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Bislang nur zwei Bewerber

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Von: Jürgen Wagner

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Altlast: Ende 2018 kaufte die Stadt Friedberg die Alte Post, in der zuletzt das Schulamt untergebracht war. Ein technisches Rathaus soll hier entstehen. Vier Jahre später stehen die Räume aber immer noch leer. Fehlt es am „Gestaltungswillen“? nici merz © Nicole Merz

Im Spätsommer stehen in Friedberg Bürgermeisterwahlen an. Bislang haben nur zwei Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen: Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) und der Grünen-Fraktionsvorsitzende Markus Fenske. Auch wenn es derzeit noch ruhig ist: Insgeheim hat der Wahlkampf längst begonnen.

Die Bürgermeisterwahl findet nicht gleichzeitig mit Landtags- oder Landratswahl statt, sagt Friedbergs Rathauschef Dirk Antkowiak (CDU). Über den Wahltermin entscheidet die Stadtverordnetenversammlung, die nächste Sitzung ist am 23. Februar.

Noch herrscht großes Rätselraten, wie viele Kandidaten letztlich antreten. Im vergangenen Herbst gingen wilde Gerüchte durch Friedberg. Steht die CDU noch zu ihrem Bürgermeister? Offiziell waren alle ein Herz und eine Seele, intern soll es Krach gegeben haben. Auch aus der CDU muss sich Antkowiak hin und wieder Kritik anhören. Das kommt nicht von ungefähr, betont Antkowiak doch gerne, dass er „Bürgermeister für alle Friedberger“ sein will.

So kommt es, dass Antkowiak im Stadtparlament Kompromisse vorschlägt, die den eigenen Leuten nicht immer passen. Als die Gerüchte die Runde machten, die CDU könne womöglich einen anderen Kandidaten aufstellen, meldeten sich sofort Friedberger, die ihn als unabhängigen Kandidaten unterstützen wollten. Antkowiak hat Fürsprecher, muss sich aber auch immer wieder anhören, dass vieles im Rathaus zu langsam geht, dass sich Projekte über Jahre hinziehen. Allein: Der große Krach blieb aus, die CDU steht hinter ihrem Bürgermeister.

Antkowiak wurde auf der Weihnachtsfeier der CDU als Kandidat für die Wahl auserkoren, die Mitgliederversammlung soll dies noch bestätigen.

Der Erste, der seinen Hut in den Ring warf, war der Grünen-Fraktionsvorsitzende Markus Fenske. Für den 55-jährigen Rechtsanwalt der zweite Anlauf auf den Chefsessel im Rathaus; bei der Wahl im September 2017 kam er im ersten Wahlgang auf 14,55 Prozent. Fenske wirbt mit dem Slogan „Friedberg braucht Mut zur Veränderung“. Die Grünen, sagt er, seien im Stadtparlament „der Treiber für Veränderungen“. Viele Anträge gehen auf die Grünen zurück, bei Themen wie Klimaschutz oder Windpark drücken sie ordentlich aufs Tempo.

Und die anderen Parteien? Die FDP stellt keinen Kandidaten auf. Achim Güssgen-Ackva: „Wir sind in der Kommunalpolitik in Friedberg lebhaft dabei, aber man muss auch erkennen, was erreichbar ist.“ Außerdem, sagt Güssgen, koste ein Wahlkampf „viel Zeit und Geld“. Die FDP werde mit allen Kandidaten Gespräche führen und dann entscheiden, ob und für wen man eine Empfehlung ausspreche. Die Linke hat noch nicht entschieden, ob sie jemanden ins Rennen schickt. „Es gibt ja noch keinen Wahltermin“, sagt Sven Weiberg. Im Frühjahr werde man dies entscheiden.

Was ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin für Friedberg mitbringen sollte, weiß Weiberg aber: „Gestaltungswillen. Davon fehlt es an allen Ecken und Enden, das betrifft nicht nur den Bürgermeister.“ Es tue sich „herzlich wenig“ in Friedberg.

Ähnlich bei der UWG: Man habe noch keine Entscheidung über eine Kandidatur getroffen, sagt Friedrich Wilhelm Durchdewald. Die Fraktion werde das übernächste Woche besprechen. „Ich kann im Moment niemanden aus der Hosentasche ziehen“, sagt Durchdewald. Und die SPD? Klaus-Dieter Rack holte 2017 im zweiten Wahlgang 42,7 Prozent, musste sich Antkowiak geschlagen geben. 2023 wird er 70, er schließt eine erneute Kandidatur für sich aus. Für die Stadtentwicklung wünscht er sich „eine gestaltungsstarke Persönlichkeit“. Die SPD stellt mit Marion Götz immerhin die Erste Stadträtin. Die aber steht für eine Bürgermeisterkandidatur nicht zur Verfügung. „Ich habe nicht die Absicht, gegen meinen Kollegen zu konkurrieren“, sagt Götz. Sie setze auf Kooperation: „Ich werde mich weiter für die Sacharbeit einsetzen, will an einem Strang ziehen und keine Mauern bauen.“ Liest man die Stellungnahme von Rack, wird deutlich, dass diese (Zurück-)Haltung nicht allen in der SPD gefällt: „Die SPD verfügt in einem Spitzenamt der Stadt bereits über eine Akteurin, die sich nicht nur ihrer administrativen, sondern gerade auch ihrer politischen Funktion bewusst sein muss.“ Peng! Über eine Kandidatur werde man nächste Woche entscheiden, teilt Rack mit. Bislang, ist zu hören, hat auch die SPD niemanden in der Hinterhand.

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Markus Fenske red © Red
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Dirk Antkowiak red © Red

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