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Flüchtlinge in „Familienstadt“

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Von: Petra Zeichner

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Das Jerusalemer Tor in Büdingen ist das  Wahrzeichen der früheren Kreisstadt im Osten der Wetterau.
Das Jerusalemer Tor in Büdingen ist das Wahrzeichen der früheren Kreisstadt im Osten der Wetterau. © Tourist Information Büdingen

Sechs Kandidaten ringen um das Amt des Bürgermeisters. Am Sonntag, 27. September, ist Wahl. Auch ein NPD-Mann tritt an. Die übrigen Kandidaten sind sich uneinig, wie sie mit dessen Teilnahme an einer Podiumsdiskussion umgehen.

Rund 16.500 Menschen wählen am Sonntag, 27. September, Büdingens neuen Bürgermeister. Kann sein, dass Erich Spamer (FWG) zum dritten Mal das Rennen macht. Möglich ist aber auch, dass ihm einer der fünf anderen Kandidaten den Rang abläuft oder zumindest dazu beiträgt, dass es zur Stichwahl kommt. Die wäre dann am 18. Oktober.

Die Wahl steht im Zeichen der geplanten Hessischen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in der einstigen Armstrong-Kaserne. Was diese betrifft, so sind sich fünf Kandidaten grundsätzlich einig, dass diese nötig ist: neben Spamer Benjamin Carlos Harris, der als CDU-Mitglied auch für die SPD antritt und die drei parteilosen Bewerber Udo Stern, Astrid Hinteregger und Stefan Erk.

Amtsinhaber Spamer wirbt unter anderem mit der „Familienstadt“. Viel habe die Stadt in den vergangenen Jahren dafür getan, seien es die zehn neuen U3-Betreuungsgruppen in den Kindergärten oder der renaturierte Hubschrauberlandeplatz. Spamer geriet ungut in die Schlagzeilen, als er im September 2014 betrunken in einer Stadtverordnetenversammlung erschienen war.

Harris, 38 Jahre alter Sozialversicherungsfachangestellter, kennt die Kommunalpolitik bereits als Stadtverordneter. Als einen inhaltlichen Schwerpunkt nennt er das politische Klima innerhalb und zwischen den städtischen Gremien.

Für den 54-jährigen Heilpraktiker Stern, der seit 1986 eine Praxis für Naturheilverfahren führt, sind unter anderem Bürgerbeteiligung, Jugendarbeit und Mehrgenerationenprojekte wichtige Themen. Er betont „eine Kultur des anständigen miteinander Redens“.

Astrid Hinteregger begibt sich zum ersten Mal in die Kommunalpolitik. Vor über 30 Jahren habe sie kurz bei der FDP reingeschaut, seit dem sei sie ohne Parteibuch. Seit acht Jahren ist die 47-jährige selbstständige Industriekauffrau ehrenamtliche Vorsitzende der Kita Tintenklecks. Sie betont, mehr für die Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit tun zu wollen.

Schließlich tritt der 38 Jahre alte Stefan Erk an. Er ist Bürokaufmann und würde sich etwa dafür einsetzen, dass wieder eine Downhillstrecke für Mountainbikes innerorts eröffnet. Auch das Hallenbad möchte er wiedereröffnet sehen. Er wolle sich nicht als Person profilieren, sagt er. „Ich bin Pragmatiker.“

Als sechster Kandidat tritt Daniel Lachmann (NPD) an. Wegen seiner Teilnahme an einer geplanten Podiumsdiskussion haben zwei Kandidaten schon ihre eigene abgesagt. Er wolle Lachmann kein „Forum für seine rechten Parolen zu geben“, sagt Spamer.

Harris betont: „Seit Jahren müssen wir in Büdingen miterleben, wie dieser Kandidat sein Stadtverordnetenmandat missbraucht, um fremdenfeindliche, geschichtsrevisionistische und volksverhetzende Thesen am Rande der Strafbarkeit öffentlich zu verbreiten.“ Dieser Propaganda wolle er nicht noch ein Podium bieten.

Uneins wegen NPD

Stern sieht das anders. Er will teilnehmen, aber „mit Bauchschmerzen“. Gebraucht würde eine entsprechende Moderation. Es sei gelebte Demokratie, den NPD-Mann aufs Podium zu lassen. Schließlich sitze der auch im Kreistag und in der Büdinger Stadtverordnetenversammlung. Ähnlich sieht es Astrid Hinteregger. „Das Podium wird ihm durch die Demokratie gegeben“, sagt sie. Wäre die NPD verboten, sähe die Sache anders aus. „Sich den Parolen zu stellen sehe ich als Chance.“

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