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Der Spieleverlag Pegasus in Friedberg entwickelt Gesellschaftsspiele. Eine Mediendesignerin zeigt FR-Leserinnen und Lesern, wie die preisgekrönten Brettspiele entstehen.

Firmenbesuch

Pegasus Spieleverlag in Friedberg entwickelt neue Spielideen

Es muss nicht immer Monopoly sein: Beim Pegasus Spieleverlag in Friedberg werden Ideen zu aufregenden Brettspielen.

Ein wenig enttäuscht waren sie schon; die Geschäftsführer des Pegasus Spieleverlags Andreas Finkernagel und Carsten Esser. Schließlich fährt man bei einer Nominierung zum „Kinderspiel des Jahres“ immer in der Hoffnung hin, den Preis auch abräumen zu können. Doch in diesem Jahr sollte es nicht sein, auch wenn die Jury dem Spiel bescheinigt: „Fabulantica ist ein sagenhaftes, spannungsgeladenes Wettrennen, das zu immer neuen, abenteuerlichen Entdeckungsreisen einlädt. Es fällt schwer, sich davon nicht verzaubern zu lassen.“

Verzaubern ist auch das richtige Stichwort für Claudia Geigenmüller. Die 35-jährige studierte Mediendesignerin, die seit 2015 für das gesamte Kinderspielsortiment des Friedberger Verlages zuständig ist, muss von neuen Spielideen verzaubert werden. „Ich entscheide sehr schnell, ob eine Spielidee für Kinder greift“. „Das liegt nicht nur an meiner Erfahrung, sondern auch daran, dass ich die „Fünfjährige“ in mir bewahrt habe“, schmunzelt sie.

Die Spielideen, die zu einem großen Teil von Lehrern, Erziehern aber auch Privatpersonen kommen, landen entweder im Verlag oder Claudia Geigenmüller besucht Messen, an denen neue Ideen für Kinderbrettspiele vorgestellt werden. „Das ist mir auch am liebsten, den direkten Kontakt zum Spieleautor und die Möglichkeit das Spiel zumindest anspielen zu können.“ Entscheidend ist, ob die Grundidee des Spieles stimmt. Die meisten Spielideen-Geber sind Privatleute. Entweder sind sie selbst leidenschaftliche Spieler oder sie haben über ihren Beruf einen Zugang zu Kindern. „Die haben dann eine gute Grundidee, aber um daraus ein Spiel zu entwickeln braucht es viel mehr Know-how“, erzählt die Spiele-Redakteurin. Es gibt ohnehin nur sehr wenige Spieleautoren, die das professionell machen und davon leben können. Marco Teuber ist einer dieser wenigen Ausnahmen. Der studierte Kulturwissenschaftler ist seit 15 Jahren Spieleautor und hat auch das in diesem Jahr nominierte Kinderspiel „Fabulantica“ entwickelt. Die meisten guten und schlüssigen Spielideen, so Claudia Geigenmüller, seien jedoch wie ein roher Diamant, dem man den richtigen Schliff verpassen müsse.

Ein Turm aus dem Spiel Fabulantica: Irgendwann geht es auch ohne Anleitung.

Doch bis es so weit ist, muss die nächste Hürde genommen werden: Der erste Testlauf mit den Kindern der Altersgruppe, für die das Spiel gedacht ist. „Dabei können wir dann unmittelbar sehen, ob unsere Einschätzung greift“. „Kinder sind einfach sehr ehrlich und direkt“, sagt Geigenmüller. „Da hören wir genau hin“.

Gut zuhören muss Claudia Geigenmüller auch beim Besuch in der Pegasus Zentrale in Friedberg. Hier stellt die ansonsten in Halle arbeitende Spieleredakteurin ihre Auswahl der Redaktionsleitung vor: Was passt wirklich in unser Sortiment bzw. in die einzelnen Segmente, was ist strategisch klug, wo setzen wir unseren Schwerpunkt, sind alle Alterszielgruppen berücksichtigt – all dies muss abgewogen werden, bevor tatsächlich ein Spiel ins Programm von Pegasus aufgenommen wird und der Spieleautor von seinem Glück erfährt.

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit von Claudia Geigenmüller. Die Spielidee ist erst einmal nur eine reine Spielmechanik. Im nächsten Schritt geht es darum, einen Titel für das Spiel zu finden. „Da gehen schon mal Wochen ins Land, weil wir natürlich einen knackigen und gut einprägsamen Titel brauchen und gleichzeitig es schon unglaubliche viele Titel gibt, deren Rechte wir nicht verletzten dürfen“.

Details sind wichtig

Doch irgendwann stehen Titel und Geschichte des Spiels und dann dürfen sich bei sich bei Claudia Geigenmüller wieder zwei Persönlichkeiten verbinden. Die erwachsene Spieleentwicklerin und die kleine „Fünfjährige“, die sie sich bewahrt hat. Gemeinsam mit der Illustratorin entwickelt sie auf Grundlage der Spielgeschichte Charaktere und Szenarien. Sie freut sich über jeden neuen Gestaltungsentwurf und achtet darauf, dass die Figuren und das Spielbrett viele Details enthalten. Denn die „Fünfjährige“ in ihr weiß, dass Kinder noch die Fähigkeit haben, diese immer wieder neu zu entdecken.

„Wir tüfteln solange, bis wir das Maximum herausgeholt haben“. „Allerdings“, so Claudia Geigenmüller, „kennen wir auch unsere Spielregeln“. Was nichts anderes bedeute, als den Spagat zwischen Kreativität und Wirtschaftlichkeit hinzubekommen. Bei dem nominierten Spiel Fabulantica hieß dies: Die Figuren wurden aus Pappe gefertigt, die Türme jedoch mussten auf jeden Fall die Haptik eines Turmes vermitteln und damit aufwendiger produziert werden.

Es ist ein langer Weg von der ersten Spielidee bis zum fertigen Produkt. Aber für Claudia Geigenmüller eine wunderschöne Arbeit, all diese Schritte federführend zu begleiten. Deshalb ist ein Besuch im Pegasus Spielelager in Friedberg auch ein absolutes Muss bei jedem Aufenthalt in der Kreisstadt. Denn dort stehen dann die Paletten „ihrer“ Spiele.

Nächstes Jahr wird wieder das Kinderspiel des Jahres gewählt. Eine neue Chance für den Pegasus Spieleverlag und Claudia Geigenmüller. Dass sie das Zeug dazu hat, hat Claudia Geigenmüller schon bewiesen: Unter ihrer Führung entstand das Kinderbrettspiel „Der verzauberte Turm“, das 2013 zum Kinderspiel des Jahres ausgezeichnet wurde.

Verlosung

Die FR verlost 10 x 2 Karten für eine Führung am 7. August um 14 Uhr durch den Pegasus Spieleverlag in Friedberg . Einfach unter https://fr.de/gewinnspiel mit dem Losungswort „Pegasus“ registrieren.

Einsendeschluss ist der 2. August, 10 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Nur Gewinner werden benachrichtigt.

Weitere Informationen zu dem Spieleverlag finden Sie unter https://www.pegasus.de.

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