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Bürgermeister darf verhandeln

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Was kosten die Grundstücke in der Kaserne? Die Stadt plant für drei Flächen den „Teilerstzugriff“: für Feuerwehr; Bauhof und Trauungsort in der kleinen Kapelle. nici Merz © Nicole Merz

Braucht die Stadt Friedberg in der Kaserne, dem neuen Stadtviertel, einen Trauungsort? Anders gefragt: Kann und soll sich die Stadt das leisten? Im Stadtparlament gab es wie in den Ausschüssen Stimmen, die den Ankauf der Kapelle ablehnen. Unstrittig ist hingegen der geplante Geländekauf für Feuerwehr und Bauhof.

Die meisten Grundstücke im bald entstehenden neuen Friedberger Stadtviertel auf dem Kasernengelände sollen an Investoren verkauft werden. Dies - den Schwenk zum „Markterkundungsverfahren“ - beschloss das Stadtparlament im Juli; die andere Variante, der „Erstzugriff“ durch die Stadt, wurde verworfen.

Gleichwohl hat die Stadt die Möglichkeit, Gelände im „Teil-erstzugriff“ zu einem günstigeren Preis zu erwerben - für öffentliche Baumaßnahmen, die sich aus der Kasernenentwicklung ergeben. Dies sind aktuell Flächen für einen neuen Feuerwehrstandort, einen Bauhof und einen Trauungsort in der ehemaligen Ray Chapel, der kleinen Kirche auf dem Gelände, die auch für Familienfeiern und andere Events vermietet werden soll.

Wie hoch der Preis für den Baugrund ist, weiß derzeit noch niemand. Die Stadt hatte drei Beschlussvorlagen erarbeitet. Stimmen die Stadtverordneten zu, hat Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) die Freigabe, mit der BImA über den Preis zu verhandeln. Ob die Stadt dann kauft, muss das Stadtparlament mit einem weiteren Beschluss besiegeln.

Der neue Feuerwehrstandort liegt genau gegenüber dem alten an der Straße Im Warthfeld. Nur eben dort, wo jetzt noch Zäune den Zugang zum Gelände versperren. Der neue Bauhof soll am südöstlichen Zipfel des Areals gebaut werden, liegt also ganz am Rande des Gebiets. Bleibt die ehemalige Ray Chapel, das Kirchlein am westlichen Rand der Kaserne in Höhe des Grünen Wegs. Die FDP lehnt den Geländekauf ab. „Wir brauchen kein weiteres Bürgerhaus“, sagte Achim Güssgen-Ackva mit Blick auf die Folgekosten.

Auch Florian Uebelacker (Grüne) lehnte dieses „populistische“ Projekt ab. Das sanft ansteigende Gelände mit Balkonblick nach Frankfurt könne viel besser vermarktet werden. „Wie viele Trauungen finden dort wohl statt?“ Uebelacker bezweifelte, dass es viele sein würden. Überhaupt führe der Bürgermeister die Stadtverordneten mit dem Teilerstzugriff „aufs Glatteis“. Die Informationen seien viel zu spät verteilt worden, es werde nicht ausgiebig diskutiert.

„Seit drei Jahren diskutieren wir darüber“, konterte Antkowiak. Sei der Preis zu hoch, werde man „Nein, danke!“ sagen. „Ich will nur die Ermächtigung, über den Kaufpreis zu verhandeln.“ Worauf auch SPD-Sprecher Klaus-Dieter Rack hinwies: „Bleibt entspannt!“ Gleichwohl, so Rack, hätten die vorgesehenen Teilerstzugriffe ausführlich in den September-Ausschüssen diskutiert werden können. Rack, an die Stadtspitze gewandt: „Diese Sitzungen fielen aber leider aus.“ Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Markus Fenske erneuerte seinen Vorschlag, die Stadt solle den Teilerstzugriff auch auf den sozialen Wohnungsbau ausdehnen. „Das gehört in die städtebaulichen Verträge“, erwiderte der Bürgermeister. Die Investoren seien es letztlich, die nach Maßgaben der Stadt dazu verpflichtet würden, günstiges Wohnen, aber auch Kitas zu ermöglichen bzw. zu bauen.

Nachdem einige redaktionelle Ergänzungen eingebaut waren, wurden die drei Verwaltungsvorlagen mehrheitlich beschlossen. Nun gilt es abzuwarten, welchen Preis die BImA für das (ehemals der Stadt Friedberg gehörende) Gelände aufruft.

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