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Ideengeber: Professor Johannes Peter Hölzinger und sein Modell für die zwischen 1905 und 1911 erbaute Jugendstil-Anlage.

Bad Nauheim

Sprudelhof-Pläne unter Vorbehalt

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Der Sprudelhof ist das Wahrzeichen der Wetterauer Kurstadt Bad Nauheim. Nun entscheiden die Stadtverordneten über das städtebauliche Konzept für die Anlage und ihre Umgebung.

Als der Bad Nauheimer Architekt Johannes Peter Hölzinger im November sein städtebauliches Konzept für den Sprudelhof präsentierte, war die Euphorie groß. Hölzinger hatte seit Ende 2015 zusammen mit dem zuständigen Fachbereich im Rathaus daran gearbeitet. Nachdem es bekannt wurde, war vom großen, mutigen Wurf die Rede. Die ersten Stellungnahmen der Parteien fielen durchweg positiv aus. Gut zweieinhalb Monate später ist die Euphorie ein Stück weit der Ernüchterung gewichen. Etliche Elemente des Entwurfs, den die Kurstadt als Grundlage für die Entwicklung des Sprudelhof-Areals nutzen will, werden kritisch gesehen.

Stadtverordnete äußern Bedenken. Einige Einwohner machen als „Initiative für einen zügigen Thermen-Neubau ohne Reihenhausbebauung“ gegen das Konzept des Professors mobil. Ausgenommen von der Kritik ist die Anbindung der Therme an das Badehaus 2 der Jugendstilanlage, in dem die Saunalandschaft unterkommen soll. Dagegen gibt es keinen Widerstand mehr.

Der neu gegründeten Initiative missfallen die geplanten Wohnungen samt Tiefgaragen. Nach den Vorstellungen von Hölzinger und der Stadt sollen diese entlang der Ludwigstraße entstehen – auf den teuersten Grundstücken, die die Stadt derzeit zu verkaufen hat. Wie viele es werden, ist offen. Zwischen 40 und 50, hieß es am Anfang. In der Bürgerversammlung sprach der Architekt dann von knapp 30 in einem dreigeschossigen Gebäude.

So werde die Sicht nicht nur auf den Sprudelhof verstellt, sondern auch auf andere Wahrzeichen der Stadt, zum Beispiel den Johannisberg, moniert Erik Meyer von der Initiative. Überdies sei das Finanzierungsmodell der Stadt für das Sprudelhof-Vorhaben mit Vorsicht zu genießen.

Von den etwa 100 Millionen Euro, die die Realisierung der Hölzinger-Pläne nach Schätzungen der Stadt kosten wird, bleiben laut Kämmerer Peter Krank 25 Millionen an der Kommune hängen. So viel würden der Abriss der alten Therme, der Neubau, die Anbindung ans Badehaus und der Umzug des Theaters im Sprudelhof kosten. Die übrigen 75 Millionen Euro seien Investitionen von Privaten. Sie sollen die Wohnungen, das an die Therme angeschlossene Hotel mit Tiefgarage und die zwei anderen Tiefgaragen bauen.

An diesen lässt die Initiative, der laut Meyer zehn Personen angehören und die von weiteren 30 unterstützt werde, ebenfalls kein gutes Haar. Sie sollen laut dem Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung im Rathaus, Jürgen Patscha, Platz für mindestens 400 Fahrzeuge bieten. Zu wenig, meint die Initiative, obwohl es 160 Stellplätze mehr wären, als der alte Thermenparkplatz und das Parkdeck heute bieten. Angesichts der neuen Bewohner und einer attraktiveren Therme hält die Initiative 300 zusätzliche Parkplätze für angebracht. Patscha winkt ab: Dafür gebe es keinen Platz.

Morgen sollen die Stadtverordneten über Hölzingers Konzept abstimmen und die Aufstellung des Bebauungsplans beschließen. Die Kritik der Initiative kommt für den Fachbereichsleiter deshalb zu früh. „Es geht um den Grundsatzbeschluss.“ In der letzten Woche hatten sich bereits die Ausschüsse mit großer Mehrheit für die Pläne ausgesprochen.

Dennoch lassen die Stadtverordneten Vorsicht walten. Bis auf den Thermenneubau mit Badehausanbindung haben sie auf Antrag der Freien Wähler alle anderen Elemente des Konzepts (Hotel, Tiefgaragen, neue Spielstätte und Wohnhäuser) mit dem Attribut „angestrebt“ versehen. „Wir bauen noch ein paar Haltelinien ein“, sagt der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses, Markus Philippi (Freie Wähler).

Sollten die Stadtverordneten der Magistratsvorlage zustimmen, will die Stadt keine Zeit verlieren. Im Februar werde man die Planung der Therme ausschreiben und einen Betreiber suchen. Die Reihenfolge sei klar: Erst werde das Thermalbad gebaut, dann würden Hotel und Wohnungen folgen. Spätestens Anfang 2021 solle die Therme eröffnen.

Das Stadtparlament tagt am Donnerstag ab 19.30 Uhr im Konzertsaal der Trinkkuranlage, Ernst-Ludwig-Ring 1.

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