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Balancieren auf der Herbstwelle: Wie ist die Lage in den GZW-Krankenhäusern?

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Das Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim. Dort und im Friedberger Bürgerhospital müssen aktuell insgesamt 50 Betten für Corona-Patienten bereitgehalten werden. merz © Nicole Merz

Auch im dritten Corona-Jahr kommen Krankenhäuser an ihr Limit. Die Herbstwelle schlägt zu. Gilt das auch für die Krankenhäuser des GZW in Bad Nauheim und Friedberg?

Wer in einem deutschen Krankenhaus arbeitet, kann nur hoffen, dass sich die Kollegin, der Kollege, man selbst nicht mit Corona infiziert. Denn die Personaldecke ist im Zuge der Herbstwelle dünner geworden, und die Zahl der Patienten, die mit oder wegen Corona eingeliefert werden, ist gestiegen. Der Aufwand pro Covid-19-Patient ist enorm. Wie kommt man in den Krankenhäusern des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW) mit der Situation klar. Diese Zeitung hat bei Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann nachgefragt.

Er verweist darauf, dass sich zum 20. Oktober in Hessen 2116 mit Corona infizierte Menschen in normalstationärer und 192 in intensivmedizinischer Behandlung befunden hätten. Ein weiterer Anstieg werde erwartet. Das Sozialministerium gebe wöchentlich vor, wie viele Betten die Krankenhäuser für Corona-Patienten vorhalten müssen, sagt Fellermann. »Im Versorgungsgebiet III Gießen-Marburg, zu dem der Wetteraukreis gehört, betrifft dies die GZW-Krankenhäuser in Friedberg und Bad Nauheim. Insgesamt müssen aktuell das Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim und das Bürgerhospital Friedberg in Summe 50 Betten für Corona-Patienten bereithalten, das heißt, diese Betten dürfen nicht durch anderweitig Erkrankte belegt werden, selbst wenn sie nicht durch Corona-Patienten beansprucht werden.« Corona-Patient heißt, dass es egal ist, ob der- oder diejenige mit oder wegen Corona eingeliefert worden ist.

20 Schutzkittel pro Tag und Patient

Aktuell reichen die bereitgehaltenen Betten laut Fellermann nicht aus, »sodass auch auf anderen Stationen Corona-Patienten zusätzlich isoliert werden müssen«. Dabei seien die Hygienevorschriften des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu beachten. »Unter anderem bedeutet dies, dass zusätzliche Betten aus Hygienegründen für die Belegung gesperrt werden müssen.« In Summe habe dies zur Folge, dass sich die Zahl der für die Behandlung anderer Erkrankungen vorhandenen Betten mit zunehmender Pandemie stetig reduziere. Im Kreiskrankenhaus Schotten müssen laut Fellermann aktuell zwölf Betten vorgehalten werden. Auch diese seien belegt.

Der GZW-Chef weiter: »Nicht verhindern lässt sich, dass unsere Notaufnahmen etwas häufiger vom Rettungsdienstsystem vorübergehend abgemeldet werden, als dies ohne Corona der Fall wäre.« Das heißt, in diesen Zeiten kann ein Rettungswagen das Krankenhaus nicht ansteuern.

Für die Krankenhäuser sei der Aufwand groß, sagt Fellermann, auch wegen des enormen Bedarfs an Schutzausrüstung: »Er liegt bei einem Covid-19-Patienten bei durchschnittlich bis zu 20 FFP2-Masken, 20 Schutzbrillen, 20 Schutzkitteln, 20 Paar Handschuhen und 20 Paar Überziehschuhen - täglich!« Der zu Beginn der Pandemie gezahlte Zuschuss pro Patient von 50 Euro sei schon im vergangenen Jahr ausgelaufen.

ENERGIEVERBRAUCH

Krankenhäuser sind auch Betriebe , in denen es um Einnahmen und Ausgaben geht. Und diesbezüglich blickt GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann nicht gerade optimistisch in die Zukunft.

Eine signifikante Rolle bei der Prognose spiele der bislang fehlende Inflationsausgleich, auch würden schlüssige Konzepte zum Umgang mit den Folgen der Energiekrise fehlen. „Krankenhäuser benötigen viel Energie - ein Bett = Verbrauch eines Einfamilienhauses!“, macht es der GZW-Chef anschaulich. »Insgesamt sind wir vom Belegungsniveau aus Vor-Corona-Zeiten noch weit entfernt. Bundes- und landesweit rechnen die Krankenhäuser deshalb mit einer Minderbelegung (und entsprechenden Mindererlösen) von 15 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019“, erläutert Fellermann. Dazu komme, dass der Ausgleich für Betten, die für vorgehalten werden müssen bzw. als gesperrt nicht genutzt werden können, seit dem 1. Juli ausgelaufen sei. agl

Wie es beim Personal aussieht

Soweit zu den Patienten. Wie sieht es beim Personal aus? Wie hoch ist der Krankenstand? »Auch da liegen die Häuser des GZW im Bundestrend. Die Zahl der an Corona und ›normaler‹ Grippe erkrankten Mitarbeiter:innen ist signifikant höher als vor Corona in dieser Jahreszeit üblich«, antwortet Fellermann. »Bisher können wir den Normalbetrieb aufrechterhalten. Dafür sind allerdings erhebliche Anstrengungen nötig und großes Organisationstalent, das insbesondere die Pflegedienstleitungen an unseren Krankenhäusern inzwischen täglich aufbringen müssen, wofür ich ihnen an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen möchte.« Eine Schließung von Stationen drohe immer, wenn Personal krank werde. Insbesondere spielten bestimmte neuralgische Punkte eine Rolle, beispielsweise Krankmeldungen etwa in Anästhesie- und OP-Pflege. Bisher habe man es vermeiden können, wegen Personalmangels wichtige Eingriffe zu verschieben.

GZW-Häuser aktuell in der Stufe »Gelb«

Wäre es für das GZW sinnvoll, wenn Corona positive Beschäftigte arbeiten würden? Fellermann verweist auf das Informations- und Meldesystem »Notfallbetrieb in Kliniken in der Covid-19-Pandemie«. Seien medizinische Regelversorgung und Behandlungskapazität stark eingeschränkt, dann müssten die Krankenhäuser gegenüber dem Ministerium mitteilen, dass sie sich in der Stufe »Gelb« befinden. Dies gelte aktuell für alle drei Krankenhäuser des GZW. Der Erlass zur Aufrechterhaltung der Patientenversorgung vom 2. März sehe vor, dass ab Stufe »Gelb« der freiwillige Einsatz von positiv getesteten Mitarbeitern zulässig sei. »In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass diese Theorie so gut wie nicht greift.«

Bett hat Verbrauch eines Einfamilienhauses

Krankenhäuser sind auch Betriebe, in denen es um Einnahmen und Ausgaben geht. Und diesbezüglich blickt GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann nicht gerade optimistisch in die Zukunft. Eine signifikante Rolle bei der Prognose spiele der bislang fehlende Inflationsausgleich, auch würden schlüssige Konzepte zum Umgang mit den Folgen der Energiekrise fehlen. »Krankenhäuser benötigen viel Energie - ein Bett = Verbrauch eines Einfamilienhauses!«, macht es der GZW-Chef anschaulich. »Insgesamt sind wir vom Belegungsniveau aus Vor-Corona-Zeiten noch weit entfernt. Bundes- und landesweit rechnen die Krankenhäuser deshalb mit einer Minderbelegung (und entsprechenden Mindererlösen) von 15 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019«, erläutert Fellermann. Dazu komme, dass der Ausgleich für Betten, die für Corona-Patienten vorgehalten werden müssen bzw. als gesperrt nicht genutzt werden können, seit dem 1. Juli ausgelaufen sei.

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Dirk M. Fellermann © Christoph Agel

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