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Der Fluss wird wieder wild

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Niddatal Die Nidda bekommt im Osten Assenheims ihr natürliches Bett zurück

Von Bruno Rieb

Wild sprudelte die Nidda einst durch die Aue bei Assenheim, wühlte, schabte und schwemmte sich immer wieder ein neues Bett. Nach dem Krieg wurde sie gezähmt, bekam ein Korsett aus Steinen und Schwellen, die das Wasser stauten. Die sind „so ziemlich das schlimmste, was man einem Fluss antun kann“, sagt der Gewässerökologe und Nidda-Experte Gottfried Lehr.

Nach und nach werden die Sünden der Vergangenheit an dem Fluss beseitigt. Jetzt ist ein 400 Meter langes Stück östlich von Assenheim dran.

Billig ist die Fehlerkorrektur nicht. Stolze 275000 Euro kostet es, dem knapp 90 Kilometer langen Fluss auf dem 400-Meter-Stück wieder ein natürliches Bett zu verschaffen. 225150 Euro, also 80 Prozent der Kosten, steuert das Land Hessen bei. „Das ist viel“, sagte Hessens Umweltministern Lucia Puttrich (CDU) beim ersten Spatenstich am Montag.

Die Nidda habe das Steinkorsett nach dem Krieg „mit den allerbesten Absichten“ verpasst bekommen, so Landrat Joachim Arnold (SPD). Man habe damals darum gekämpft, den Flüssen jeden Quadratmeter abzuringen, der bebaubar war oder zu Ackerfläche gemacht werden konnte. Erst jetzt sei man wieder in der Lage, dem Fluss den Raum zu geben, der ihm gebühre.

Das Stück, auf dem die Nidda nun freigelassen wird, erstreckt sich von der Eisenbahnbrücke im Osten Assenheims flussaufwärts bis kurz hinter den Altarm. Der ist das Kernstück der Renaturierung. In seiner Höhe befindet sich eine Stauschwelle, die beseitigt werden soll. Damit weiter genügend Wasser in den alten Arm fließt, solle das Flussbett hier tiefergelegt werden, sagt Lehr.

Außerdem solle das steinerne Korsett „zumindest auf einer Seite geknackt werden“. Lehr hofft, dass dann wieder Kies in den Fluss gespült wird und sich Bänke bilden. Kiesvorkommen sind am Ufer gefunden worden. Unklar ist aber, wie ergiebig sie sind. Deshalb solle Kies aus dem Main eingetragen werden, sagt Thomas Buch von der Unteren Wasserbehörde des Wetteraukreises. Kiesbänke seien wichtig als Laichgebiet für praktisch alle Fische. Früher sei Geröll aus dem Vogelsberg bis hierher gespült worden. Das werde nun durch die Talsperre bei Schotten verhindert.

Das Ufer solle abgesenkt werden, damit wieder ein Auenwald entstehen könne, sagt Lehr. Umweltministerin Puttrich spricht von einem „fließgewässertypischen Gehölzsaum aus Erlen und Weiden“. Der Biber soll sich hier wohlfühlen. Der ist nach Jahrzehnten wieder an die Nidda zurückgekehrt und hat sich auch bei Assenheim niedergelassen. Wild sei die Nidda einst durch die Aue geflossen, „da wollen wir wieder hin“, sagt Lehr.

Wenn das 400 Meter lange Stück der Nidda renaturiert ist, dann wird sich eine Arbeitsgruppe aus Schülern der Assenheimer Geschwister-Scholl-Schule um die Pflege kümmern. Die 16 Haupt- und Realschüler der 7. Klassen wollen Müll beseitigen und Büsche zurückschneiden. Das sei „gelebter Naturschutz in der Schule“, lobt Puttrich.

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