Nilani Stegen, Kantorin in Nieder-Wöllstadt und Leiterin des neuen Chors „SingBar“. 
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Nilani Stegen, Kantorin in Nieder-Wöllstadt und Leiterin des neuen Chors „SingBar“. 

Nieder-Wöllstadt

Ein Chor für die Wetterau

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Kantorin Nilani Stegen gründet „SingBar“ für Jazz und Pop. Es werden noch Mitsingende gesucht.

Nilani Stegen kann offenbar gar nicht genug Musik machen, am besten mit anderen Menschen. Zum Mitsingen im Kirchenchor und zum offenen Adventssingen lädt die Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Nieder-Wöllstadt derzeit ein. Nun will sie einen Chor für die ganze Wetterau auf die Beine stellen. Und wenn es gut läuft, kann der bis zu 80 Stimmen groß sein. Keine klassische Kirchenmusik von Bach bis Schütz, sondern die Genres Jazz und Pop sind angesagt. Das Leben sei singbar, meint Stegen und taufte den Chor, der ein Projekt des Dekanats Wetterau ist, deshalb auch so: „SingBar“ .

Das Vorhaben ist der 42-Jährigen nicht aus heiterem Himmel eingefallen. „Ich habe vor kurzem eine Zusatzausbildung für Jazz- und Pop-Gesang in der Kirchenmusik absolviert“, sagt sie. „Für diese Musikstile ist eine spezielle Gesangstechnik und deren Vermittlung erforderlich“, erläutert die studierte Kirchenmusikerin und Multiinstrumentalistin. Zur Entstehtungsidee sagt sie, die beiden Genres fänden zunehmend Einfluss in der Kirchenmusik. Auch die Hochschulen öffneten sich dafür. „Jazz und Pop sind in unserem Alltag allgegenwärtig.“ Das Hörverhalten zeige sich zudem bei den Musikwünschen zu Gottesdiensten. „Junge Leute lieben tendenziell mehr den Rhythmus in der Musik, der bis ins Herz geht“, sagt Stegen.

Sie weiß, wovon sie spricht. Nach dem Studium war sie neun Jahre Kantorin der Bad Vilbeler Heilig-Geist-Gemeinde. Sie baute Kinderchöre und die Konzertreihe „VilbelMonte“ auf. Danach übernahm sie die Kirchenmusik in Butzbach. Ihre aktuelle berufliche Station, Kantorin in Nieder-Wöllstadt, hat sie seit Oktober inne - dort will sie ebenso die Menschen am Singen begeistern.

Das Repertoire von „SingBar“ wird jedoch nicht ganz allein vom Rhythmus der Songs bestimmt. Nilani Stegen will bei der Auswahl genau auf die Texte hören, denn Pop-Lieder sind ihr oft zu oberflächlich. Fromme Literatur im klanglichen Gewand von Jazz und Pop soll es aber auch nicht sein. „Die Stücke sollen eine gewisse Tiefe haben“, sagt sie. „Human“ von Rag’N’Bone Man oder „With A Little Help From My Friends“ von Joe Cocker wären etwa potenzielle Kandidaten.

Ob sie letztlich zum Songbook von „SingBar“ gehören werden, werde sich jedoch mit der Zusammensetzung ergeben, sagt Stegen. Der Chor soll für Jung und Alt, Frau und Mann gleich welcher Konfession offen sein. Die untere Altersgrenze liegt bei 14, 15 Jahren – schon wegen des späten Probenbeginns. „Ein Chor aus 30 bis 40 Personen wäre ein schöner Erfolg“, sagt Stegen. Die Grenze liegt bei 80 Singenden. Damit wäre nicht zuletzt der Gemeindesaal in Nieder-Wöllstadt gut gefüllt. Die Interessenten müssen keine Chorerfahrung und Notenkenntnisse vorweisen können, beides könnte die musikalische Mitarbeit und die Auseinandersetzung mit den Songs jedoch erleichtern, heißt es.

Chart-Hits für den mehrstimmigen Gesang muss Stegen hingegen nicht umschreiben. „Für Jazz- und Popstücke gibt eine große Zahl an modernen Chorarrangements.“ Oliver Gies nennt sie als einen Autor, der ihren Anspruch an mitziehenden Rhythmen erfüllt, sogar bei klassischen Werken und erst recht bei der Umsetzung von aktueller Musik. Eine Kostprobe gibt der Arrangeur und Chorleiter auf Youtube etwa mit dem Song „Human“. Ein Markenzeichen von Gies’ Arrangements ist die Vokalperkussion. „Wir werden zum Teil auch die Rhythmusgruppe bilden“, sagt Stegen. Natürlich ist der Chor kein Selbstzweck, das erste Konzert ist bereits für Pfingsten geplant.

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