigt, wie die Quellen schon seit langer Zeit genutzt wurden. Sie waren und sind der Rohstoff für Salzgewinnung, Getränke und Kurbetriebe.

Für die zahlreichen Mineralquellen in der Wetterau gibt es laut Schneider zwei Erklärungsansätze: Zechsteinlagerstätten im Osten und Südosten des Vogelsbergs würden als Herkunftsgebiet des salzhaltigen Wassers vermutet oder ein Zufluss aus dem Oberrheingraben. In einer populären Darstellung aus dem Jahr 1832 sei ein Salzstock im Vogelsberg bei Selters, Schlitz oder Bad Salzschlirf vermutet worden.

Der Salzgehalt der Wetterauer Mineralwässer ist allerdings recht gering, die Salzproduktion daraus aufwendig. Die Wetterauer Mineralquellen waren und sind vor allem wegen ihres hohen natürlichen Kohlensäuregasgehaltes als Getränk geschätzt, stellt Schneider fest und erklärt gleich, woher dies kommt: „Kohlensäure ist postvulkanischen Ursprungs und tritt gerne in der Nähe von erdgeschichtlich jungem Vulkanismus auf, im Fall der Wetterau im Zusammenhang mit dem basaltigen Magma des Vogelsbergs.“

Regelrechte Brunnenindustrie

Das Mineralwasser wurde bis ins späte 19. Jahrhundert naturbelassen unmittelbar am Brunnen abgefüllt. Dann wurde begonnen, künstliche Mineralwässer aus Quellwasser, Salzmischungen und Kohledioxid herzustellen. Es entwickelte sich eine Brunnenindustrie. 1904 bildete sich der Deutsche Mineralbrunnenverband. Der schrieb in der Wetterau Mineralwasser-Geschichte, als er 1911 in Bad Nauheim richtungsweisende Beschlüsse fasste: Mineralwässer mussten mindestens 1000 Milligramm gelöster Stoffe je Liter aufweisen und Säuerlinge mindestens 1000 Milligramm gelöstes Kohlendioxid. Mineralwasser durfte enteisent und entschwefelt sein sowie mit Kohlensäure versetzt werden. Salze durften nur künstlichen Mineralwässern zugesetzt werden und das musste auf dem Etikett angegeben werden. Durch die deutsche Tafelwasser-Verordnung von 1934 wurden die Bad Nauheimer Beschlüsse rechtlich bindend.

Die Wetterauer Mineralquellen verteilen sich laut Schneider auf die Bruchzone östlich des Taunus und auf den 30 Kilometer langen und sechs Kilometer breiten Horloff-Graben in den Basaltströmen des Vogelsbergs. Zu der Taunus-Bruchzone zählt er Rosbach, Bad Nauheim, Schwalheim, Dorheim, Karben und Bad Vilbel, zum Horloff-Graben Berstadt, Grund-Schwalheim, Staden Bönstadt, Ober- und Unter-Widdersheim und Bad Salzhausen.

Das Kreisamt Friedberg fragte 1938 die Gemeinden nach Quellen, Sprudeln und natürlichen Heilwässern mit dem Ziel einer touristischen Nutzung. Es meldeten sich Bad Nauheim, Groß-Karben, Kloppenheim, Massenheim, Münzenberg, Nieder-Mörlen (wegen Wisselsheim), Nieder-Wöllstadt, Ober-Rosbach, Rockenberg, Schwalheim, Staden und Bad Vilbel, letzteres allein mit 27 Quellen.

Schneider beschreibt alle Wetterauer Quellenorte detailliert. Bad Vilbel, der derzeit größte Mineralwasserproduzent, nimmt den breitesten Raum ein. Aber auch Karben wird ausführlich behandelt, denn hier gab es einst vier Betriebe mit bis zu 160 Beschäftigten. In Büdingen übrigens hat es dereinst einen „bescheidenen Kurbetrieb am Guten Born bei Niederseemen“ gegeben.

Wetterauer Geschichtsblätter, Bd. 58, 372 Seiten, viele Illustrationen, 29,80 Euro; ISBN 978-3-87076-109-7.

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